Prof. Dr. Andreas Kruse in Surwold Altersforscher sieht Handlungsbedarf in allen Ebenen

Von Lambert Brand

Der Heidelberger Altersforscher Prof. Dr. Andreas Kruse (Dritter von links) stellte der Seniorenunion (SU) Aschendorf-Hümmling den siebten Altenbericht der Bundesregierung vor. Der Fachbereichsleiter der Samtgemeinde Lathen und stellvertretende Gemeindedirektor, Helmut Wilkens, die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann, der SU-Vorsitzende Robert Segna und die Surwolder Bürgermeisterin Andrea Schmidt begrüßten den Referenten. Foto: BrandDer Heidelberger Altersforscher Prof. Dr. Andreas Kruse (Dritter von links) stellte der Seniorenunion (SU) Aschendorf-Hümmling den siebten Altenbericht der Bundesregierung vor. Der Fachbereichsleiter der Samtgemeinde Lathen und stellvertretende Gemeindedirektor, Helmut Wilkens, die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann, der SU-Vorsitzende Robert Segna und die Surwolder Bürgermeisterin Andrea Schmidt begrüßten den Referenten. Foto: Brand

Surwold. Mit den Herausforderungen für ein „Erfülltes Leben bis ins hohe Alter“ hat sich der Heidelberger Altersforscher Prof. Dr. Andreas Kruse während einer Veranstaltung der Senioren-Union (SU) Aschendorf-Hümmling in Surwold befasst. Kruse machte anhand von Bespielen deutlich, dass nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch in der Gesellschaft an vielen Stellen Handhandlungsbedarf bestehe.

SU-Vorsitzender Robert Segna bezeichnete es vor rund 80 CDU-Senioren als „einen Glücksgriff“, einen derart „hochkarätigen Wissenschaftler“ gewonnen zu haben. Die hiesige Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (CDU) stellte „den Professor mit drei Doktortiteln“ als ausgewiesenen Fachmann vor, unter dessen Vorsitz eine unabhängige Expertenkommission den siebten Altenbericht der Bundesregierung vorgelegt habe.

Große Herausforderungen

In seinem Vortrag zeigte Kruse auf, dass laut Altenbericht große Herausforderungen auf die Kommunen, aber auch auf den Staat insgesamt, die Verbände, die Kranken- und Pflegeeinrichtungen und nicht zuletzt auf die Bürger zukommen. Dabei stellte er die These auf, dass die Entwicklung des demografischen Wandels Auswirkungen auf die Demokratie in Deutschland haben werde.

„Was kann ich für die Allgemeinheit tun?“

Die lebendige Demokratie nehme seit Jahrzehnten einen hohen Stellenwert ein und habe dem Altersforscher zufolge beitragen, das Land gemeinsam mit den Menschen erfolgreich zu gestalten. Basis für die funktionieren Demokratie sei allerdings auch, dass die Menschen sich immer wieder fragen: „Was kann ich für die Allgemeinheit tun?“ Kruse sieht die Gefahr, dass sich diese Einstellung bei Einzelnen, aber auch bei politischen Gemeinschaften negativ verändern könnte.

Demografischer Wandel als Chance

Der Altenbericht sehe den demografischen Wandel aber auch als Chance an. Es müssten laut Kruse mehr und besser bezahlte Pflegekräfte zur Verfügung stehen. Es sei allerdings genauso wichtig, dass sich die Gemeinschaft bereit erkläre, Verantwortung für die älteren Menschen „als Teil einer sorgenden Gemeinschaft“ zu übernehmen. Das führe zu einer neuen persönlichen Lebenseinstellung und erweitere den Horizont.

Kruse präsentierte weitere Verbesserungsvorschläge und forderte, dass die Kommunen mitentscheiden sollen, wo Ärzte patientennah eingesetzt werden müssen. Zudem müsse das Pflegeniveau gesteigert werden, auch wenn dies mit Beitragssteigerungen verbunden sei.

„Potenziale des Alters abrufen“

„Wir müssen die Potenziale des Alters abrufen“, forderte Kruse und betonte, dass ältere Menschen noch viele Jahre in der Lage seien, ihr Können, Wissen und Erfahrungen weiterzugeben. Es gebe schon erfolgreiche Modelle, wo dieses „Humanvermögen“ abgefordert worden sei wie bei der Integration von Flüchtlingen, Studentenprojekten oder auch bei Existenzgründungen. Dieses Potenzial sei nach seinen Worten noch nicht ausgeschöpft, da es an Austausch- und Kommunikationsformen fehle. „Senioren könnten in die Schulen und Bildungseinrichtungen gehen, um als Zeitzeugen der demokratischen Entwicklung aufzutreten.“

Altersarmut ein großes Problem

Die Altersarmut sei dem Experten zufolge ein großes Problem, das nicht nur über die Rentenkassen zu lösen sei. Es gebe jedoch die Möglichkeit, einkommensschwache Senioren von Belastungen zu befreien zu Lasten derer, die keine Hilfe benötigen. Das Solidarprinzip könne man nicht mehr allen Bürgern vermitteln. Um allen auf Dauer eine angemessene Rente zu ermöglichen, müssten Punkte wie die Frage nach der Lebensarbeitszeit und die künftige Belastung der jüngeren Beitragszahler beachtet werden.

„Ideen-Feuerwerk“

Connemann fasste nach dem „Ideen-Feuerwerk“ des Referenten zusammen, dass vieles im Emsland gut laufe, aber es nicht ungefährdet sei. In der anschließenden Diskussion ging es um die Frage, ob prozentuale Rentenerhöhungen bei geringen Renten gerecht seien oder ob Sockelbeträge festgelegt werden müssten. Kruse machte darauf aufmerksam, dass gesetzliche Veränderungen im Rentenrecht notwendig seien, um diesem „unbefriedigenden Zustand“ beizukommen.

Längere Lebensarbeitszeiten unumgänglich

Ein junger Zuhörer fragte, wie auf Dauer die Rente zu bezahlen sei angesichts der demografischen Entwicklung und der aktuellen Möglichkeiten des früheren Renteneintritts. Kruse betonte, dass längere Lebensarbeitszeiten unumgänglich seien, allerdings mit neuen Modellen, die es ermöglichen, angepasste und nach eigenen Stärken ausgerichtete Tätigkeiten ausüben.


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