Steuererklärung abgeben Rentenerhöhung verunsichert Senioren im nördlichen Emsland

Von Christian Belling

Über die Auswirkungen der Rentenerhöhung informieren Eva-Maria Müller und Hermann Schlangen von der Beratungsstelle des Lohnsteuerhilfevereins in Surwold. Foto: Christian BellingÜber die Auswirkungen der Rentenerhöhung informieren Eva-Maria Müller und Hermann Schlangen von der Beratungsstelle des Lohnsteuerhilfevereins in Surwold. Foto: Christian Belling

Surwold. Zum 1. Juli sind mit mehr als drei Prozent die Bezüge der rund 21 Millionen Rentner in Deutschland spürbar angestiegen. Doch die Erhöhung sorgt bei Senioren auch für Verunsicherung. Woran das liegt, erklären Hermann Schlangen und Eva-Maria Müller von der Beratungsstelle des Lohnsteuerhilfevereins in Surwold.

„Viele Rentner wissen gar nicht, dass sie durch die Erhöhung wieder eine Steuererklärung einreichen müssen“, erklärt Beratungsstellenleiter Schlangen im Gespräch mit unserer Redaktion. Kehrseite der höheren Bezüge im Alter ist nach seinen Worten, dass bundesweit rund 54.000 Rentner wieder Steuern zahlen müssen. Nach Auskunft des Bundesfinanzministeriums werden in Deutschland etwa 4,4 Millionen Senioren steuerpflichtig sein – fast doppelt so viele wie im Jahr 2005. Keine Steuren zahlen müssen jene, deren steuerpflichtiger Anteil der Rente unterhalb des Grundfreibetrags von aktuell 9000 Euro liegt.

„Die werden damit alleine gelassen“

„Für viele Senioren ist es schwer zu verstehen, was da gerade passiert“, weiß Schlangen. Die Rentenreform als solche findet er „gar nicht schlecht.“ Doch er kritisiert, dass die Konsequenzen den Rentner nicht klar gemacht werden. „Die werden damit alleine gelassen.“

Bis zum Startschuss der großen Rentenreform im Jahr 2005 war Schlangen zufolge in den Köpfen der Senioren verankert, „dass Rentner nichts mit Steuern zu tun haben.“ Diese Denkweise sei auch heute noch weit verbreitet, dass es auch in den Jahrzehnten zuvor so gewesen sei. „Nach und nach wird die Steuerfrage aber auch in der älteren Generation alltagstauglich“, so Schlangen. Viele Rentner wüssten aber nicht, wie sie damit umzugehen hätten.

Nicht auf die lange Bank schieben

Die Frage, ob man verpflichtet sei eine Steuererklärung abzugeben oder nicht, müsste nach seinen Worten jeder selbst feststellen. „Wenn ein Schreiben des Finanzamtes mit einer Aufforderung zur Abgabe ins Haus flattert, bleibt nicht mehr viel Zeit.“ Schlangen rät dringend dazu, die Beantwortung solcher Schreiben nicht auf die lange Bank zu schieben. „Auch wenn im ersten Moment vielleicht etwas Panik aufkommt, muss darauf reagiert werden.“ Aufgrund des komplizierten Steuerrechts seien Rentner aber kaum in der Lage, eigenständig eine Steuererklärung abzugeben.

Jeder Fall ist anders

„Das merken wir auch. In den vergangenen Jahren werden wir vermehrt von Senioren aufgesucht, die eine steuerliche Beratung wünschen“, teilt Eva-Maria Müller mit, die in der Surwolder Beratungsstelle die erste Ansprechpartnerin ist. Nach ihren Worten müsse jeder Fall individuell betrachtet werden. „Jeder hat andere Einkünfte aus Arbeitslohn oder Kapitalerträgen. Auch Aufwendungen wie Kosten für den Handwerker oder Fahrten zum Arzt sind für eine Beratung von Bedeutung“, so Müller.

Unter den Grundfreibetrag kommen

Sie rät Senioren, alle relevanten Unterlagen zur Beratung mitzubringen. „Wir entscheiden dann, was wichtig ist, wo bereits Steuern abgeführt wurden oder was aussortiert werden kann.“ Für Beratungsstellenleiter Schlangen steht dabei immer das Ziel im Vordergrund, „unter den Grundfreibetrag zu kommen.“ An der Einnahmesituation könne der Lohnsteuerhilfeverein indes nichts ändern. „Sämtliche Zahlen werden dem Finanzamt übermittelt.“

Kunden legen Finanzlage offen

Sowohl Schlangen als auch Müller zeigen sich bei ihrer Arbeit von der Offenheit der Kunden überrascht. „Schließlich legen sie uns ja ihre finanzielle Lage offen“, so Müller. Doch nachdem der Schritt in die Beratungsstelle überwunden ist, vertrauen sich die Menschen im nördlichen Emsland ihnen an. Müller: „Und dieses Vertrauen ist das Wichtigste, was wir haben.“


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