„Was konnten sie tun?“ Gedenkstätte Esterwegen erinnert an den Widerstand

Von Marina Heller

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helm Esterwegen. Unter dem Titel „Was konnten sie tun?“ steht eine Sonderausstellung in der Gedenkstätte Esterwegen, die an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus erinnert.

Die Wanderausstellung der „Stiftung 20. Juli 1944“ ist in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand entstanden. „In dieser Ausstellung sollen Männer und Frauen gewürdigt werden, die sich Adolf Hitler und seiner NS-Politik im Zweiten Weltkrieg widersetzten“, teilte Prof. Dr. Bernd Faulenbach, Zeithistoriker an der Ruhr-Universität Bochum und Vorsitzender des Stiftungsrates der Gedenkstätte Esterwegen, während der Ausstellungseröffnung mit.

Widerständlern ein Gesicht geben

Die Ausstellung soll den Gruppen und Einzelnen, die sich zur Wehr setzten, ein Gesicht geben. Die Varianten der Gegenwehr wurden vielseitig ausgeübt: Mit Flugblättern, dem Verbreiten von Informationen ausländischer Rundfunksender, Verweigerung des Kriegsdienstes sowie der Planung des Umsturzes Hitlers lehnten sich die Menschen gegen den Nationalsozialismus auf. Eine besonders eindrucksvolle Gestalt der Widerstandskämpfer sei laut Faulenbach der Sozialdemokrat Julius Leber gewesen.

Attentat auf Hitler geplant

1935 hielten die Nationalsozialisten Leber im Konzentrationslager (KZ) Esterwegen fest, anschließend versetzten sie ihn in das KZ Sachsenhausen. 1937 kam Leber frei und gründete einen Kohlenhandel. Durch sein Unternehmen gelang es ihm, auf Geschäftsreisen Kontakt zu anderen Widerstandskreisen aufzubauen. Gemeinsam mit Carl Friedrich Gördeler und Claus Graf Schenk von Stauffenberg plante er den Umsturzversuch Hitlers, das Attentat vom 20. Juli 1944.

„Existenzieller Einsatz der Rebellen“

Jedoch wurde Leber bereits vor dem gescheiterten Putschversuch festgenommen und am 5. Januar 1945 hingerichtet. „Julius Leber und alle weiteren Widerstandskämpfer haben es verdient, dass wir ihr lebensgefährliches Tun nicht vergessen“, betonte Faulenbach. Die Zivilcourage, der Mut und der existenzielle Einsatz der Rebellen habe den Menschen gelehrt, wachzubleiben und als Subjekt zu handeln. „Es ist tröstlich zu wissen, dass sich auch in der dunkelsten Stunde unserer Geschichte Menschen für Menschen eingesetzt haben“, mahnte der Historiker.

460 Führungen im vergangenen Jahr

Die Gedenkstätte Esterwegen nach Angaben von Dr. Andrea Kaltofen, Geschäftsführerin der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen, ein Ort, an dem intensiv Inhalte vermittelt, an die Lageropfer der 15 Emslandlager erinnert sowie demokratische Werte und Überzeugungen weitergegeben werden. „Es ist uns besonders wichtig, junge Menschen an das Thema heranzuführen“, so Kaltofen. Seit 2011 seien 44.700 Schüler aus 2000 Schulklassen durch die Gedenkstätte geführt worden. 2017 besuchten 407 Gruppen das ehemalige Konzentrationslager. Außerdem gab es im vergangenen Jahr 460 Führungen. „Die aktuelle Ausstellung setzt erneut ein Zeichen für das Engagement von Menschenrechten und Demokratie“, brachte Kaltofen zum Ausdruck. Die Ausstellung ist noch bis zum 22. April zu sehen.


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