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Beseitigungsdienst muss anrücken Junge bringt Sprenggranate mit zur Schule in Esterwegen

Von Daniel Gonzalez-Tepper | 06.04.2016, 14:47 Uhr

Schrecksekunde am Dienstag an der Waldschule in Esterwegen: Ein Elfjähriger hat eine Sprenggranate aus dem 2. Weltkrieg mit an die Einrichtung an der Waldstraße gebracht. Polizei und der Kampfmittelbeseitigungsdienst mussten anrücken, um die zündbereite Granate zu beseitigen.

Der Junge hatte die Sprenggranate bei Aufräumarbeiten im Keller seines Vaters gefunden und am frühen Morgen mit zur Waldschule, eine ländlich gelegene Förderschule mit Schwerpunkt Lernen, gebracht. Eine Lehrerin der Klasse fünf, die den Jungen und Mitschüler am Morgen unterrichtet hatte, brachte das Fundstück ins Lehrerzimmer. „Sie wusste nicht, was sie da in der Hand hatte“, berichtet Schulleiter Frithjof Eckstein am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion. Der 62-Jährige aber erkannte sofort, was dort auf dem Tisch lag. „Ich bin regelrecht erschrocken“, erzählt Eckstein. Er informierte umgehend die Polizei, die wiederum den Kampfmittelbeseitigungsdienst herbeirief.

„Als wir gehört haben, es handelt sich um eine Schule, sind wir sofort losgefahren. Schließlich bestand Lebensgefahr“, sagte der zuständige Sprengmeister Clemens Stolte im Gespräch mit unserer Redaktion. Stolte und ein Kollege, die aus der Nähe von Oldenburg anrückten, erreichten am Mittag die Schule. Dort stellten sie fest, dass es sich um eine vier Zentimeter breite und 17 Zentimeter lange Sprenggranate handelte. „Wir vermuten einen Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg. Die Zündschnur war abgebrannt, die Zündsysteme also freigelegt. Ein solches Objekt ist auch Jahrzehnte später noch sehr gefährlich“, erklärt Stolte.

Es bestand Lebensgefahr

Ungewöhnlich seien solche Funde nicht, sie in einer Schule vorzufinden sehr wohl, sagte Stolte. Für den Jungen, der das Objekt in einem Rücksack transportiert hatte, bestand genauso Lebensgefahr wie für die anderen beteiligten Personen wie Lehrerin oder Schulleiter. Die Experten packten die Sprenggranate in einen sicheren Transportbehälter, nahmen sie mit und werden sie in den nächsten Tagen entschärfen und entsorgen. Nach etwa 15 Minuten sei der Einsatz beendet gewesen, berichtet der Experte.

Vater soll unwissend gewesen sein

Der Vater des Jungen, der aus einer Nachbarkommune von Esterwegen stammt, hat die Granate vor mehr als 30 Jahren in den Niederlanden gefunden und seitdem in einem Schrank im Keller gelagert, berichtet Achim van Remmerden, Sprecher der Polizei Emsland/Grafschaft Bentheim, aus Gesprächen mit dem Vater. Der soll nicht gewusst haben, um was genau es sich bei dem Fundstück handelt, und hatte das Objekt zu Anschauungszwecken seinem Sohn mitgegeben. „Er hatte eine schlaflose Nacht“, berichtet Schulleiter Eckstein.

Der habe laut Sprengmeister Stolte vorbildlich gehandelt, indem er die Granate aus dem Gebäude in einen nicht öffentlich zugänglichen Außenbereich des Schulgeländes gebracht hatte. Eckstein entschied sich gegen eine Evakuierung, um Panik unter den 43 anwesenden Schülern der Einrichtung zu vermeiden. „Es hat kaum jemand etwas mitbekommen“, sagte Eckstein.

Einsatz wird nicht in Rechnung gestellt

Konsequenzen der Schule muss der Elfjährige, der laut Schulleiter am Mittwoch wieder ganz normal zur Schule gekommen sei, nicht befürchten. „Der Vater hat uns glaubhaft gemacht, dass es sich um einen fatalen Irrtum gehandelt hat“, sagt Eckstein. Auch der Kampfmittelbeseitigungsdienst will nach Aussage von Sprengmeister Clemens Stolte keine Rechnung ausstellen. „Unsere Einsätze im Zusammenhang mit Kriegsrückständen sind generell kostenfrei“, sagt Stolte.