Biomasse wird vergast Esterweger Unternehmen macht aus Mist Strom

Die Anlage zur Vergasung von Biomasse-Pellets nahmen (von links) Heinz-Hermann Vennen, Armin Gooßens, Gisela Vennen, Wilhelm Sievers, Gitta Connemann, Ludger Wahrheit, Heinz Thomes, Karl-Heinz Schenkel und Andreas Klumpe in Augenschein. Foto: Marion LammersDie Anlage zur Vergasung von Biomasse-Pellets nahmen (von links) Heinz-Hermann Vennen, Armin Gooßens, Gisela Vennen, Wilhelm Sievers, Gitta Connemann, Ludger Wahrheit, Heinz Thomes, Karl-Heinz Schenkel und Andreas Klumpe in Augenschein. Foto: Marion Lammers

mls Esterwegen. Ein neues Projekt mit dem Ziel der Rohstoffrück- und Energiegewinnung hat Hans-Hermann Vennen, Geschäftsführer der Gesellschaft BioChar, in den Räumen der Firma HV Lohnunternehmen in Esterwegen während eines Besuchs der CDU-Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann vorgestellt.

Die Idee für das Projekt war bereits vor einigen Jahren entstanden, als Vennen sich Gedanken machte, wie man die Geruchsemissionen aus Hähnchenställen vermeiden könnte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus das innovative Konzept für eine Anlage zur Vergasung von Biomasse-Pellets.

Zunächst wird Biomasse tierischen oder pflanzlichen Ursprungs wie beispielsweise Geflügelmist oder Gärreste aus Biogasanlagen getrocknet und anschließend zu geruchslosen Pellets gepresst. Diese werden in der Biomassevergasungsanlage bei hohen Temperaturen und kontrollierter Sauerstoffzufuhr vergast. Ein Vorgang, der als Pyrolyse bezeichnet wird. Die dabei entstehenden Pyrolysegase können zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt werden.

Die im Vergasungsprozess zurückbleibende „Biokohle“ (Biochar) ist geruchsneutral und nach Angaben von Vennen aktuellen Laboruntersuchungen zufolge sehr mineralstoffreich. Die Biokohle sei in der Lage, Wasser zu speichern. Somit könne sie mit ihren wachstumsfördernden Eigenschaften als Dünger auf Felder ausgebracht werden. Unerwünschte Inhaltsstoffe wie Krankheitserreger, Antibiotika und Hormone, die im Geflügelmist enthalten sind, werden laut Vennen innerhalb des Verfahrens thermisch zerstört.

Langfristig ist die Entwicklung eines geschlossenen Systems geplant, in dem die Biomasse durch die entstehende Wärme getrocknet wird und nach der Pelletierung und dem Vergasungsprozess für Strom und Wärme in den angrenzenden Ställen sorgt. Die überschüssige Energie kann in das öffentliche Netz eingespeist werden. Der gesamte Kreislauf läuft geruchs- und CO2-neutral ab. „Diese dezentrale Gewinnung regenerativer Energie ist die Lösung für die Zukunft“, erklärte Armin Gooßens. Er ist Kraftwerksingenieur bei der Firma IBH Engineering und zurzeit für BioChar tätig.

Um die langfristigen Ziele zeitnah umzusetzen, haben die Geschäftsführer Hans-Hermann Vennen und Wilke Engelbart, Geschäftsführer der Engelbart biologische Verfahren GmbH, zusammen mit verschiedenen Kooperationspartnern die Gesellschaft „BioChar“ gegründet. Ludger Wahrheit, Geschäftsführer der Wahrheit Anlagenbau GmbH, unterstützt bei der Entwicklung der Anlage, während Armin Gooßens den Vertrieb übernimmt. Andreas Klumpe, Inhaber der Steuerkanzlei Klumpe, kümmert sich um die kaufmännischen Belange.

Überzeugt von der innovativen Idee ihres Vaters, hatte die Tochter der Familie Vennen spontan die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann im Anschluss an einen Besuch in der Schule eingeladen, sich persönlich ein Bild von der Anlage zu machen. Connemann: „Dieses innovative ,nach vorne wollen‘ der Emsländer“ sei das Typische an dieser Region. „Mit ihrem Projekt haben sie eine Antwort auf die drängenden Fragen dieser Zeit gefunden.“ Die Abgeordnete sagte zu, das Projekt in weiteren Kreisen vorzustellen, und zeigte verschiedenen Möglichkeiten der Förderung sowie weitere mögliche Kooperationspartner auf.


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