Vor 85 Jahren uraufgeführt Erinnerung an das „Lied der Moorsoldaten“ in Esterwegen

„Das Lied der Moorsoldaten“, gezeichnet von Hanns Kralik im KZ Börgermoor im Jahr 1933. Quelle: Landkreis Emsland„Das Lied der Moorsoldaten“, gezeichnet von Hanns Kralik im KZ Börgermoor im Jahr 1933. Quelle: Landkreis Emsland

Esterwegen. Die Gedenkstätte Esterwegen wird mit der Veranstaltung „Ewig kann’s nicht Winter sein“ am Sonntag, 12. August 2018, ab 15 Uhr in der Gedenkstätte an das „Lied der Moorsoldaten“ erinnern, das in diesem Monat 85 Jahre alt wird. Darauf weist der Landkreis Emsland in einer Pressemitteilung hin.

Das Lied erlebte im August 1933 seine „Uraufführung“ im Lager Börgermoor. „Ewig kann’s nicht Winter sein“, heißt es darin vorsichtig hoffnungsvoll in der letzten Strophe. Auf die bewegende Geschichte des berühmten KZ-Lieds wird während der Veranstaltung Referent Fietje Ausländer eingehen. Er ist Mitarbeiter der Gedenkstätte und Mitautor einer ausführlichen CD-Edition zu diesem Thema.

Vergangenheit wachhalten

„Kein anderes der in den Lagern der Nationalsozialisten geschriebenen Lieder hat eine solche Popularität und Verbreitung erfahren wie diese aus dem emsländischen KZ Börgermoor überlieferte Hymne der Inhaftierten“, wird Landrat Reinhard Winter, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen, in der Pressemitteilung zitiert. Mit dieser Veranstaltung wolle die Gedenkstätte einmal mehr den Fokus auf die Erinnerungsarbeit legen. „85 Jahre nach Veröffentlichung des Moorsoldatenlieds und 73 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs stellt sich insbesondere die Frage, wie es uns gelingen kann, die Vergangenheit wachzuhalten und als wichtige Mahnung in die Zukunft zu transportieren“, so Winter.

Symbol des Freiheitswillens und des Widerstandsgeistes

Im Lager Börgermoor wurden laut Mitteilung des Landkreises vorwiegend politische Gegner des Nazi-Regimes gefangen gehalten. Mit einfachen Werkzeugen wie dem Spaten hätten diese dort das Moor kultivieren müssen. Nachdem das Lied 1933 bei Häftlingsdarbietungen erstmals gesungen worden sei, gelangte es in den Jahren bis 1945 in viele weitere Lager des NS-Regimes, unter anderem in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Buchenwald. Für viele Häftlinge wurde das Lied zu einem Symbol des Freiheitswillens und des Widerstandsgeistes. Gesungen wurde es außerdem von den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg (1936 - 1939) und in der französischen Résistance.

Ab 1945 gehörte das „Moorsoldatenlied“ zum Repertoire von Gedenkveranstaltungen im In- und Ausland. Daneben diente es je nach den politischen und kulturellen Zwecken als Protest-, Volks-, Arbeiter- oder Friedenslied. Mit der Geschichte des Lieds verwoben ist zugleich die Geschichte der beiden deutschen Nachkriegsstaaten. Gehörte es in den Schulen der DDR zum Pflichtprogramm des Musikunterrichts, führte es in der Bundesrepublik lange Jahre ein Nischendasein. Heute ist es Gegenstand vieler Neubearbeitungen, wiederzufinden etwa auch im Repertoire der Punkrock-Band „Die Toten Hosen“.

Dokumente und Liedbeispiele

Während der Veranstaltung soll die wechselvolle Liedgeschichte nacherzählt werden, veranschaulicht durch Fotos, Dokumente und Liedbeispiele aus den 1930er Jahren bis heute. Der Eintritt beträgt fünf Euro für Erwachsene, für Jugendliche drei Euro. Weitere Informationen sind im Internet unter www.gedenkstaette-esterwegen.de zu finden.


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