Landgericht Osnabrück 59-Jähriger Ostfriese häuft weitere Haftzeit nach Urteil an

Ein Mann aus dem südlichen Ostfriesland wurde vor dem Osnabrücker Landgericht verurteilt. Symbolfoto: David EbenerEin Mann aus dem südlichen Ostfriesland wurde vor dem Osnabrücker Landgericht verurteilt. Symbolfoto: David Ebener

Osnabrück Als sein Gastronomiebetrieb auf dem Hümmling finanziell den Bach hinunterging, begann der Betreiber, Lieferanten um ihr Geld zu prellen. Das Landgericht Osnabrück hat den bereits mehrfach wegen Betrügereien vorbestraften Angeklagten unter Einbeziehung einer weiteren Strafe deshalb zu einer Gesamtstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt.

Der unscheinbare Mann mit den nackenlangen Haaren, der neben seinem Verteidiger im Gerichtssaal 277 des Landgerichts stand, hat bereits eine lange kriminelle Karriere. Der 59-Jährige wirkte zurückhaltend, eher sogar schüchtern, doch die Anwesenheit zweier uniformierter Justizbeamter sprach eine andere Sprache. Sie hatten ihn aus der JVA Meppen, wo er derzeit eine mehrjährige Haftstrafe absitzt, zum Landgericht begleitet.

Seit Beginn der 1980er Jahre ist der Mann aus dem südlichen Ostfriesland auf Kriegsfuß mit dem Gesetz. Betrügereien ohne Ende – mal waren es ein paar hundert Mark, ein anderes Mal 95.000 Euro, die er von Gutgläubigen erschlich. In einigen Fällen war es aber weniger diese Gutgläubigkeit als eher die schlichte Gier, die jemandem zum Opfer des 59-Jährigen machte. Fragwürdig allerdings erscheint einem, wie sich die Betroffenen auf einen Mann einlassen konnten, der verspricht aus 10.000 Euro innerhalb einer Woche 20.000 Euro zu machen. Die Pikanterie bei dem Ganzen: Den letztgenannten Betrug führte der Angeklagte während seines zweieinhalb Wochen langen Hafturlaubs durch.

Geld für Gulaschkanone und Gastrozubehör

Aktuell stand er nun vor Gericht, weil er erneut mehrere Menschen um Geld betrogen hatte. Ein Bekannter hatte dem Gastronom 2000 Euro für eine Gulaschkanone geliehen. Dafür sollte er monatlich 500 Euro zurückerhalten, ein Ende dieser Zahlung war in dem eigens dafür aufgesetzten Vertrag nicht festgelegt. Der Schuss ging aber nach hinten los und der Gläubiger sah nichts von seiner Einlage wieder.

In einem weiteren Fall hatte sich der Angeklagte von einem Verleih für Gastronomiezubehör einen Kühl- und Ausschankwagen für eine Veranstaltung geliehen – Kostenpunkt zirka 2000 Euro. Auch diese Rechnung ließ der Angeklagte unbeglichen.

Selbiges widerfuhr auch einem Diskjockey, der für einen Tanzabend von dem 59-Jährigen engagiert worden war. Der ihm ausgehändigte Scheck platzte, weil er nicht gedeckt war – Schadenssumme 725 Euro.

Angesichts des langen Vorstrafenregisters des Angeklagten nützte es nur wenig, dass der Verteidiger diese drei Taten aus dem Jahr 2016 damit erklären wollte, sein Mandant habe „erstmals seit langer Zeit mit dem Gastronomiebetrieb eine Einkommensquelle legaler Natur auftun wollen, ist aber wegen seiner finanziellen Schieflage in alte Verhaltensmuster gefallen“.

In ihrem Urteil fasste die Kammer die Verurteilung aus der Erstinstanz, die eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten Haft verhängt hatte, und die Strafe, die der Angeklagte momentan verbüßt, zu einer Gesamtstrafe von vier Jahren und neun Monaten zusammen. Das Urteil ist rechtskräftig.


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