Roman „Zirkus Konzentrazani“ Widerstand mit Kultur im KZ Börgermoor

„Roman gegen das Vergessen“: Die Autoren Volker Hedemann (links) und Udo Brückmann (rechts) beim Signieren ihres Romans „Zirkus Konzentrazani“. Foto Anna Heidtmann„Roman gegen das Vergessen“: Die Autoren Volker Hedemann (links) und Udo Brückmann (rechts) beim Signieren ihres Romans „Zirkus Konzentrazani“. Foto Anna Heidtmann

Esterwegen. „Zirkus Konzentrazani“ nannten Häftlinge am 27. August 1933 ihre Protestaufführung gegen den brutalen Terror im Konzentrationslager (KZ) Börgermoor, an dessen Ende das Moorsoldatenlied zur Uraufführung kam. Unter dem gleichnamigen Titel hat der Geest-Verlag jetzt einen Roman veröffentlicht, den die Autoren Udo Brückmann und Volker Hedemann jetzt in der Gedenkstätte Esterwegen vorgestellt haben.

In Anlehnung an die historischen Ereignisse schildert das Buch in einer fiktiven Geschichte das Leben und den Widerstand im KZ Börgermoor sowie die mutige Zirkusvorstellung der Inhaftierten, dessen emotionale Wirkung auch das Wachpersonal nicht verfehlte. Erste Annäherungen zwischen Wächtern und Inhaftierten brachten das Terrorsystem zum Wanken. Für den gewählten Untertitel „Ein Roman gegen das Vergessen“ nannte Verlagsleiter Alfred Büngen zwei Gründe: Zum einen sei es die Verpflichtung, das damalige Geschehen im Gedächtnis zu bewahren. Angesichts des baldigen Fehlens von Zeitzeugen müsse die Literatur „das Leiden und den Widerstand insbesondere in die Herzen junger Menschen transportieren“ und sie somit an den Ereignissen teilhaben lassen. Als Zweites verdeutliche der Roman die „Macht der Kultur“. Während die kulturellen Veranstaltungen der Häftlinge im KZ Börgermoor anfangs zur „Überlebenshilfe für sie selbst“ dienten, wurden sie später „zur Waffe gegen ihre Bewacher“. Kultur habe somit nicht nur unterhaltende Funktion, sondern sei daneben ein „wesentliches Mittel zum Erkennen und Verändern eigener Situationen“. „Ich hoffe, dass der Roman seinen Weg in Schulen und andere Diskussionen findet“, sagte der Verlagsleiter.

Während ihrer Lesung präsentierten die beiden Autoren den Zuhörern im voll besetzten Seminarraum insgesamt fünf Textpassagen. Den Abschluss bildete die Aufführung des Moorsoldatenliedes, das als eines der bekanntesten Protestlieder aus dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus in die Geschichte eingegangen ist.

Am Ende der Veranstaltung nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit, in den Besitz eines von den Autoren handsignierten Buches zu gelangen. Der 46-jährige Udo Brückmann lebt als Pädagoge und Autor im ostfriesischen Apen. Er ist studierter Philosoph und Kunsthistoriker und war bereits im Fernseh-, Film- und Bühnenbereich tätig. Erste literarische Veröffentlichungen gab es in Anthologien sowie im Bereich Jugendbuch und Kindergedichte.

Der 53 jährige studierte Philosoph und Historiker sowie promovierte Politikwissenschaftler Volker Hedemann lebt in der Nähe von Oldenburg. Er ist als Dozent für Philosophie in der Erwachsenenbildung und diversen Lehraufträgen tätig. Zu seinen Veröffentlichungen gehört unter anderem das Buch „Zigeuner – Zur Kontinuität der rassischen Diskriminierung in der alten Bundesrepublik“.