CDU-Neujahrsempfang 2019 VW-Betriebsratschef in Surwold: E-Mobilität kostet Jobs

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Mit Sekt und Orangensaft stießen vor rund 200 geladenen Gästen (von links) Reinhard Winter, Rudolf Seiters, Jens Gieseke, Bernd Osterloh, Marc-André Burgdorf, Gitta Connemann und Günter Wigbers an. Foto: Gerd SchadeMit Sekt und Orangensaft stießen vor rund 200 geladenen Gästen (von links) Reinhard Winter, Rudolf Seiters, Jens Gieseke, Bernd Osterloh, Marc-André Burgdorf, Gitta Connemann und Günter Wigbers an. Foto: Gerd Schade

Surwold. Elektromobilität kostet Arbeitsplätze, Dieselabgase sorgen nicht für vorzeitige Todesfälle und Debatten, die Umwelt gegen Arbeitsplätze ausspielen, produzieren nur Verlierer: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat als Festredner auf dem 31. Neujahrsempfang der CDU Aschendorf-Hümmling in Surwold eine Reihe klarer Botschaften formuliert.

Vor rund 200 geladenen Gästen am Freitagabend im Waldhotel lenkte der Top-Gewerkschafter – Osterloh ist Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrates der Volkswagen AG – den Blick auch auf die Papenburger Meyer Werft. Er erinnerte an die Standortdebatten und das damit verbundene Spannungsfeld zwischen Jobverlagerung, Kaufkraftverlust und Umweltschutz. „Wirtschaft hat ihren Preis, auch ihren ökologischen“, sagte Osterloh. Er warb für eine ganzheitliche Betrachtung. Das gelte für die Politik, aber auch für Unternehmensführungen. „Nur so können wir Standorte und Arbeitsplätze sichern.“

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"Die Politik hat in den vergangenen Monaten in Deutschland und auf EU-Ebene sehr viel unternommen, das der Automobilindustrie eindeutig schadet“, sagt VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Foto: Gerd Schade


Er wolle darüber reden, wie „gute Arbeit“ in der Industrie auch in Zukunft noch gelingt, sagte Osterloh zu Beginn seines Vortrags. Rasch kam er zur Dieselkrise und erinnerte beispielhaft an den massiven Gewerbesteuereinbruch des VW-Standortes Emden. „Die Politik hat in den vergangenen Monaten in Deutschland und auf EU-Ebene sehr viel unternommen, das der Automobilindustrie eindeutig schadet“. Die geplante Reduzierung der CO2-Grenzwerte bis 2030 um 37,5 Prozent seien ein Drama. „Bei uns herrscht höchste Alarmstufe“, sagte Osterloh im Hinblick auf drohende Arbeitsplatzverluste.

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Mit einem Präsentkorb voll regionaler Spezialitäten bedankten sich Günter Wigbers (l.) und CDU-Kreisgeschäftsführer Antonius Pohlmann (r.) bei Bernd Osterloh. Foto: Gerd Schade


Ein wohltuendes Gegengewicht bei der CO2-Debatte bilde der Sögeler EU-Abgeordnete Jens Gieseke (CDU), betonte der Betriebsratschef, selbst IG-Metaller und SPD-Mitglied. Nicht nur, weil Gieseke für 30 Prozent eintrete, sondern anders als viele andere Politiker auch Ahnung von der Materie habe. Dafür gab es Applaus.

Antworten vermisst

Gleichwohl fehlen nach Osterlohs Auffassung Antworten vor allem aus der Politik. „Wenn die Ziele nicht realistisch ausfallen, kann es keinen sozialverträglichen Übergang in die Elektromobilität geben“, betonte Osterloh. „Dann wären allein bei Volkswagen Zehntausende Arbeitsplätze nicht zu halten.“ Beim Kampf um das VW-Gesetz auf europäischer Ebene habe im Übrigen die CDU mehr geholfen als die SPD.

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Für 60-jährige CDU-Mitgliedschaft zeichnete Günter Wigbers (links) Rudolf Seiters aus. Foto: Gerd Schade


Der festgelegte CO2-Grenzwert samt Frist bedeutet Osterloh zufolge, dass bis 2030 Hunderttausende zusätzliche Elektrofahrzeuge gebaut und verkauft werden müssten. Nur so ließen sich milliardenschwere Strafzahlungen umgehen. „Doch jedes Elektroauto bedeutet auch, dass es weniger Arbeit gibt“, betonte Osterloh. Ein Elektroantrieb bestehe nur aus wenigen Hundert Teilen, ein Verbrennungsmotor aus mehr als 1000. Dabei werde man in den ländlichen Regionen Deutschlands und Europas noch lange auf Verbrennungsmotoren angewiesen sein, zitierte Osterloh den CSU-Europapolitiker Manfred Weber.

Behauptungen, Dieselabgase sorgten für vorzeitige Todesfälle, seien im Übrigen Märchen, sagte der Betriebsratschef unter Berufung auf Aussagen von Medizinern in der ARD-Dokumentation „Das Diesel-Desaster“.

Stehende Ovationen gab es von den rund 200 geladenen Gästen für Rudolf Seiters. Foto: Gerd Schade


Kein Wort verlor Osterloh hingegen zum VW-Skanal um manipulierte Abgasmessungen. CDU-Kreisverbandsvorsitzender Günter Wigbers legte den Finger jedoch in diese Wunde. „VW hat etwas gutzumachen. Wer täuscht, ist nicht Partner der CDU. Alle Kunden, die einen Schaden erlitten haben, müssen diesen ersetzt bekommen“, betonte Wigbers.

Seiters geehrt

Mit stehenden Ovationen war vor dem Vortrag DRK-Ehrenpräsident, Ex-Bundesinnenminister und -Kanzleramtschef Rudolf Seiters für seine 60-jährige CDU-Mitgliedschaft geehrt worden. Wigbers würdigte Seiters als einen „Macher im Hintergrund“, der viele Menschen in der Region gefördert habe.

(Weiterlesen: Der größte Dank gilt seiner Frau – Bundesverdienstkreuz für DRK-Ehrenpräsident)

Für musikalische Unterhaltung sorgten die „Leeier Singers“ Daniela Determann, Dagmar Worpenberg und Engelbert Determann (von links). Foto: Gerd Schade


Für musikalische Unterhaltung sorgten die „Leeier Singers“. Das Trio mit den Schwestern Daniela Determann und Dagmar Worpenberg sowie deren Vater Engelbert Determann sang unter anderem Reinhard Meys „Beim Blättern in den Bildern meiner Kindheit“.


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