Freiwilliges Soziales Jahr Heederin engagiert sich in Gedenkstätte Esterwegen

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Eine der Aufgaben der FSJlerin Sarah Andrees ist die Katalogisierung von Büchern für die Bibliothek in der Gedenkstätte Esterwegen. Foto: Maike PlaggenborgEine der Aufgaben der FSJlerin Sarah Andrees ist die Katalogisierung von Büchern für die Bibliothek in der Gedenkstätte Esterwegen. Foto: Maike Plaggenborg

Esterwegen. Abi in der Tasche und ab an die Uni? Sarah Andrees aus Heede hat einen anderen Weg gewählt. Sie entschied sich bereits ein Jahr vor dem endgültigen Schulschluss für Praxis statt Pauken und startete ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Bereich Politik in der Gedenkstätte Esterwegen.

Knappe zwei Monate, seit dem 1. September, arbeitet Sarah Andrees in der Gedenkstätte, beschäftigt sich täglich mit Tod und Teufel – dem Schicksal von Gefangenen des früheren Konzentrationslagers in Esterwegen. Gefragt, warum sie das macht, strahlt sie allerdings. Das FSJ macht sie genau dort eben aus ihrer Überzeugung heraus. Für sie ist klar, „dass es einen positiven Sinn hat“. Dass sich Menschen für die Erlebnisse der einst in Esterwegen inhaftierten Menschen interessieren. Dass man lernt, was vor 70, 80 Jahren in der Nähe passiert ist, meint die Heederin, die kürzlich ihr Abitur in Papenburg gemacht hat. „Wenn man weiß, was früher passiert ist, kann man aktuelle Dinge besser einordnen“, sagt sie. Für sie ist es jetzt erschreckend zu sehen, „welche Auswirkungen Fremdenhass haben kann“ und auch „die Intoleranz gegenüber Menschen mit einer anderen Meinung“. Der Geschichtsunterricht, ihr eigenes Interesse an der Materie und auch innerhalb der Familie und nicht zuletzt ein Besuch in der Gedenkstätte in der neunten Klasse haben die 18-Jährige motiviert, sich auf ein Jahr praktische Arbeit nach zwölf Jahren Schule einzulassen.

„Studieren oder eine Ausbildung machen – das wollte ich von vornherein nicht“

„Ich wollte was anderes machen als nur Schule und Lernen“, sagt Andrees. Bei den Führungen ist sie jetzt wieder dabei, aber nicht mehr auf Schülerseite. Sie hilft und unterstützt, wenn die Besucher kommen. Auch manchmal samstags oder sonntags. Diese Praxisphase in die eigene Laufbahn zu bringen, war die bewusste Entscheidung der Heederin. „Studieren oder eine Ausbildung machen – das wollte ich von vornherein nicht“, sagt sie. Ein eventuelles Studium in Deutsch und Geschichte, vielleicht in Richtung Lehramt, verschiebt sie auf später. „Es ist schwierig, sich festzulegen.“

Schon ein Jahr zuvor habe sich Andrees um die Stelle beworben, sagt Kurt Buck, Leiter der Gedenkstätte – und zwar als eine von dreizehn insgesamt. „Dieses Jahr hatten wir sehr viele Bewerbungen“ – auch aus Österreich und Russland, sagt Buck, der über das FSJ in Esterwegen auch sagt: „Es geht nicht immer um die Vergangenheit“. Zu Andrees‘ Aufgaben gehört es auch, an der Rezeption zu arbeiten oder Bücher für die hauseigene Bibliothek zu katalogisieren. Bei all der Arbeit bleibt die Freiheit: „Wir möchten eigentlich nichts vorgeben“, sagt Buck.

Eigenes Projekt auf die Beine gestellt

So hat Andrees eben auch die Freiheit ein eigenes Projekt für die Zeit im FSJ zu wählen, das innerhalb des einen Jahres gefordert ist. Die 18-Jährige befasst sich mit den gefilmten Interviews von Überlebenden und schneidet sie unter Aspekten wie dem Tagesablauf oder den Schikanen im Lager beispielsweise zusammen. Später sollen diese die bereits bestehenden Ausschnitte in der Ausstellung ergänzen und auch Teil der Präsentationen für Schulklassen werden.

Zur Vollzeitstelle des FSJ gehören 25 Bildungstage, die – wie Andrees erläutert – sowohl mehrtägig als Seminar oder auch eintägig stattfinden. Auch die Besichtigung anderer Einrichtungen gehören dazu. Und so würden Verbindungen zu anderen FSJlern geschaffen. Ein zentraler Gewinn aber scheint „die Möglichkeit, sich selber kennenzulernen“, sagt Andrees.


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