Geschwister enttäuscht von Behörden Hümmlinger Vermieter entsetzt über vermüllte Wohnung

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Esterwegen/Surwold. Eine völlig vermüllte, verdreckte und erheblich beschädigte Wohnung haben Vermieter in der Samtgemeinde Nordhümmling im Landkreis Emsland von Mietern überlassen bekommen. Sie werfen den Behörden Versagen vor. Die sehen aber keine direkte Mitschuld.

„Das hier ist Zerstörung fremden Eigentums“, sagt der 44-jährige Hümmlinger und schaut betroffen zu Boden. Seinen Namen möchte er lieber nicht veröffentlicht wissen. Es ist sein Elternhaus, durch das der 44-Jährige gerade mit seiner Schwester entsetzt läuft. Ein beißender Geruch, eine Mischung aus Urin, Schimmel und vergammelten Lebensmitteln, liegt in der Luft. Ratten und Mäuse bahnen sich ihren Weg durch Berge von Müll, kaputten Möbeln, Dreck und Lebensmittelresten. Egal, ob im Keller, dem Erdgeschoss oder den Kinderzimmern im Obergeschoss – überall das gleiche Bild. Auch die ein Jahr ältere Schwester ist beim kleinen Rundgang mit unserer Redaktion dabei. „Ich habe zwei Nächte lang nicht geschlafen“, sagt die Nordhümmlingerin.

Haus war frisch renoviert

Ihre Mutter hatte 2013 das geräumige Haus mit vier Schlafzimmern, einem großen Wohnzimmer, einer Küche und zwei Badezimmern an die Familie, zu der mehrere Kinder gehörten, zur Vermietung angeboten. Und zwar renoviert, beispielsweise waren fast alle Tapeten und Böden nagelneu. Auch die Sanitäranlagen waren erst vor wenigen Jahren erneuert worden.

Die neuen Mieter kamen aus einer anderen Region in Norddeutschland ins Emsland, hatten aber Fürsprecher in der Region. „Sie hatten sich sehr für eine Vermietung eingesetzt“, berichtet das Geschwisterpaar. Und so sagte die inzwischen 83-jährige Mutter schließlich zu. Inzwischen wissen die Vermieter, dass es schon am vorherigen Wohnort der Familie Probleme mit Mietrückständen, Unordnung und Müll gegeben hat.

Seit 2015 wuchsen die Probleme

Etwa ein Jahr nach dem Einzug nahmen die Probleme dann zu. Die Miete kam nur noch schleppend, der Müll wurde des Öfteren nicht mehr an die Straße gestellt, Unrat türmte sich auf dem Grundstück und auch in der Wohnung. Wohl auch, weil die ehemaligen Führsprecher der Familie sich abwendeten und nicht mehr wie zu Beginn halfen beim Haushalt und der Pflege des Grundstücks. Nachbarn berichteten der Vermieterfamilie von ersten Ratten, die auf dem Grundstück gesehen worden seien. Die Vermieterin wies damals schon das Ordnungsamt der Samtgemeinde (SG) Nordhümmling auf die Zustände in dem Haus und auf dem Grundstück hin. „Sie erhielt den Hinweis, sie könne sich Rattengift im Rathaus abholen“, berichten die beiden Kinder.

Weil der Seniorin der Ärger auch gesundheitlich zunehmend Probleme bereitete und sie schwer erkrankte, übertrug sie das Eigentum an dem Haus an ihre beiden Kinder. Seit Mitte 2015 lief dann eine Räumungsklage, die jetzt, fast zweieinhalb Jahre später, ihren Abschluss fand. Hinterlassen wurde ein Haus, bei dem wohl eine Kernsanierung notwendig ist. Sämtliche Böden, Wände und Decken müssen aufbereitet werden, Schimmel hat sich breitgemacht, mehrere Fenster und Türen beschädigt, das Außengelände ist völlig verwildert.

Samtgemeinde erkannte keine Vermüllung

SG-Bürgermeister Stefan Eichhorn verwies auf Anfrage darauf, dass es sich „um eine rein privatrechtliche Auseinandersetzung zwischen Mieter und Vermieter“ handele. Dem Ordnungsamt der SG sei das Thema erst seit Frühjahr 2017 „als Problemfall“ bekannt, und zwar „hinsichtlich des Fortbestehens des Mietverhältnisses“. „Da kein akuter Fall von drohender Obdachlosigkeit vorlag, war ein Einschreiten des Ordnungsamtes aus rechtlichen Gründen nicht möglich und zulässig“, teilte Eichhorn mit.

Bei dem Anwesen handelt es sich Eichhorn zufolge um ein älteres Wohnhaus auf einem sehr großen Grundstück von etwa 3000 Quadratmeter Fläche. „Dieses hat insgesamt einen ungepflegten Eindruck gemacht. Eine Vermüllung konnte von außen nicht erkannt oder eingesehen werden“, so Eichhorn.

Abfallbehälter wohl mehrfach nicht an die Straße gestellt

Ein Sprecher des Landkreis Emsland als zuständiges Jugendamt antwortete auf die Frage, ob es sein kann, dass mehrere Kinder über Monate oder gar Jahre in einem Haus mit Ratten und größeren Müllansammlungen gelebt haben könnten: „Die Familie ist dem Landkreis Emsland bekannt. Der Fachbereich Jugend begleitet die Familie seit mehreren Jahren eng und kennt die Bedingungen, aufgrund derer letztlich familienrechtliche Schritte eingeleitet werden mussten. Weitere Angaben sind aus Datenschutzgründen nicht möglich.“

Zu der Frage, warum es über Monate oder gar Jahre immer wieder zu Problemen bei der Abfuhr der Restmülltonne und der Gelben Säcke kam, sagte der Sprecher: „Nach Rücksprache mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb können wir mitteilen, dass keine Reklamationen über nicht geleerte Behälter oder dergleichen vorliegen. Eine Nachfrage beim Disponenten des ausführenden Abfuhrunternehmens ergab, dass der Abfall bzw. Abfallbehälter an der betreffenden Adresse nicht immer bereitgestellt wurden – darauf haben wir jedoch keinen Einfluss und können eventuelle Hintergründe auch nicht beurteilen.“

Firma sorgt für Räumung des Hauses

Wenigstens sorgte ein Gerichtsvollzieher dafür, dass inzwischen der Müll und anderer Unrat durch eine Firma in mehreren Containern abgeholt wurden. Das Geschwisterpaar schätzt den Sachschaden auf einen mittleren fünfstelligen Betrag. Hinzu kommen Mietschulden im höheren vierstelligen Bereich. Hoffnung darauf, dieses Geld wiederzusehen, haben sie nicht. Auch, weil die Mutter es versäumt hatte, den Ursprungszustand des Hauses mit Fotos festzuhalten. „Wir möchten nicht noch mehr Gerichts- und Anwaltskosten verursachen und auch endlich unsere Ruhe haben“, sagt der 44-jährige Nordhümmlinger. Die Mieter-Familie wohnt inzwischen in einer anderen Kommune im nördlichen Emsland.


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