Neue Tafel blieb hängen Gedenktafeln von Friedhof in Esterwegen gestohlen

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Esterwegen. Unbekannte haben von der Begräbnisstätte an der B401 bei Esterwegen zwei Gedenktafeln gestohlen. Derartiges ist an der Stelle nicht zum ersten Mal passiert. Nun will das zuständige Landesinnenministerium Konsequenzen ziehen.

Die beiden Gedenktafeln, die nach Angaben eines Sprechers des Ministeriums in Hannover aus Bronze hergestellt waren, sind zwischen dem 26. Januar und dem 2. März von einer Betonwand demontiert worden. In einer Mitteilung der Polizei heißt es, Spuren deuten darauf hin, dass die Tafeln mit einem Schneidgerät durchtrennt und so von der Wand gelöst wurden. Eine der Tafeln ist 100 Zentimeter hoch und 60 Zentimeter breit, die zweite, deutlich flachere, ist 100 Zentimeter breit und 20 Zentimeter hoch.

Gartenbaufirma entdeckte Diebstahl

„Leider ist es schon länger so, dass Diebe vor solchen Gedenktafeln keinen Halt machen“, sagte der Sprecher. Bemerkt hat den Diebstahl die Garten- und Landschaftsbaufirma Feiling aus Papenburg, die im Auftrag des Innenministeriums die Anlage regelmäßig pflegt, berichtet der Ministeriumsmitarbeiter. Die Firma informierte dann per E-Mail das Ministerium, woraufhin eine Anzeige bei der Polizei erfolgte.

(Weiterlesen: Esterwegen als Symbol des „standhaften Kampfes“)

Die beiden entwendeten Tafeln stammen aus den Anfängen der Begräbnisstätte Anfang der 1980er Jahre. Eine der drei Tafeln, die damals aufgehängt wurden, war erst 2016 gestohlen und im vergangenen Jahr erneuert worden, berichtet der Sprecher. Weil deren Befestigung nach dem neuesten Stand der Technik erfolgt sei, seien die Diebe an deren Demontage gescheitert. Zur Höhe des Sachschadens konnten weder er noch die Polizei Angaben machen.

Künftig wohl andere Materialien

Nun will das Ministerium Konsequenzen ziehen. Bei einer Besprechung mit Denkmalpflegern und dem Staatlichen Bauamt soll künftig bei der Neuinstallation über die Verwendung weniger wertvoller Materialien beraten werden. „Es ist immer ein Zwiespalt zwischen einer hochwertigen Kennzeichnung solcher Stätten und der Gefahr von Diebstahl“, verdeutlicht der Sprecher. In Werpeloh hat sich die Gemeinde jüngst nach dem Diebstahl von Tafeln auf dem Friedhof bei der Ersatzbestellung für Schiefer entschieden. Das sei nun auch in Esterwegen denkbar, wenn die anderen Beteiligten zustimmen, heißt es aus Hannover.

Wer etwas zur Demontage oder dem Verbleib der alten Bronzetafeln sagen kann, meldet sich bei der Polizei in Esterwegen unter Telefon 05955/1211.

Grabstätte von 1315 Verstorbenen

Die Mauer mit den Gedenktafeln ist 1981 im Auftrag der Niedersächsischen Landesregierung errichtet worden, und zwar zu Ehren aller politischen Straf- und Kriegsgefangenen, die in den Emslandlagern verstorben sind. Wer weiter in den Wald hineingeht, findet dort einen Gedenkstein zu Ehren des Friedensnobelpreisträgers Carl von Ossietzky, der bis 1936 im Konzentrationslager Esterwegen gelitten hat. Insgesamt ruhen dort 1315 Verstorbene der Lager Börgermoor, Brual, Walchum, Neusustrum, Oberlangen und Esterwegen, wie der Aufschrift der nun gestohlenen Tafel zu entnehmen ist. Der Friedhof stammt ursprünglich aus dem Jahr 1933.


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