Bärbel Lohmann klagt gegen Neuwahl Streit um Tierheim in Surwold spitzt sich zu

Von Daniel Gonzalez-Tepper


Surwold. Der Streit um das Tierheim in Surwold spitzt sich zu. Mehrere ehemalige Helfer haben sich abgewendet und beklagen unhaltbare Zustände im Heim am Querkanal. Die bisherige Leiterin Bärbel Lohmann geht derweil juristisch gegen den neuen Vorstand des Betreibervereins vor.

Auf Bildern und Videos, die in den vergangenen Tagen in sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden und die unserer Redaktion in Teilen seit Dezember bekannt sind, sind verdreckte Böden und Katzenklos in mit Katzen und Hunden belegten Gehegen zu erkennen. Auch mehrere tote Katzen unterschiedlichen Alters sind zu erkennen. Aufgenommen hat die Bilder ein älteres Ehepaar aus einem Nachbarort von Surwold, das in dem Tierheim von Anfang November bis kurz vor Weihnachten als Helfer in dem Tierheim gearbeitet hat.

Tierheimleiterin seit 2016 auf Hilfe angewiesen

Im Gespräch mit unserer Redaktion berichten beide, dass zu dieser Zeit 41 Katzen in mehreren Gehegen des zweigeschossigen, sogenannten „Katzenhauses“ gelebt haben, weitere etwa 100 Katzen als Freigänger und sieben Hunde, die es zu versorgen galt. „Für Menschen, die ein bis zwei Mal in der Woche zum Helfen kommen, ist das Pensum nicht zu schaffen“, sagt das Ehepaar, deren Name unserer Redaktion bekannt ist, die diesen aber aus Angst vor Repressalien nicht veröffentlicht wissen möchten. Tierheimleiterin Bärbel Lohmann ist, wie berichtet, seit einem Gehirnschlag im Frühsommer 2016 auf Hilfe angewiesen.

Weil sie die Situation im Hinblick auf die Hygiene nicht weiter akzeptieren wollten und es wiederholt zum Tot von Katzen gekommen sei, beendete das Ehepaar die Aktivitäten. Ihren Angaben zufolge haben das in jüngerer Vergangenheit aus dem gleichen Grund zwölf Hilfskräfte getan. Die Bilder und Videos, die das Ehepaar während der Arbeit im Tierheim gemacht haben, haben beide auf eine CD gebrannt und in der zweiten Januar-Woche der Polizei übergeben. Dabei erstatteten sie auch Anzeige gegen Bärbel Lohmann wegen Tierquälerei.

(Weiterlesen: Hundebesitzer erheben Vorwürfe gegen Tierheim in Surwold)

Mehr als 100.000 Euro Bar- und Sachspenden gesammelt

Zu den Helfern, die sich vom Tierheim abgewendet haben, gehört auch Marion Peucker, die als Tierschützerin in Dormagen in Nordrhein-Westfalen („Team Anca Toma“) aktiv ist. Peucker hat nach eigenen Angaben über eine von ihr betreuten Facebookgruppe mit rund 5000 Mitgliedern zwischen April 2015 und Sommer 2016 immer wieder zu Sach- und Geldspenden für das Tierheim in Surwold aufgerufen. „Das ging von Katzenfutter und -streu, Putzmittel, Heiz- und Stromkosten für das Gebäude und Tierarztkosten bis hin zu Barspenden. Der Gesamtwert dürfte alles in allem weit mehr als 100.000 Euro betragen“, berichtet Peucker.

Weil sich Bärbel Lohmann ihren Angaben zufolge mehrfach in Widersprüche bei der Verwendung von Spenden oder auch anderen Einkünften des Tierheims verwickelt habe und Nachweise immer häufiger ausgeblieben sein sollen, beendete die Tieraktivistin die Zusammenarbeit.

Verwendung von Vereinsgeld wird aufgearbeitet

Nach Angaben von Kurt Lohmann, Sohn von Bärbel Lohmann und Mitglied des Vereins „Tierschutz Papenburg und Umgebung“, sowie Hermann Rhauderwiek, Schatzmeister des Vereins, versuchen beide derzeit nachzuvollziehen, wofür das an den Verein gespendete Geld verwendet wurde. „Wenn eine Zweckentfremdung von Vereinsgeld tatsächlich stattgefunden hat und wir dies nachweisen können, werden wir dagegen vorgehen“, sagt Kurt Lohmann auf Anfrage unserer Redaktion, und ergänzt: „Das Konto war zuletzt so stark überzogen, dass kein Lohn mehr an angestellte Hilfskräfte gezahlt werden konnte.“

Kurt Lohmann ist bei einer Mitgliederversammlung am 20. Januar in einem Restaurant in Papenburg zum Vorsitzenden und damit Nachfolger seiner Mutter Bärbel gewählt worden. Die allerdings geht gegen die Wahl juristisch vor, wie sie auf Anfrage bestätigte, weil Ihrer Ansicht nach mehrere Vereinsmitglieder nicht zu der Versammlung eingeladen wurde und das Treffen wegen eines Sturmschadens nicht wie geplant auf dem Gelände des Tierheims stattfinden konnte. Bärbel Lohmann hatte im Vorfeld der Mitgliederversammlung unserer Redaktion gegenüber mitgeteilt, von allen Posten zurücktreten zu wollen.

(Weiterlesen: Tierheim in Surwold bekommt neue Leitung)

15 Katzen und fünf Hunde nicht mehr in Surwold

Kurt Lohmann berichtete auf Anfrage auch, dass ein Teil der Tiere, die dem Verein gehören, in die Pflegestelle in Rastdorf gebracht wurden. Der Verein hatte eine einstweilige Verfügung dafür erwirkt, das Gelände am Querkanal überhaupt betreten zu können, weil Bärbel Lohmann ihm, seiner Schwester Liska und weiteren Vereinsmitgliedern nach einem Streit ein Hausverbot erteilt hatte. „Wir haben im Januar 15 Katzen von Surwold die Pflegestelle ,Katzenfreiheit‘ an der Nordstraße in Rastdorf gebracht. Dort werden nun 44 Katzen versorgt. Im Moment können wir dort leider keine weiteren Tiere mehr aufnehmen“, berichtet Kurt Lohmann.

Nicht mehr in Surwold befinden sich auch die zuletzt fünf verbliebenen Hunde. Sie befinden sich nach Angaben von Bärbel Lohmann „in Pflegestellen“. Bärbel Lohmann verwies auf einen erneuten Ortstermin des Veterinäramtes und des sozialpsychiatrischen Dienstes des Landkreis Emsland am Montag dieser Woche und wollte zu den anderen genannten Vorwürfen wegen mehrerer laufender Rechtsstreitigkeiten keine Stellung nehmen. Eine Sprecherin des Landkreis Emsland teilte auf Anfrage mit: „Auf Grundlage der jüngsten Hinweise hat der Landkreis Emsland das Tierheim Surwold einschließlich der Außenstellen aktuell überprüft. Tierschutzrelevante Verstöße im Hinblick auf Haltung und Pflege der Katzen wurden nicht festgestellt. Die Versorgung der Katzen ist gewährleistet. Hunde wurden bei der Überprüfung am Montag nicht vorgefunden.“