Stark praxisorientiert Surwolder Johannesburg bildet in 48 Berufen aus

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Mit Blechen arbeitet der 19-jährige Justin Leuning am liebsten. Angeleitet wird er von Franz Ostermann. Foto: Gerd SchadeMit Blechen arbeitet der 19-jährige Justin Leuning am liebsten. Angeleitet wird er von Franz Ostermann. Foto: Gerd Schade

Surwold. Breit gefächerte Erziehungshilfen und Jugendsozialarbeit bietet die Johannesburg in Surwold. In einer sechsteiligen Serie gibt unsere Redaktion in dieser Woche Einblicke in die Lebensumwelt der „Burg“ mit Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten. Teil vier dreht sich um die Berufsausbildung.

48 verschiedene Berufe in zehn Berufsfeldern umfasst das Ausbildungsangebot der Johannesburg in Surwold.

„Jeder Klempner ist ein Dichter, aber nicht jeder Dichter ist ein Klempner“ steht auf einem Blatt Papier, das im Büro der Klempnerei-Werkstatt hängt. In der Werkstatt arbeitet Justin Leuning. Der 19-Jährige aus Papenburg absolviert eine Ausbildung zum Bearbeiter für Gas- und Wasserinstallation. Am liebsten arbeitet mit Blechen.

Behände greift er zu einem mit der Blechschere zurechtgeschnittenen Stück, misst es mit dem Zollstock noch einmal ab und spannt es in eine Maschine ein, um es zu falzen. Überall in der Werkstatt sind fertige Blechteile platziert. Aufträge von Handwerksbetrieben, die noch am selben Tag abgeholt und Verwendung beispielsweise bei der Verkleidung von Mauerwerk, Fensterbänken oder Schornsteinen finden werden, wie Werkstattleiter Franz Ostermann sagt.

Ein Lehrjahr dranhängen

Justin Leuning ist nach dem Schulabschluss über ein Berufsvorbereitungsjahr an den Berufsbildenden Schulen zur Berufsvorbereitung in die Johannesburg gekommen. Im Zuge der Orientierung fiel seine Wahl auf den Bereich Sanitär, Heizung, Klima – kurz SHK. Darunter fallen auf der Johannesburg die Ausbildungsberufe Anlagenmechaniker, Klempner und Bearbeiter für Gas- und Wasserinstallation. Leuning gefällt nach eigenem Bekunden vor allem die Abwechslung und Vielfalt seiner Tätigkeit.

Wenn er die Abschlussprüfung im kommenden Sommer mit der Note 2,2 abschließt, möchte der Papenburger ein Lehrjahr zur Anerkennung als Vollausbildung dranhängen. „Und dann möchte ich in einer Firma arbeiten“, sagt Leuning.

Der schönste Lohn

Ostermann sieht seinen Schützling auf einem guten Weg. Der erfahrene Ausbilder hofft, dass Leuning dem Beispiel früherer Absolventen folgt. Wie Ostermann berichtet, haben aus „seiner“ Werkstatt heraus viele junge Menschen den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft. Mehrere hätten sogar die Meisterschule absolviert und sich selbstständig gemacht. Wenn Ostermann davon erzählt, gerät er regelrecht ins Schwärmen. „Das ist der schönste Lohn unserer Arbeit“, sagt er.

Erfolge nicht selbstverständlich

Dass die Erfolge keineswegs selbstverständlich sind, verdeutlicht ein Blick auf die Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen für eine Ausbildung bei der Johannesburg. Überwiegend richtet es sich an Menschen, die wegen Benachteiligung und/oder Einschränkungen (Lernen, Sprache, Psyche, Hören, Körper) auf Hilfen angewiesen sind. „Sie hätten draußen keine Chance auf eine Vollausbildung“, betont Ostermann. Wie der Werkstattleiter weiter erläutert, werden die Auszubildenden nicht nur sozialpädagogisch betreut, sondern erhalten auch zusätzliche Lernunterstützung, unter anderem in Form von Förder- und Unterstützerunterricht, den die Berufsbildenden Schulen so nicht leisten könnten. „Und das ist bei uns immer stark praxisorientiert. Unsere Meister machen auch den Unterricht“, betont Ostermann. Die Wege für Anschaulichkeit, Praxisnähe und Gebrauchwertorientierung sind bewusst kurz: Die Unterrichtsräume sind praktisch Teil der Johannesburg-Werkstätten.

Großer Wert auf Praktika

Ostermann legt darüber hinaus großen Wert auf begleitete Praktika. „Wenn es irgendwie geht, sollen unsere Auszubildenden so schnell wie möglich in unterschiedliche Betriebe“, sagt er. Dafür könne er auf ein großes Netzwerk mit Unternehmen zwischen Emden, Nordhorn und Rheine zurückgreifen. In einer dieser Firmen möchte Justin Leuning seinen (Arbeits-)Platz finden.


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