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"Sie haben nichts, nur den Fußball" Wie junge Flüchtlinge in Surwold über den Sport integriert werden

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Der Fußball bringt beim SV Surwold Spieler unterschiedlicher Nationalitäten zusammen. Das Foto zeigt die A-Jugend der JSG Nordhümmling beim Aufwärmprogramm. Foto: Christian BellingDer Fußball bringt beim SV Surwold Spieler unterschiedlicher Nationalitäten zusammen. Das Foto zeigt die A-Jugend der JSG Nordhümmling beim Aufwärmprogramm. Foto: Christian Belling

Surwold. Mit einem kräftigen „Moin“ begrüßt Hermann Lampen seine Spieler zum Training. Nicht minder ausdrucksstark schallt ebenfalls ein „Moin“ von der knapp 20-köpfigen Gruppe zurück. Wohlgemerkt von jedem. Und das bei einer Mannschaft, die der Trainer liebevoll als „Multi-Kulti-Truppe“ bezeichnet.

Mittwochabend, kurz vor 19.30 Uhr, am Sportplatz auf dem Gelände der Johannesburg in Surwold: Nach und nach betreten die A-Jugendfußballer der Jugendsportgemeinschaft (JSG) Nordhümmling, zu der Esterwegen, Surwold und Bockhorst zählen, den Rasen. Mittendrin Trainer Lampen und Lars Wessels, der als Erzieher an der Jugendhilfeeinrichtung Johannesburg einige Spieler aus den Wohngruppen kennt.

Aus der Kabine kommen Nachwuchsfußballer aus Somalia, Guinea, Gambia, der Türkei, Polen und Deutschland. Wer glaubt, die Spieler schließen sich in ihren Nationalitäten in Gruppen zusammen, der irrt. Bunt gemischt und in regem Austausch wird das Training aufgenommen. „So etwas schafft nur der Sport, insbesondere der Fußball, der fast jeden jungen Mann egal welcher Nationalität interessiert“, betont Lampen.


Koordiniert die Integration von Flüchtlingen beim SV Surwold: Hermann Lampen, Fußballobmann und Trainer der in der Bezirksliga spielenden A-Junioren. Foto: Christian Belling


Der Trainer, zugleich Fußballobmann des SV Surwold, koordiniert seit der Ankunft der ersten Flüchtlinge vor rund drei Jahren die Einbindung der jungen Zugezogenen in den Verein. „Zu Beginn stehen alle Flüchtlinge vor dem gleichen Schicksal. Sie haben nichts, nur den Fußball.“ Lampen geht es bei seinem Engagement darum, Verständnis füreinander zu schaffen. „Man muss sich vor Augen führen, welche Leidensgeschichte jeder Einzelne bereits hinter sich hat.“

"Auf dem Platz wird deutsch gesprochen."Hermann Lampen

Der Fußball verknüpft nach seinen Worten viele Komponenten, die eine Integration fördern. Von der C-Jugend bis in den Herrenbereich nehmen Flüchtlinge am Trainings- und Spielbetrieb teil. „Innerhalb der Mannschaft sind sie beim Ausüben ihres Hobbys regelrecht gezwungen, sich zu integrieren“, weiß Wessels. Vor allem was das Erlernen der Sprache betrifft. „Auf dem Platz wird deutsch gesprochen“, erklärt Lampen.

Wichtig für Erzieher Wessels ist darüber hinaus, dass die jungen Flüchtlinge durch den Fußball aus ihren Wohngruppen herauskommen und es zum Austausch mit gleichaltrigen Einheimischen kommt. „Dadurch kommen sie auch viel leichter in Cliquen abseits des Sportplatzes“, so Wessels. Nicht selten werden sie dadurch auch zu Geburtstagen oder Hochzeiten eingeladen.

Auf die Selbstständigkeit vorbereiten

An der Johannesburg kümmert sich Wessels um die aktuell rund 20 dort untergebrachten minderjährigen Flüchtlinge. In Gruppen werden sie von der Jugendhilfeeinrichtung auf die Selbstständigkeit vorbereitet. „Wir üben das hier und freuen uns über jede Entwicklung“, so der Erzieher.

Die Flüchtlingswelle vor rund drei Jahren hat in Surwold Lampen zufolge den Sportverein, die Johannesburg, die Gemeinde sowie die örtlichen Betriebe enger zusammenrücken lassen. „Der Austausch und die gegenseitige Unterstützung klappen hervorragend.“

Über den Fußball kommen die jungen Flüchtlinge in Kontakt mit gleichaltrigen Einheimischen.

Und die Aktivitäten in Sachen Integration sind noch lange nicht abgeschlossen. So führt der SV Surwold in den Herbstferien an der Johannesburg einen viertägigen Lehrgang durch, der fußballbegeisterte Flüchtlinge zu Trainern und Betreuern ausbilden soll. „Für Interessierte ist der Kurs kostenlos“, so Lampen, der Anmeldungen entgegennimmt. „Im besten Fall ergibt sich daraus mein neuer Co-Trainer.“

Auf die Flüchtlingssituation aufmerksam machen soll auch das Theaterstück „Das Boot ist voll“, das am Donnerstag, 30. August, um 19 Uhr im Kommunikationszentrum „Alter Bauhof“ zu sehen ist. Das Stück greift die Geschichte von Vito Fiorino und seine Freunde aus dem Jahr 2013 auf, die 47 Menschen vor Lampedusa das Leben retteten.


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