Neujahrsempfang der Altkreis-CDU EU-Kommissar spricht sich in Surwold für starkes Europa aus



Surwold. Für ein starkes Europa hat sich EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger auf dem Neujahrsempfang des CDU-Kreisverbandes Aschendorf-Hümmling in Surwold ausgesprochen. Dabei sparte er allerdings auch nicht an Kritik.

„Ist unserer Generation eigentlich bewusst, was für ein Glück wir mit dem nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gestarteten europäischen Friedensprojekt haben? Ich glaube es nicht“, so Festredner Oettinger vor den mehr als 200 geladenen Gästen im Waldhotel. Der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, der seit 2010 in Brüssel tätig ist, nahm damit Bezug auf die zunehmenden europakritischen Stimmen. „Europa ist nach wie vor ein attraktiver Kontinent mit einer instabilen Nachbarschaft im Nahen Osten oder Afrika. Lassen Sie uns den Weitblick haben, selbstbewusst unsere Zukunft zu gestalten und unseren Beitrag zur Stabilität leisten. Denn eines ist sicher: Nachbarschaft ist Schicksal.“

„Es ist einsam um unsere Werteordnung geworden“

Aufgrund sich einer veränderten Werteordnung forderte Oettinger Europa auf, erwachsen zu werden. „Wir haben nicht mehr den automatischen Partner Amerika an unserer Seite.“ Hinzu würden nach seinen Worten mit Blick nach Moskau oder Istanbul vermehrt Autokraten und Diktatoren die politische Bühne betreten. „Es ist einsam um unsere Werteordnung mit Presse- und Meinungsfreiheit oder der Unabhängigkeit der Gerichte geworden. Wir müssen für den Erhalt kämpfen, mehr als wir es derzeit tun.“

Im Sandwich zwischen China und Amerika

Auch auf wirtschaftliche Ebene gebe es nach seinen Worten keine Alternative, als ein gemeinsam agierendes Europa. „Ist uns die asiatische Dynamik eigentlich bewusst? Wir dürfen uns nicht in einem Sandwich zwischen China und Amerika erdrücken lassen“, machte Oettinger deutlich. Europa brauche Stärke und Erweiterung. „Nehmen wir die Staaten vom Westbalkan. Die Chinesen versuchen diese von Europa wegzulocken. Es ist unsere Aufgabe, diesen Nationen eine Perspektive aufzuzeigen und auch als Friedensstifter aufzutreten.“

Fachkräfteproblem als Achillesferse

Deutschland habe dem EU-Kommissar zufolge auch gar keine Alternative zu einem gemeinsamen Europa. „Der freie Binnenmarkt ist unser großes Glück, weil unsere Wirtschaft damit ohne Grenzen rund 500 Millionen Menschen erreicht. Und auch hinsichtlich der in Deutschland immer älter werdenden Gesellschaft sei der freie Arbeitsmarkt ein Segen. „Das Fachkräfteproblem wird zur Achillesferse der deutschen Wirtschaft. In nicht allzu ferner Zukunft werden wir froh über die offenen Grenzen sein.“ Das aus der Europäischen Union gehende Großbritannien gab Oettinger noch einen Seitenhieb mit: „Die Briten werden merken, wie mittelmäßig der englische Klempner ist.“

Connemann nimmt an Sondierungen teil

Von den aktuellen Entwicklungen im politischen Berlin berichtete während des Neujahrsempfangs indes die hiesige CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann, die an den erfolgreich abgeschlossenen Sondierungsgesprächen mit der SPD teilnahm. „Wir haben es geschafft, zu einer Sondierung zu kommen. Das hat auch etwas mit Verantwortung zu tun, nachdem sich zwei Volksparteien der Verantwortung entzogen haben.“ Connemann zufolge mache es den Deutschen zunehmend Angst, ohne politische Führung zu sein. „Wenn man als Partei zu einer Wahl antritt und ein Mandat erhält, erwarte ich auch, dass man regieren will.“

Für musikalische Unterhaltung beim Neujahrsempfang sorgte der Gospelchor „Spirit of Gospel“ aus Rastdorf.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN