Serie „Mein Job und ich“ Wohl ältester Baumverkäufer aus Bockhorst denkt nicht ans Aufhören

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Bockhorst. Mit seinen inzwischen 84 Jahren dürfte Johann Jansen aus Bockhorst der älteste Weihnachtsbaumverkäufer im nördlichen Emsland sein. Ans Aufhören denkt „Opa Jan“, wie der Emsländer genannt wird, noch lange nicht. In der Serie „Mein Job und ich“ blickt Jansen auf seine mehr als 50-jährige Tätigkeit zurück.

Herr Jansen, Sie sind 84 Jahre und immer noch als Landwirt im Bereich Tannenbaum-Anbau tätig. Was ist Ihr Geheimnis in Sachen Gesundheit?

Ich bin so gut wie jeden Tag auf meiner kleinen Tannenbaum-Plantage tätig, also auch fast jeden Tag an der frischen Luft. Das ist sicherlich nicht so falsch für die Gesundheit. Außerdem gehe ich jeden Tag mit unserem Hund Kessy, ein Mischling, rund drei Kilometer am Bockhorster See spazieren. Nur drinnen im Wohnzimmer sitzen, das ist einfach nichts für mich (lacht).

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie Tannenbäume zum Weihnachtsfest verkaufen?

Ich bin gelernter Landwirt, schon meine Eltern waren Bauern mit einem Hof am Küstenkanal. Den Hof habe ich als Zweitjüngster von sechs Söhnen aber nicht übernommen. Daher habe ich längere Zeit als angestellter Landwirt auf anderen Höfen gearbeitet, eine zeitlang auch außerhalb des Emslandes. Vor etwa 55 Jahren habe ich mit meiner Frau dann ein größeres Grundstück an der Schulstraße in Bockhorst erworben und darauf ein Haus gebaut, in dem wir noch heute leben. Hier haben wir von Anfang an für den Eigengebrauch Gemüse und Kartoffeln angebaut oder Schweine und Hühner gehalten. Nach einigen Jahren haben wir dann begonnen, Tannensetzlinge zu pflanzen, ein erster großer Abnehmer stammte aus Haren. Es hat sich dann nach und nach herumgesprochen, dass man bei uns Tannenbäume bekommen kann. Groß Werbung haben wir nie gemacht, bis auf ein kleines Schild an der Straße.

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Sind nicht auch andere in der Umgebung auf die Idee gekommen, das „Geschäftsmodell“ zu übernehmen?

Doch, versucht haben es viele, Landwirte, aber auch Gärtner. Die meisten haben aber nach einigen Jahren aufgegeben, weil sie den Aufwand unterschätzt haben. Wenn ich die Stunden, die ich über das Jahr für die Bäume aufwende, zusammenrechne, bleibt da tatsächlich kaum etwas übrig. In den letzten Jahren ist das eher wie ein Hobby für mich, eine Freizeitbeschäftigung.

Was ist denn zu tun das Jahr über?

Im Frühjahr dünge ich die Flächen mit Kalk und Bittersalz. Im Sommer müssen die Bäume gewässert werden, das war in diesem Jahr wegen der langen Dürre ganz extrem. Manche Bäume, insbesondere kleinere, deren Wachstum nicht so ist, wie es von Kunden gewünscht wird, müssen in Form geschnitten werden, damit sie die typische Symmetrie erhalten und keine zweiten Spitzen wachsen. Außerdem gilt es, die Flächen zwischen den Bäumen sauber, also frei von Unkraut, zu halten. Setzlinge und kleinere Bäume, die zu Beginn dichter zusammen gepflanzt werden, müssen regelmäßig umgepflanzt, also vereinzelt beziehungsweise veredelt, werden. Zu tun ist wie gesagt jeden Tag etwas. Und auch ich lerne noch regelmäßig etwas dazu.

Sind in diesem heißen Sommer bei Ihnen Bäume eingegangen und gab es Ärger mit Schädlingen?

Eingegangen nicht, aber das Wässern war in diesem Jahr wie gesagt extrem. Zum Glück habe ich hier einen Grundwasserbrunnen, der auch nicht trocken gelaufen ist. Einige Bäume hatten gelbe Verfärbungen an den jungen Trieben. Die dürften sich aber wieder herauswachsen oder durch Formschnitte in den Griff zu bekommen sein. Mit Schädlingen hatte ich in der gesamten Zeit zum Glück wenig Ärger. Einmal ist es vorgekommen, dass mir ein Kunde erzählt hat, in dem Baum habe sich ein dicker Käfer befunden.

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Wie sieht für Sie beziehungsweise Ihre Kunden der perfekte Weihnachtsbaum aus?

Am besten verkaufen sich Bäume bis etwa zwei Meter, die ein satt grünes Nadelkleid haben und Äste, die Etagen bilden. Diese Bäume eignen sich ideal zum Dekorieren. Gut gehen bei mir aber auch 2,80 oder drei Meter große Bäume. Auf meiner Fläche baue ich etwa zu zwei Dritteln Nordmanntannen an, zu einem Drittel Rotfichten.

Woher stammen Ihre Setzlinge?

Von einem Lieferanten aus Schleswig-Holstein. Mit dem habe über sehr vielen Jahren gute Erfahrungen gemacht.

Gab es in den vergangenen fünf Jahrzehnten mal eine Panne, die Sie bereut haben?

Ich habe mal versucht, Gänse zwischen den Bäumen zu halten, um das Gras kurz zu halten. Aber das ist ziemlich schief gegangen, weil die Gänse auch die frischen Triebe der Bäume angeknabbert haben (lacht).

Liefern Sie auch Schnittgrün an Gärtnereien oder Floristen für Gestecke?

Nein, das wäre zu viel Aufwand. Wer Schnittgrün haben möchte, muss bei mir einen ganzen Baum erwerben und sich das Grün selber zurecht schneiden.

Bemerken Sie, dass Kunden heute die Bäume früher kaufen als damals?

Ja, das ist so. Früher wurden Bäume erst kurz vor dem Weihnachtsfest gekauft, heute oft schon zum ersten oder zweiten Advent. Für mich ist das aber kein Problem, wann die Kunden die Bäume abholen oder hier reservieren mit einem kleinen Namensschild. Denn wir wohnen ja hier direkt neben der Plantage, die Klingel ist nie abgestellt.

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Welchen Tipp haben Sie, damit ein Weihnachtsbaum möglichst lange hält?

Es ist sehr wichtig, den Stamm nass zu halten. Und der Baum sollte nach dem Schlagen nicht direkt in die warme Wohnung gestellt werden, sondern an einem kühlen Ort ein oder zwei Tage ruhen. Wenn diese beiden Dinge beachtet werden, hält er am längsten.


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