Erinnerung in Esterwegen „Lied der Moorsoldaten“ immer wieder neu interpretiert

Von Marina Heller

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Marion Erdmann, Gattin des deutschen Botschafters Martin Erdmann, trug den Zuhörern die türkische Version des Moorsoldatenliedes vor. Foto: Marina HellerMarion Erdmann, Gattin des deutschen Botschafters Martin Erdmann, trug den Zuhörern die türkische Version des Moorsoldatenliedes vor. Foto: Marina Heller

helm Esterwegen. Im August 1933 ist das „Moorsoldatenlied“ im ersten emsländischen Konzentrationslager (KZ) Börgermoor entstanden. Anlässlich des 85. Jahrestages des Liedes hielt Fietje Ausländer, Mitarbeiter der Gedenkstätte Esterwegen, vor 70 Zuhörern einen Vortrag über die Geschichte des Liedes. Zu Gast war außerdem Marion Erdmann, Gattin des deutschen Botschafters Martin Erdmann, die einen persönlichen Beitrag zum Thema leistete.

„Jeder hat seine eigene Geschichte und Begegnung mit dem Moorsoldatenlied“, führte Ausländer ein. Zur Verdeutlichung der Bandbreite des Stückes spielte der Mitautor einer ausführlichen CD-Edition zu dem Thema ein vierminütiges Mixtape ab, welches 15 Aufnahmen aus den Jahren 1937 bis 2000 beinhaltete. Damit verdeutlichte Ausländer den Zuhörern, dass das Moorsoldatenlied seit 1933 in den verschiedensten Sprachen und vielen Musikstilen immer wieder neu interpretiert wurde.

Uraufführung vor 900 Häftlingen und 60 SS-Zuschauern

Seinen Ursprung habe der Protestsong gegen die Schutzstaffel (SS) jedoch im KZ Börgermoor. Damals gab der Häftling Wolfgang Langhoff dem Dichter und Mithäftling Johann Esser den Auftrag, ein Heimatlied zu schreiben. Im Anschluss überarbeitete Langhoff diesen Text. Der ebenfalls inhaftierte Rudi Goguel komponierte schließlich die Melodie des Moorsoldatenliedes. Die Uraufführung des Stückes erfolgte im August 1933 durch den geschlossen inhaftierten Solinger Gesangsverein im sogenannten „Zirkus Konzentrazani“ im KZ Börgermoor vor 900 Häftlingen und 60 SS-Zuschauern.

Ausdruck von Durchhaltewillen

„Das Moorsoldatenlied ist ein musikalischer Ausdruck von Durchhaltewillen und die Hoffnung auf Rückkehr in eine befreite Welt“, erklärte Ausländer. Nach der Uraufführung sei das Lied durch eigens kreierte Liedblätter der Häftlinge von Lager zu Lager gewandert. Sogar in einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager sei das Moorsoldatenlied in dem Liederbuch „Prisoner of War Camp Fort Devens“ aus dem Jahr 1944 zu finden.

Weltweit verbreitet

Danach sei das Stück in unzähligen Liederbüchern festgehalten und durch viele Persönlichkeiten im Exil weltweit verbreitet worden. „Im Bildungswesen der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) hat das Moorsoldatenlied denselben Stellenwert wie Goethes Werk „Faust“, fand Ausländer in seinen Recherchen heraus. In der Bundesrepublik Deutschland hingegen sei das Stück zunächst mit der Begründung, es wäre ein antifaschistisches Pflichtlied in der DDR, für Schulbücher abgelehnt worden. Die jüngste Vertonung stammt von der Band „Die Toten Hosen“, die das Moorsoldatenlied im Jahr 2013 mit dem Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule auf dem Album „Entartete Musik“ festhielt.

Türkische Version erarbeitet

Erdmann hat im August 2017 mit türkischen Master- und Doktorandenstudenten der „Hacettepe Universtität“ musikalisch das Moorsoldatenlied auf Türkisch sowie auf Deutsch anhand des deutsch-türkischen Liederbuches „Rüzgargülü – Windrose“ erarbeitet und die türkische Version des Stückes vorgetragen. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, die deutsch-türkische Freundschaft am Leben zu erhalten“, sagte die Gattin des deutschen Botschafters Martin Erdmann. Die gebürtig aus Sedelsberg stammende Lehrerin sei gerade zufällig in ihrer Heimat zu Besuch und habe durch eine Freundin von dem Vortrag in der Gedenkstätte Esterwegen erfahren.


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