Landkreis ließ Gebäude abreißen Segelflieger in Surwold müssen Werkstatt in Partyzelt verlegen

Von Daniel Gonzalez-Tepper


Surwold. Die Segelflieger auf dem Flugplatz in Surwold-Börgerwald müssen in die bald beginnende Flugsaison wohl mit einer Werkstatt in einem Partyzelt starten. Grund ist der Abriss der bisherigen Werkstatt durch den Landkreis. Der Verein will eine neue Halle bauen und hat mehrere Kommunen um finanzielle Unterstützung gebeten.

Die Wintermonate bringen für die Segelflieger nicht etwa Ruhe mit sich, sondern viel Arbeit. Die Segelflugzeuge werden demontiert, um sie zu warten, zu pflegen und damit für den Flug in den Sommermonaten vorzubereiten. „Das passiert nach einem sorgfältig ausgearbeiteten Terminplan“, sagt Jörg Ackermann, Vorsitzender des Luftsportvereins (LSV) Papenburg Hümmling. Dadurch wirkt der Flugzeughangar, der sich am Rand des Flugplatzes an der Kreisstraße zwischen Börgerwald und Breddenberg befindet, für Außenstehende etwas chaotisch. Flugzeugrümpfe in der einen Ecke, mehre Tragflächen schön ordentlich abgestellt in einer anderen Ecke der Halle, dazwischen Flugzeuganhänger und Fahrzeuge.

Saisonstart für Mitte März geplant

Ins Auge fällt dabei eine Art Partyzelt, in dem noch bis zum Saisonstart der Segelflieger Mitte März Wochenende für Wochenende reges Treiben herrschen wird. Darin untergebracht ist die Werkstatt der Segelflieger. Unter Anleitung und Aufsicht des Werkstattleiters Heribert Zdralik prüfen die Vereinsmitglieder bis zum Saisonauftakt jedes Flugzeug auf mögliche Schäden, die durch den Flugbetrieb entstanden sein könnten. Den größten Teil der Arbeiten nehmen dabei die Oberflächenpflege und die Überprüfung der elektronischen Bauteile und Instrumente ein, die in einem Segelflugzeug verbaut sind.

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„Dass die Wartungsarbeiten in diesem Winter in einem Partyzelt durchgeführt werden müssen, ist eine aus der Not geborene Lösung“, sagt Ackermann. Bis zum vergangenen Winter verfügte der Verein vor Ort über eine 200 Quadratmeter große, komplett ausgestattete Werkstatt, die auch im Winter beheizbar gewesen ist. Der Landkreis Emsland hatte entschieden, das Gebäude, das früher ein Schafstall war, abreißen zu lassen. So blieb der Vereinsführung keine andere Möglichkeit, als in dieser Weise zu improvisieren. Der Abriss des alten Wirtschaftsgebäudes aus dem Jahr 1888 sei dem Vereinsvorstand wegen massiver baulicher Mängel zwar schon vor geraumer Zeit in Aussicht gestellt, der Vollzug im vergangenen Jahr kam dann allerdings „doch sehr kurzfristig“, sagt der LSV-Vorsitzende. Weil das Inventar des Klubs und Teile der Infrastruktur kurzfristig an einen anderen Ort gebracht werden mussten, konnte der sportliche Betrieb über mehrere Wochen nur eingeschränkt stattfinden.

Neubau einer Halle bereits in Planung

„Diese Situation darf kein Dauerzustand sein, das versteht sich meiner Meinung nach von selbst“, so Ackermann. Der Verein sei bereits intensiv damit beschäftigt, einen Neubau der Halle zu planen und für deren Finanzierung zu sorgen. Die Planungen wurden dabei auf die „für unser Überleben wichtigsten Maßnahmen“ reduziert, betont der Vorsitzende. Die Kosten für den Hallenneubau wurden auf 220.000 Euro gedeckelt. In der Halle sollen eine Werkstatt, ein Unterrichts-/Veranstaltungsraum, ein Raum für das Packen und Lagern von Fallschirmen sowie ein Werkraum für die Modellflieger untergebracht werden. „Wir sind in Gesprächen mit dem Landkreis Emsland, der Stadt Papenburg, den Gemeinden Surwold und Börger, der Samtgemeinde Nordhümmling und der Samtgemeinde Sögel, quasi unseren Nachbarn“, berichtet Ackermann, der das Fluggelände in Börgerwald nicht aufgeben will: „Die thermischen Bedingungen sind, für norddeutsche Verhältnisse, herausragend. Auch der Verein selbst ist es alle mal wert, dass man sich um deren Erhalt bemüht“, sagt er und lässt durchblicken, dass der Verein ohne einen Neubau der Werkstatt vor dem Aus steht.

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Mitfinanzierung nur bei anderen Fördermitteln

Um Geld aus öffentlichen Fördertöpfen, zum Beispiel die Leader- oder ZILE-Förderung der Europäischen Union, zu bekommen, ist der LSV-Spitze zufolge eine Co-Finanzierung seitens der Kommunen Bedingung. Die Sparkassenstiftung und der Kreissportbund haben nur dann eine Unterstützung in Aussicht gestellt, wenn die Gesamtfinanzierung sichergestellt ist, heißt es vom Verein.

Nach Angaben von Stefan Eichhorn, Bürgermeister der Samtgemeinde Nordhümmling, beträgt die Finanzierungslücke derzeit 39.000 Euro. Bisher zugesagt seien kommunale Kofinanzierungsmittel von 27.000 Euro. „Ich habe dem Luftsportverein mit Schreiben vom 7. Februar 2018 mitgeteilt, dass die Samtgemeinde Nordhümmling sich grundsätzlich nicht an der Finanzierung von Vereinsprojekten beteiligt. Für eine Förderung örtlicher Vereine sind die Mitgliedsgemeinden zuständig.“ Die Gemeinde Esterwegen werde sich im März mit dem Antrag des LSV befassen.

Landkreis: Unterstützen bei der Suche nach Fördermitteln

Eine Sprecherin des Landkreises Emsland teilte mit, dass die Kreisbehörde „in zahlreichen Gesprächen mit dem Vereinsvorstand in den vergangenen sechs Jahren dargelegt hat, dass unter anderem Flugsport von der Sportförderung ausgenommen ist“. Hieran habe sich bis heute nichts geändert. Die Kreisverwaltung unterstütze den Verein jedoch bei der Suche nach Fördermitteln.

Heiko Abbas, Sprecher der Stadt Papenburg, teilte mit: „Uns liegt ein Antrag auf Förderung der Maßnahme vor. Der Fachbereich Soziales/Jugend/Schule/Sport hat sich mit der Thematik bereits befasst. Eine Vorstellung des Sachverhalts soll dann in der Sitzung des Jugend-, Sozial- und Sportaussschusses im April erfolgen.“

Theoretischer Flugunterricht ehrenamtlich

Trotz der schwierigen Situation um die Werkstatt ist es der Vereinsführung nach eigenen Angaben zum Glück mittlerweile gelungen, wieder ein Stück Alltag ins Vereinsleben zurückkehren zu lassen. Dazu gehört neben der bereits erwähnten Winterarbeit an den Fliegern theoretischer Flugunterricht für derzeit zwölf Flugschüler im Segelflug und vier im Ultraleichtflug. „Der erfolgt ausschließlich ehrenamtlich“, betont Ackermann.