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Ranch-Betrieb startet in Oktober So beleben 40 Huskys das alte Tierheim in Surwold

Mit insgesamt 40 Huskys, seiner Frau und den vier gemeinsamen Kindern ist Kai Heil in das ehemalige Tierheim-Gebäude am Querkanal in Surwold gezogen. Foto. Daniel Gonzalez-TepperMit insgesamt 40 Huskys, seiner Frau und den vier gemeinsamen Kindern ist Kai Heil in das ehemalige Tierheim-Gebäude am Querkanal in Surwold gezogen. Foto. Daniel Gonzalez-Tepper 

Suwold. Statt dutzender Katzen leben jetzt rund 40 Huskys auf dem Gelände des früheren Tierheims am Querkanal in Surwold. Sie gehören der siebenköpfigen Familie Heil, die aus dem Landkreis Wesermarsch ins Emsland gezogen ist. Im Oktober startet der Ranch-Betrieb mit Husky-Ausfahrten. Unsere Redaktion durfte schon einmal Probe fahren.

Noch wird kräftig gearbeitet auf dem großen Grundstück. Eine Werkstatt mit Garage entsteht rechts hinter dem Zufahrtstor, auch im Gebäude wird fleißig renoviert. "Wir machen vieles selber", sagt Kai Heil, der das Objekt von Peter Karle aus Rhauderfehn gemietet hat. Der wiederum hatte das Objekt zu Jahresbeginn aus der Familie der langjährigen Tierheim-Betreiberin Bärbel Lohmann erworben, die den Betrieb zuletzt aus gesundheitlichen Gründen nicht aufrechterhalten konnte.

Vor knapp zehn Jahren begann Kai Heil, sich für Huskys zu interessieren. Der inzwischen 42-Jährige hatte sich als Berufssoldat bei der Bundeswehr verpflichtet, sah für sich nach einem Einsatz im Kosovo-Krieg keine Zukunft. Er schulte zum KFZ-Mechaniker um und legte sich 2011 für die Freizeit einen ersten Husky-Rüden zu. Damon ist auch heute noch der Rudelführer. Schnell kam auch eine Hündin, die Angel heißt, dazu, erste Würfe waren erfolgreich. Eine zweite Hündin, die Sky heißt, wurde angeschafft, um die Zucht zu erweitern. Irgendwann waren es 40 Huskys, alle reinrassig und mit offiziellen Papieren (Lizenzen) ausgestattet. "Die Zahl reicht uns inzwischen aber auch, wir werden die Nachzucht erst einmal stoppen, um uns um den Ranch-Betrieb zu kümmern", erklärt der Neu-Emsländer. 

Auch die Ehefrau von Kai Heil, Christa, ist eng in den Betrieb der Husky-Ranch in Surwold eingebunden. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Bis zu zwei Mitfahrer möglich

Ranch-Betrieb bedeutet, dass Interessierte mehrstündige Ausfahrten mit bis zu zwölf Huskys buchen können. Begleitet werden die Besucher von Kai Heil, seiner Tochter Nicole (17) oder der Stieftochter Jaqueline (25), die die Eheleute vor vielen Jahren adoptiert haben und die inzwischen ausgebildete Tierpflegerin ist. Im Winter könnte, wenn mehrere Zentimeter Schnee liegen, die Ausfahrt auch per Schlitten passieren. Im Regelfall aber setzen die Heils Schlitten ein, die mit Fahrrad- oder Quadreifen ausgestattet sind. Diese Schlitten, die mit einer Standfläche für den Rudelführer/Fahrer sowie bis zu zwei Sitzflächen ausgestattet sind, baut Kai Heil selbst und vertreibt sie sogar bundesweit. Sie sind mit einer Hydraulik-Bremsanlage ausgestattet und für den Betrieb im regulären Straßenverkehr zugelassen.

Die Schlitten, die von Nicole Heil (links) oder ihrem Vater Kai gelenkt werden, sind mit Reifen versehen, im Winter sind auch Ausfahrten auf Kufen möglich, sofern genug Schnee liegt. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Bei einer kleinen Testfahrt, die der Autor dieser Zeilen mit Nicole heil und sechs Huskys in der Umgebung der Ranch am Querkanal machen durfte, zeigte sich, dass die Bremsen sehr zuverlässig funktionierten. Was noch wichtiger ist: Die Hunde hören konsequent auf die Anweisungen der Fahrerin. Wenn sie ruft "stop" oder Anweisungen wie "rechts/links abbiegen" gibt, reagieren die Huskys auch sofort. Laute wie Bellen geben sie so gut wie nicht von sich, dank der Federung und Polsterung der Schlitten beziehungsweise der Sitze wirkte die Ausfahrt sehr entspannend.

Jüngster Nachwuchs ist ein Jahr alt

Zu Heils Familie gehören neben den bereits erwähnten und Nicole Ehefrau Christa (40) noch Sohn Dominique (15) sowie die Töchter Michelle (10) und Samantha (1). "Alle stehen voll hinter der Husky-Haltung und beteiligen sich, bis auf Samanta natürlich, intensiv", erklärt Kai Heil. 

Kuscheln mit Huskys: Für die 17-jährige Nicole Heil völlig normal. Die Schülerin begleitet als Fahrerin neben ihrem Vater Kai die Ausfahrten mit den Hunden. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Was die Pflege und vor allem Verpflegung der Huskys angeht, kommt schließlich auch einiges zusammen. Etwa 800 Kilogramm Trockenfutter und 400 Kilogramm Fleisch im Monat verbrauchen die Hunde nach Angaben von Kai Heil. "Am liebsten gekocht, mit Kartoffeln, Reis oder Nudeln", berichtet der Hundehalter. Am liebsten haben es Huskys kalt, was an ihrer Herkunft, also dem nordeuropäischen beziehungsweise nordasiatischen Raum, liegt. Deshalb werden die Heils die mehrstündigen Ausfahrten mit den Huskys auch nur in der kühleren Jahreszeit von Oktober bis März anbieten. 

Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Huskys schaffen bei Ausfahrten bis zu 60 Kilometer

Bis zu 60 Kilometer am Tag sind für die trainierten Hunde im Winter kein Problem, es ist Heil zufolge aber immer ein Begleitfahrzeug dabei, in dem auch ein Husky mitgeführt wird. Der "Reservehund" kann einen Husky am Schlitten ersetzen, sollte dieser erschöpft sein oder aus anderen Gründen gewechselt wird. Im Sommer sind nur ganz kurze Touren möglich, und das auch nur, wenn das Thermometer um die 15 Grad anzeigt. "Alles andere wäre Quälerei für die Hunde, und das möchten wir nicht", sagt der Betreiber. In Vorbereitung seien zwei Ferienwohnungen auf der Anlage, bei denen die Gäste ihre Hunde, sofern vorhanden, auch mitbringen können. Sollten die Gasthunde trainiert und ausdauernd sein, ist sogar das Einbinden in die Ausfahrten möglich.

Weil Huskys aus dem Stand heraus zwei Meter hoch springen können, hat Kai Heil die insgesamt etwa 2000 Quadratmeter großen Außengehege mit hohen Zäunen ausgestattet, die am oberen Ende mit einem Elektrodraht versehen sind. "Das ist laut Tierschutzgesetz auch erlaubt, der Strom schadet den Huskys auch nicht", betont der Neu-Emsländer, der unbedingt Ärger mit Nachbarn verhindern will, die sich möglicherweise durch entlaufene Hunde belästigt fühlen. Wobei seine Tiere eine enge Bindung zu ihm und der Familie hätten und so gut wie keinen Drang haben, ihr "Rudel" zu verlassen. "Unsere Huskys sind sehr chillige Zeitgenossen. Es gibt zwar auch welche, die auf Tempo trainiert sind, wir setzen aber auf Ausdauer. Dadurch ist ihr Wesen sehr entspannt", erklärt Kai Heil. Etwas lauter wird es auf der Anlage eigentlich nur zwischen 17 und 19 Uhr, wenn das Füttern angesagt ist.

Auf dem Areal, das früher das Tierheim Surwold war, ist einiges passiert. Fast alles hat die Familie Heil selbst erledigt. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Einige Hunde dürfen mit ins Wohnhaus

Die Außengehege säubert die Familie mehrmals in der Woche. "Gassi gehen" außerhalb der Gehege ist logistisch schlichtweg nicht möglich. Ihr Geschäft verrichten die Hunde aber ohnehin nicht im gesamten Gehege, sondern nur an einzelnen Stellen. Sägespäne sorgen dafür, dass der Geruch gebunden wird. Einige Hunde dürfen mit ins Wohnhaus, um die Bindung an alle Familienmitglieder hoch zu halten.

Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Mit dem Landkreis Emsland steht die Familie Heil bereits seit Ende März in Kontakt, um eine Betriebserlaubnis zu erhalten für die Husky-Ranch. Nach Angaben von Landkreissprecherin Anja Rohde hat im Zuge des  laufenden Antragsverfahrens auf eine Genehmigung nach Paragraph 11 Tierschutzgesetz für einen „Husky-Fahrbetrieb“ jüngst ein Vor-Ort-Termin auf dem Gelände am Querkanal in Surwold stattgefunden. Beteiligt waren Vertreter der Fachbereiche Hochbau und Veterinärwesen, bei welcher die Einrichtung und die Tierhaltung begutachtet wurden "Noch ist das Verfahren nicht beendet, insofern sind abschließende Einschätzungen zu diesem Zeitpunkt nicht möglich", teilte Rohde mit. Kai Heil berichtet aus dem Gespräch: "Die waren begeistert, was hier passiert ist. Auflagen, was wir noch umzusetzen haben, gab es so gut wie keine."

Auf dem Gelände des früheren Tierheim Surwold ist in den vergangenen Monaten einiges passiert. Weitere Umbau- und Sanierungsarbeiten sind geplant. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper


Zahlreiche Huskys mit Bild im Internet zu sehen

Die Familie Heil plant Kooperationen mit der Gemeinde und Einrichtungen vor Ort. Dazu soll auch Surwolds Wald gehören, Besuche in Kindergärten oder Altenheimen (einige Husyks haben dafür eine Ausbildung zum Therapiehund erhalten). Wer sich ein Bild von den Husyks und den Schlitten machen machen will, findet zahlreiche Motive auf der Internetseite husky-ranche.de. Die Schreibweise "Ranche" ist Kai Heil zufolge die "französische Schreibweise des Wortes Ranch".

Drei der aus sieben Personen bestehenden Familie Heil, die jetzt das Grundstück und die Gebäude des früheren Tierheim Surwold am Hauptkanal bewohnen. Auch das Tor hat der handwerklich begabte Kai Heil selbst gemacht. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

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