Steffi de Grave
Den Weihnachtsbaum gibt es erst seit ca. 1800 in deutschen HäusernDen Weihnachtsbaum gibt es erst seit ca. 1800 in deutschen Häusern

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Nikolaus, Christkind oder Weihnachtsmann? In jeder Familie steht etwas anderes im Mittelpunkt beim Weihnachtsfest. Einen Weihnachtsbaum und einen Adventskranz gibt es aber vermutlich in jedem Haus. Wie kommt es eigentlich, dass einige Traditionen den Weg in jedes weihnachtliche Wohnzimmer geschafft haben, andere aber von Familie zu Familie variieren?

Zunächst war das Weihnachtsfest als solches völlig unbekannt. Stattdessen wurde am 21. Dezember die Wintersonnenwende gefeiert. Erst später, als sich im 4. Jahrhundert das Christentum immer mehr durchsetzte, wurde die Geburt Christi gefeiert. Dabei überschnitt sich das Datum mit der Wintersonnenwende, weil man der Verkündigung des Engels Gabriel an Maria, dessen Datum der 25. März sein soll, neun Monate hinzurechnete und so auf den 25. Dezember kam.

Die Symbolik der beiden Feste wies durchaus Gemeinsamkeiten auf. An Mitwinter feierte man, dass die längste Nacht des Jahres vorüber war und nun das Licht zurückkehren würde. Auch Jesus wurde als Lichtbringer angesehen.

Die heute bekannten Brauchtümer entstanden jedoch erst viel später.Weihnachten war zunächst ein öffentliches Fest, das durch Weihnachtsmärkte und Krippenspiele begangen wurde. Auch grüne Nadelbaumzweige und später Tannenbäume wurden auf Plätzen aufgestellt. Schon im Mittelalter hängten die Menschen diese auf, als Zeichen für Hoffnung auf neues Leben.

In Zeiten der Aufklärung galten weihnachtliche Symbole und Bräuche zum Teil als Aberglauben und wurden verboten, weshalb sich die Weihnachtsfeiern aus den Kirchen und von öffentlichen Plätzen in die Häuser verlegten und immer mehr zum Familienfest wurden.

Erst um 1800 fanden die Weihnachtsbäume den Weg in die vornehmlich evangelischen Häuser. Mit Kerzen wurden sie allerdings erst später geschmückt, da Wachs sehr teuer war.Für die Katholiken waren eher die Krippen unerlässlich für das Weihnachtsfest.Schon damals -und teilweise noch heute- war der Besuch der Christmette ein fester Bestandteil des Weihnachtsfestes, früher am Morgen des ersten Weihnachtstages, heute meistens am 24. Dezember um Mitternacht.Weihnachtslieder waren lange Zeit mit lateinischem Text verfasst, das bekannteste ist wohl „In dulci jubilo“. Mit der Reformation gab es immer mehr Lieder mit deutschem Text, wie zum Beispiel „Vom Himmel hoch“.

Die Geschenke wurden lange Zeit vom heiligen Nikolaus zu den Kindern gebracht. Die Protestanten hielten jedoch nichts von der Heiligenverehrung  der Katholiken, deshalb brachte Martin Luther das Christkind hervor. Dies setzte sich mit der Zeit auch als Geschenkebringer in den katholischen Haushalten durch, allerdings behielt der Nikolaus ebenfalls Bestand.Der Weihnachtsmann wird erstmals 1835 in einem Lied von Hoffmann von Fallerleben erwähnt.

Der Adventskranz und der Adventskalender setzten sich erst um 1900 durch und sollten den Kindern die Wartezeit auf Weihnachten veranschaulichen und verkürzen.Viele dieser Bräuche, wie zum Beispiel das Aufstellen eines Weihnachtsbaums, verbreiteten sich von Deutschland aus in die ganze Welt und haben bis heute Bestand.

In der heutigen Zeit liegt der inhaltliche Mittelpunkt immer weniger auf dem religiösen Hintergrund des Weihnachtsfestes. Es wird vielmehr als Familienfest gefeiert, bei dem das Schenken und die familiäre Harmonie im Mittelpunkt stehen.

Unabhängig davon, was jedem einzelnen die größte Weihnachtsfreude macht, ist die Vorweihnachtszeit für alle zugleich aufregend und heimelig. Dies ist bereits seit langer Zeit so und wird vermutlich auch noch für eine sehr lange Zeit so bleiben.