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1186 mehr als im Vorjahr Gedenkstätte Esterwegen steigert erneut Besucherzahl

Von Nina Brinkmann, Nina Brinkmann | 19.02.2016, 18:22 Uhr

Die Stiftung Gedenkstätte Esterwegen hat eine positive Bilanz des Jahres 2015 gezogen. 26.790 Besucher sind insgesamt empfangen worden. Das seien 1186 mehr als im Vorjahr.

„Damit konnte die Besucherzahl erneut gesteigert werden“, freute sich Landrat Reinhard Winter, der Vorsitzende des Stiftungsvorstands. Gemeinsam mit der Geschäftsführerin der Stiftung, Andrea Kaltofen, nahm er während eines Pressegesprächs außerdem einen Ausblick auf 2016 vor.

„Wichtig ist für uns, dass das Interesse immer noch besteht. Wir sind froh, dass es sich auf diesem Niveau hält“, bilanzierte Winter. Kaltofen machte allerdings deutlich, dass der Sinn hinter einem Besuch der Gedenkstätte ebenso von Bedeutung ist: „Die Besucherzahlen freuen uns natürlich. Allerdings ist es noch wichtiger, dass die Leute nach drei Stunden Führung etwas für ihr Leben mitnehmen können.“

Viele Schulklassen

Auch 7797 Schulklassen haben im vergangenen Jahr die Gedenkstätte besucht. „Es ist unser Ziel, dass jeder Schüler des Emslandes bis zur Jahrgangsstufe 10 mindestens einmal den Weg zur Gedenkstätte findet. Hier wird didaktisch und interaktiv sehr viel geboten“, sagte Winter. Laut Kaltofen hat ein Besuch am meisten in der 9. Klasse Sinn. In diesem Alter hätten die Schüler bereits ein grundlegendes Hintergrundwissen, mit dem sie die Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers besser verstünden, so die Geschäftsführerin.

Zeitzeugen-Veranstaltungen immer schwieriger

„So lange es geht, sind Veranstaltungen, auf denen Zeitzeugen selber reden, am wichtigsten für die Stiftung“, erklärte Winter. Mittlerweile werde es aber immer schwieriger, da die Menschen, die vor mehr als 70 Jahren alles persönlich erlebt haben, häufig schon weit über 90 Jahre alt seien. Die Stiftung sei nun gefordert, neue Veranstaltungen zu kreieren.

„Natürlich können wir aber auch in vielen Jahren noch Interviews zum Beispiel von Erna de Vries zeigen. Es ist immer authentischer, diese Menschen selbst erzählen zu lassen, als dass ein Verwandter die Erinnerungen nacherzählt“, sagte Winter. Kaltofen sagte außerdem: „Alle zieht es nach Esterwegen“, egal, in welchem Lager die noch lebenden Menschen gefangen gewesen seien. Die Andeutung der Baracken durch Baumreihen auf dem Gelände lasse echte Emotionen aufkommen. „Das ist viel wichtiger, als dass wir ganze Baracken nachempfinden“, ist sich Kaltofen sicher.

Großes Interesse an Zeitzeugen-Berichten

Deutlich sei das Interesse an Zeitzeugen-Berichten vor kurzem beim Vortrag der Holocaust-Überlebenden de Vries geworden. Mehr als 400 Zuhörer seien in die Gedenkstätte gekommen, um ihren Erzählungen zu lauschen. „Anlässlich der Gedenkstunde zu 70 Jahren Kriegsende hat auch der ehemalige Esterwegen-Gefangene Henk Verheyen aus Belgien über sein Schicksal gesprochen“, sagte Kaltofen. Es sei ein ergreifender Blick in seine Vergangenheit gewesen. Neben der Gedenkstunde zum Kriegsende seien die Ausstellung „Abgeurteilt! Gefangene in der Strafanstalt Lingen und den Emslandlagern 1935 bis 1945“ sowie die zum Bilderzyklus „Die Passion“ von Otto Pankok, der von den Nationalsozialisten ab 1937 als „entarteter Künstler“ gebrandmarkt worden sei, Höhepunkte gewesen.

Vielfältiges Programm

Auch im laufenden Jahr verspreche das Programm eine Vielfalt an Veranstaltungen und Ausstellungen. „Erst am 13. Februar ist die Ausstellung „NS-Verfolgte aus den Benelux-Ländern im Zuchthaus Hameln 1942 bis 1945“ eröffnet worden“, so Winter. Diese sei noch bis zum 29. Mai geöffnet.

Ab dem 12. Juni wird die Sonderausstellung „‚Das schönste Konzentrationslager Deutschlands‘ – Vom KZ Esterwegen zum KZ Sachsenhausen“ zu sehen sein. „Das zugegebenermaßen provokante Zitat stammt vom selbst ernannten Lagerarchitekten Bernhard Kuiper“, erklärte Kaltofen. Dieser habe ab 1934 das KZ Esterwegen umgestaltet. Die Ausstellung zeige neben Planungen und Aufbau der Konzentrationslager Esterwegen und Sachsenhausen auch die Biografie Kuipers.

Drei Ausstellungen 2016

Die dritte Sonderausstellung befasst sich mit dem Schriftsteller Armin T. Wegner, der 1933 und 1934 im KZ Börgermoor inhaftiert war. Sie findet unter dem Titel „Widersetzt Euch viel und gehorcht wenig!“ vom 16. Oktober bis zum 11. Dezember statt.