Auszeichnung des Niedersächsischen Heimatbundes Allee des Monats steht in der Gedenkstätte Esterwegen

Von pm

Die Allee in der Gedenkstätte Esterwegen. Foto: Ansgar Hoppe/Niedersächsischer HeimatbundDie Allee in der Gedenkstätte Esterwegen. Foto: Ansgar Hoppe/Niedersächsischer Heimatbund
Ansgar Hoppe/Niedersächsischer Heimatbund

Esterwegen. Die Allee des Monats im November 2019, gekürt vom Niedersächsischen Heimatbund (NHB), ist stille Zeitzeugin des dunkelsten Kapitels auch der niedersächsischen Geschichte: Die Allee der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Esterwegen im Landkreis Emsland.

1933 richteten die Nazis das Lager Esterwegen als eines der ersten Konzentrationslager im Emsland ein, um hier unter unmenschlichen Bedingungen etwa 2000 politische Gegner zu Zwangsarbeit in der Moorkultivierung einzusetzen. Auch der Publizist, Pazifist und Friedensnobelpreisträger von 1935, Carl von Ossietzky (1889-1938), war hier zeitweise inhaftiert, ebenso der spätere Niedersächsische Ministerpräsident Georg Diederichs (1900-1983). 1937 wurde das KZ zu einem Straflager der Justiz umgewandelt, an den unmenschlichen Bedingungen änderte sich nichts.  

Die 480 Meter lange Zufahrtsstraße wurde 1935 von Häftlingen des Lagers befestigt, ab 1938 wurde die Allee zur „Verschönerung des Lagers“ gepflanzt, wie es zynisch hieß. Heute beherbergt das Gelände die zentrale Gedenkstätte für die bis zu 30.000 Opfer der insgesamt 15 Emslandlager.

Allee unter Schutz

Die Allee besteht alut Mitteilung des NHB aus zwölf Baumarten, darunter Feld-Ulme, Rot-Eiche, Ahorn- und Linden-Arten, Rosskastanie, Esche, Vogel-Kirsche, sowie Rot-Buche. Die Allee steht zu Recht als Kulturdenkmal unter Schutz. Die Historie der Pflanzung, aber auch die Besonderheit durch die Vielzahl an Baumarten erhebt diese Allee zu einer der wertvollsten Alleen und zugleich zu einem besonderen Mahnmal an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Niedersachsen, heißt es weiter. 

Als solche sei die Allee unbedingt schützens- und erhaltenswert. Hierfür sollten in der Allee in der Gedenkstätte Esterwegen dringend die bestehenden Lücken geschlossen werden, um das Kulturdenkmal auch langfristig zu erhalten. Möglicherweise ergeben sich dabei auch neue Möglichkeiten der historischen Vermittlung der mahnenden Geschichte dieser Allee, etwa mit Pflanzaktionen durch Gruppen junger Menschen mit letzten Zeitzeugen, so ein Vorschlag des NHB. Der Heimatbund ist gern bereit, entsprechende Initiativen zu unterstützen.

Rechten Tendenzen widersetzen

Dem NHB liegt gerade in dieser Zeit von wiederaufflammenden nationalistischen, ausländerfeindlichen und antisemitischen Bestrebungen sehr daran, sich diesen Tendenzen zu widersetzen. Denn der NHB steht eigenen Aussagen zufolge für einen offenen und modernen Heimatbegriff, der integrierend wirkt und nicht ausschließt. 

Seit Jahrhunderten prägen Alleen das Landschaftsbild Niedersachsens. Sie sind wertvolles Naturgut, kulturhistorisch bedeutsam und können Lebensraum und Nahrungsquelle für zahlreiche Tiere und Insekten sein. Doch gerade straßenbegleitende Alleen sind aufgrund des Ausbaus von Straßen und durch fehlende Nachpflanzungen in ihrem Bestand gefährdet. Die Allee aus Esterwegen und weitere sind aktuell in der Wander-Ausstellung „Land der Alleen – die schönsten und wertvollsten Alleen in Niedersachsen“ des NHB bis zum 1. März 2020 im Museum in Nordenham zu sehen, weitere Stationen sind in Planung.

Alleen online melden

Der NHB setzt sich seit 2015 verstärkt für den Schutz und Erhalt von Alleen in Niedersachsen ein. Seit Februar 2019 führt der NHB das von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung geförderte Projekt „Alleepaten für Niedersachsen“ unter der Schirmherrschaft des niedersächsischen Wirtschaftsministers Bernd Althusmann durch. Das Ziel ist es, ein ehrenamtliches Netzwerk aus Alleenpatenschaften zu initiieren. Vorläufer war das Projekt „Die 500 schönsten und wertvollsten Alleen Niedersachsens“, in dessen Verlauf bis Mitte 2018 mit Hilfe der Bevölkerung erstmals eine repräsentative Übersicht der wichtigsten und schönsten Alleen Niedersachsens aufgestellt werden konnte. Eine Übersicht über die Projektergebnisse samt Meldeportal gibt es online auf niedersaechsischer-heimatbund.de.


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