Großübung mit 150 Beteiligten Feuerwehr, MHD und THW proben in Esterwegen den Ernstfall

Von Lambert Brand

Mit einem Großaufgebot rückten Feuerwehr, MHD und THW nach Esterwegen aus, um den vielen verunglückten Personen zu helfen. Ein PKW mit Insassen lag auf dem Dach. Mehrere Übungsbeobachter notierte ihre Erkenntnisse für die Nachbetrachtung. Foto: Lambert BrandMit einem Großaufgebot rückten Feuerwehr, MHD und THW nach Esterwegen aus, um den vielen verunglückten Personen zu helfen. Ein PKW mit Insassen lag auf dem Dach. Mehrere Übungsbeobachter notierte ihre Erkenntnisse für die Nachbetrachtung. Foto: Lambert Brand

Esterwegen. Das Einsatzstichwort „PKW-Brand, eventuell eine Person verletzt“ sah für die alarmierten Feuerwehrleute und Rettungsdienstler aus Esterwegen zunächst nach einem normalen Einsatz aus. Als sie jedoch im Industriegebiet „Teufelsmoor“ eintrafen, fanden sie eine chaotische und völlig unübersichtliche Lage vor.

Was war passiert: Zwei rivalisierende Gruppen, dargestellt durch etwa dreißig Statisten von der KLJB Bockhorst-Burlage-Klostermoor sowie den Autoclubs Crazy Rides Emsland und Car Devils Nord, hatten sich zu einem illegalen Straßenrennen vereinbart. Dabei kam es zu einem heftigen Crash, bei dem drei Pkws verunglückten und 15 Personen teilweise schwer verletzt wurden. 

Die schonende Rettung von Schwerverletzten aus einem auf der Seite liegenden PKW gestaltete sich sehr schwierig. Vorweg musste das Fahrzeug abgestützt werden. Foto: Lambert Brand


Der Gruppenführer des ersten Löschfahrzeuges der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Esterwegen stellte schnell fest, dass er mit seinen acht Kameraden und den beiden Rettungssanitätern vom Malteser Hilfsdienst (MHD) diese Lage nicht beherrschen konnte: Drei der verunglückten Autos mit eingeklemmten Insassen lagen auf dem Dach oder auf der Seite, aus einem Wagen entwich Rauch, auf der Straße lagen mehrere Verletzte, weitere Personen liefen teilweise blutüberströmt und panisch auf die Einsatzkräfte zu und wiesen lautstark auf vermisste Freunde hin.

Der Gruppenführer forderte sofort Verstärkung über die Leitstelle an, die dann nach „MANV 15“ Großalarm auslöste. (Diese Alarmierungsstufe „Massenanfall von Verletzten oder Erkrankter“ wird angewendet bei einem gleichzeitigen Anfall von bis zu 15 Verletzten oder Erkrankten.)  

Foto: Lambert Brand


Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten bedeutete das „Vollalarm für die Feuerwehren Esterwegen, Surwold und Hilkenbrook“. Weiterhin wurden zahlreiche Rettungswagen und die ehrenamtliche Einsatzeinheit des MHD Emsland-Nord sowie das THW Papenburg zur Einsatzstelle beordert. Um einen Einsatz dieser Größenordnung koordinieren zu können, kam zudem die Technische Einsatzleitung (TEL) Emsland Nord mit dem Einsatzleitwagen (ELW) 2 ins Spiel. Da der der Esterweger ELW ausgefallen war, wurde zudem der ELW 1 der Feuerwehr Sögel, der sich gerade in der Nähe auf einer Dienstfahrt befand, hinzugezogen.

Bei den täuschend echt geschminkten Verletzten musste das Verletzungsmuster erkannt werden. Foto: Lambert Brand

Bevor die nach und nach eintreffenden 110 Helfer eingesetzt werden konnten, bestand die wichtigste Aufgabe darin, nach der Erkundung der Gefahrensituation und der Feststellung der Verletzungsmuster die Aufgaben zu verteilen und die Einsatzstelle zu ordnen. 

Michael Stindt (FF Esterwegen) und Ortsbrandmeister Uli Kordes (FF Surwold) übernahmen gemeinsam die Einsatzleitung. Sie wurden unterstützt von den ELW-Besatzungen, die auch eine Flugdrohne der FF Sögel zur Aufklärung aus der Luft einsetzen konnten. Die folgenden Aufgaben, Versorgung und Betreuung der Verletzten sowie Befreien der eingeklemmten Personen aus den Pkws, liefen dann koordiniert und fachkundig ab, wie Beobachter bestätigten.

Das THW sorgte für die zusätzliche Ausleuchtung der Einsatzstelle. Ein wenig Hektik kam auf, als plötzlich ein weiterer Verkehrsunfall gemeldet wurde, der durch Schaulustige verursacht wurde, und mehrere Einheiten aus dem Einsatzgeschehen herausgelöst werden mussten. Nach gut zwei Stunden konnte der Großeinsatz abgeschlossen werden.

Großübung der Rettungsdienste in Esterwegen: Nach der Erstversorgung an der Einsatzstelle und Einschätzung der Schwere der Verletzung wurden die ersten Verletzten abtransportiert. Foto: Lambert Brand


Die Übungskoordinatoren Thorsten Stindt (Feuerwehr), Jens Kötter (MHD) und Eric Büter (THW) zeigten sich in einer ersten Einschätzung zufrieden mit dem Einsatz der vielen Helfer und dankten den Hilfsorganisationen und Statisten für ihre Unterstützung. Insgesamt waren rund 150 Personen beteiligt. Man habe wichtige Erkenntnisse gewonnen, die man im Rahmen einer Nachbetrachtung auswerten wolle. 

Samtgemeindebürgermeister Christoph Hüntelmann, der sich zusammen mit Feuerwehrwehrsachbearbeiter Heinz Hüntelmann ein Bild vom Ablauf machte, zeigte sich sehr zufrieden. Der Boßelunfall in Breddenberg habe gezeigt, dass derartige Unglücksfälle durchaus passieren könnten.


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