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Eu-Verordnungen als Hürde Esterweger Fleischer setzt auf Regionalität

Von Jennifer Gansefort | 18.07.2019, 11:12 Uhr

Die Fleischerei Schmidt in Esterwegen ist ein Familienunternehmen und einer der wenigen Betriebe in der Region, die noch selbst schlachten und eigene Produkte herstellen.

Sein Opa gründete 1933 die Fleischerei im Alter von 18 Jahren, wie Fleischereiinhaber Ralf Schmidt bei einem Besuch der CDU-Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann mitteilte. Übernommen hat Schmidt die Firma dann im Jahr 2013. Auch sein Sohn wird in vierter Generation in dem Familienbetrieb tätig sein. Einen Teil der Arbeit in der Fleischerei nimmt laut Schmidt die Hausschlachtung ein. Kunden aus dem Umkreis lassen ihre Schweine und Rinder bei ihm schlachten. „Zurzeit sind es wenige Hausschlachtungen“, sagte er. „Zum Winter hin werden es wieder mehr.“ Wie Schmidt betonte, wird das Tier bei der Schlachtung komplett verarbeitet.

Neue Verordnungen

Zu schaffen machen dem Inhaber jedoch die neuen Auflagen und Verordnungen des Landkreises. Nachdem er den Betrieb übernommen hatte, prasselten neue Regeln bezüglich der Hygiene auf ihn ein. „Neben der Decke, mussten auch die Fußböden ersetzt und neue Kühlhäuser eingerichtet werden“, so Schmidt. Wie Connemann mitteilte, regelt die EU die Hygieneverordnung neu. „Es ist spannend, wie es in den einzelnen Ländern umgesetzt wird“, so Connemann. Im Gegensatz zu anderen EU-Ländern, wie Spanien, werde in Deutschland jedoch anders kontrolliert.

Wichtig für den Fleischermeister ist es, eine eigene Nische für sich zu finden. Dabei setzt er auf Regionalität. „Immer noch verwechseln die Menschen Bio-Produkte mit Regionalität, denn es ist kein festgeschriebener Begriff“, so Schmidt. Es sei ihm wichtig, dass die Kunden wissen, wo ihr Fleisch herkommt. Laut Connemann haben es die Verbraucher selbst in der Hand. „Ich kann jeden verstehen, der sein Fleisch lieber im Supermarkt kaufen will“, sagte sie. „Aber dann darf man auch nicht meckern, wenn es irgendwann keine kleinen handwerklichen Betriebe in den Orten mehr gibt.“

Sobald die neuen Auflagen und Umstrukturierungen abgeschlossen sind, will Schmidt wieder komplett selbst schlachten. „Mir ist es wichtig, alle Produkte selbst zu machen, die von meinen eigenen Tieren kommen“, so Schmidt. Dazu passt auch das Hobby seiner Frau Britta, die „Highlander“-Rinder züchtet. Dann möchte er beispielsweise kleinen Gruppen zeigen, wie geschlachtet wird.

„Die Leuten können dann selbst sehen, dass alles vom Tier verarbeitet wird. Am Ende kann man dann leckere Bratwürste herstellen.“

Nordhümmlings Samtgemeindebürgermeister Christoph Hüntelmann verwies im Rahmen der Neuaufstellung des Betriebs auf den Tourismus. „Wir wollen versuchen die Fleischerei auch hinsichtlich des Marketings unterstützen, um den Familienbetrieb zu erhalten“, so Hüntelmann.