"Fühlen uns alleine gelassen" Tierwohl-Label: Kritik von Landwirten im nördlichen Emsland

Das staatliche Tierwohllabel sieht unter anderem vor, dass Schweine 20 Prozent mehr Platz in ihren Ställen haben sollen. Foto: Marijan Murat/dpaDas staatliche Tierwohllabel sieht unter anderem vor, dass Schweine 20 Prozent mehr Platz in ihren Ställen haben sollen. Foto: Marijan Murat/dpa
Marijan Murat

Surwold. Anfang des Monats hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) die Kriterien für das staatliche Tierwohllabel vorgestellt. Schweine sollen unter anderem 20 Prozent mehr Platz im Stall haben. „Natürlich wollen wir das. Allerdings werden die Landwirte bei der Umsetzung wieder einmal alleine gelassen“, kritisiert Thomas Korte, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisvereins Aschendorf-Hümmling.

Wie der Surwolder, selbst praktizierender Landwirt, auf der jüngsten Ausschusssitzung des landwirtschaftlichen Kreisvereins mitteilte, seien die Pläne „nichts Halbes und nichts Ganzes.“ Gefühlt gibt es nach seinen Worten bereits 250 Siegel. 

Mehr Platz im Stall bedeute laut Korte, dass Umbauten erforderlich sind. Doch bei der Finanzierung würden die Landwirte alleine gelassen. Auch gebe es noch rechtliche Hürden, die Stallumbauten erschweren. Korte machte deutlich, dass die hiesigen Schweinebauern aufgrund der zunehmenden Auflagen für Umweltschutz und Tierwohl ohne Unterstützung „im Wettbewerb auf EU-Ebene keine Chance haben.“

Thomas Korte ist Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisvereins Aschendorf-Hümmling. Foto: Christian Belling

Der Vorsitzende des landschaftlichen Kreisvereins richtete während der Sitzung in diesem Zusammenhang auch einen Appell an die Verbraucher. „Wenn ihr es wollt, kein Problem. Aber bitte zahlt dafür.“ Korte nahm damit Bezug auf das Kaufverhalten, bei dem Sparsamkeit häufig über das Tierwohl stehe – trotz anderslautender Aussagen. 

„Wir wollen natürlich keine Agrarwende und Tiere die in dunklen Ställen stehen. Wir wollen hochqualitative Lebensmittel herstellen, die dann aber auch entsprechend bezahlt werden“, so Korte. Dafür wolle man sich den Rückenwind aus der Bevölkerung holen. „Wir sind hochinteressant für Verbraucher und Presse, fühlen uns aber oft an den Pranger gestellt.“


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