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Milchforum: Großes Züchtertreffen in Surwold und Borsum „Schwärmen Sie von dem, was Sie tun“

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hjh Surwold/Borsum. Golf spielen, Marathon laufen, Cabriolet fahren oder einfach regelmäßig Urlaub machen: Das alles sind keine Dinge, die typischerweise einem Landwirt zugeordnet werden. Die sehen ganz anders, oft weniger positiv aus. Dass sich das ändern muss und wie das geht, hat gestern während des sogenannten Milchforums der Rindviehzuchtgenossenschaft Weser-Ems-Union (WEU) in Surwold Referent Dr. Jörg Bauer vor mehreren Hundert Milchviehhaltern aus der Weser-Ems-Region dargelegt.

Die Fachveranstaltung, in der es in zwei von insgesamt drei Vorträgen um Produktionstechnik und ökonomische Fragestellungen ging, erhielt mit dem – man kann sagen Auftritt – von Jörg Bauer gleich zu Beginn einen kräftigen Farbklecks mit Unterhaltungselementen. Anschaulich analysierte Bauer die Situation der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit und auf dem Hof selbst, um wenig später Punkte aufzuzeigen, wie alles etwas besser funktionieren kann.

Zum Bild der Tierhaltung in der Öffentlichkeit stellte der Landwirt und Bedienstete des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen, fest, dass nach einschlägigen Untersuchungen lediglich drei bis fünf Prozent der Menschen schon einmal einen Stall betreten haben. „95 Prozent der Menschen erreichen wir nur mit realistischen Bildern, die wir beispielsweise ins Internet stellen.“ Die forderte er auch in Kinderbüchern. Statt dem „Dreckschwein in der Suhle“, sei es viel besser, Kinderbücher mit Fotos aus der heutigen Landwirtschaft zu bebildern.

Der Vortrag des Referenten wider das mangelnde Selbstbewusstsein vieler Landwirte und des auch deshalb oft nach außen zu wenig mutigen Auftritts machte deutlich, dass es viele Ansatzpunkte gibt, um es besser machen zu können. Bauer riet beispielsweise „Schwärmen Sie von dem, was Sie tun“, „Holen Sie die Menschen auf die Höfe“ und forderte dazu auf „Verschaffen Sie sich mehr Lebensqualität“.

Mit Blick auf den Begriff Massentierhaltung kam Bauer zu dem Schluss, dass dieser nicht definierbar sei. Ob 1000 Mastschweine in einem modernen Stall, 500 Sauen auf einer Weide, 390000 Hähnchen Jahresproduktion des größten deutschen Ökobetriebs, ein auf den Mofagepäckträger festgebundenes Mastschwein, das in einem Schwellenland zum Markt gebracht wird, oder jährlich rund 1000 Grippetote in der Millionenstadt Chicago: „Am Ende zählt nur, wie es dem einzelnen Individuum geht“, zeigte sich der Referent überzeugt.

Damit das Image der Landwirtschaft in Deutschland wieder aufpoliert werden kann, forderte Bauer, dass sich Landwirte und deren Organisationen und Verbände neu ausrichten müssten: „Wir brauchen eine Philosophie für die konventionelle Landwirtschaft und einen Mix aus Öffentlichkeitsarbeit, Werbung und Lobbyarbeit.“ Und das alles mit dem Ziel: „Tue Gutes und rede darüber.“

Wie man es im Kuhstall besser machen kann, darüber sprachen indes im Anschluss an Bauer Anke Römer von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern und Johannes Thomsen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Römer ging in ihrem Vortrag der Frage nach, mit welchem Leistungsziel Landwirte ihre Kühe halten sollten und was dafür erforderlich ist. Thomsen indes beleuchtete verschiedene Stellschrauben im Kostenapparat der Milchproduktion, wie etwa die Futterkosten und die Auswirkungen von Milchleistung und Bestandsgrößen auf die Wirtschaftlichkeit.

Den gestrigen Nachmittag nutzen die Mitglieder der Rindviehzuchtgenossenschaft indes, um sich auf dem Betrieb ihrer Berufskollegen vom Hof Schulte-Lohmöller im Rheder Ortsteil Borsum umzusehen. Auf dem Zuchtbetrieb werden rund 200 Milchkühe in einem großen Laufstall gehalten. Eine Landwirtschaftsmesse rundete den Tag des offenen Hofes ab.


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