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Schulleiterin geht in Pension Doppelter Abschied an Voltlager Overbergschule

Von Martin Schmitz | 29.07.2014, 18:59 Uhr

Für Dolores Speer und Angelika Prieshoff beginnen gerade die längsten Ferien ihres Lebens. Die Overbergschule nahm Abschied von ihrer langjährigen Leiterin und einer ihrer beliebtesten Kolleginnen. Ein Abschied, so bewegend, dass sich nicht nur mancher Schüler heimlich eine Träne aus dem Auge wischte.

Als Dolores Speer 1979 antrat, evangelisch, verheiratet mit einem Sozialdemokraten, war das katholisch-konservative Voltlage zutiefst irritiert. Beim Abschied hingegen zählte nur noch das, was sie für Schule und Dorf geleistet hat. Bis auf eine süffisante Randbemerkung Norbert Szczepaneks. Damals, das sei „nicht nur ein anderes Jahrhundert“ gewesen, „sondern auch ein anderes Jahrtausend“.

Speer kommt aus dem emsländischen Dalum, stellte Regierungsschuldirektor Szczepanek sie vor, machte ihr Abitur an der Liebfrauenschule in Meppen, studierte Lehramt in Osnabrück, mit einer Abschlussarbeit über die Integration Behinderter in den Unterricht. Ihre erste Station im Beruf war von 1974 an die Grund- und Hauptschule in Wellingholzhausen. Dann kam sie nach Voltlage. Dass sie nun gehe, sei nicht geplant gewesen, sondern ihrer Gesundheit geschuldet. Szczepanek riet ihr in dieser Situation, konsequent ihre eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen, „selbstsüchtig“ zu sein. Leicht dürfte ihr das nicht fallen, „denn so kennen wir sie, sie denkt immer zuerst an andere“.

Das gilt sicher auch für Angelika Prieshoff, von der viele Schüler mit tränenfeuchten Umarmungen Abschied nahmen. Als Ausstiegsritual entleerte sie mit Speer zusammen ihre übervolle Schultasche in einen Müllsack, bis nur noch Seelenfrieden übrig blieb. 59 Jahre waren die beiden zusammengerechnet an dieser Schule, sagte Elternsprecherin Melanie Egbers. Ohne seine Vorfrauen, scherzt Lehrerkollege Lutz Dalkowski, fühle er sich nun „in die Volljährigkeit entlassen“. Kolleginnen von ihm sprachen von „Lehrerinnen mit Kopf und Hand, die Spuren hinterlassen haben“.

Bürgermeister Bernhard Egbert dankte im Namen des Dorfes und des Fördervereins der Schule für eine angenehme und konstruktive Zusammenarbeit. Dolores Speer habe etwas getan, was das Internet mit seinen sozialen Netzwerken nicht leisten könne, sie habe Schülergenerationen Werte vermittelt.

Hildegard Schwertmann-Nicolay, Bürgermeisterin der Samtgemeinde Neuenkirchen, sprach von einem Samenkorn, das hier gelegt worden sei. Nirgendwo sei sie in gerade einmal hundert Tagen im Amt so häufig gewesen wie in der Overbergschule.

„Man ist dort zu Hause, wo man sich wohlfühlt“, antwortete Dolores Speer. Die Overbergschule sei eine kleine Schule, ihr Kollegium deshalb vermehrt aufeinander angewiesen.

Offensichtlich auch eine Schule mit außergewöhnlichen Schülern. Obwohl Lutz Dalkowski für die Feierstunde am Montag kaum Zeit zum Einstudieren blieb, brachten die Schüler kleine Aufführungen mit Energie und Konzentration auf die Schulbühne, die Trommelgruppe hielt den Rhythmus souverän, eine Theatertruppe philosophierte hinreißend auf Plattdeutsch über „Glück un süss noch watt“.

Sicher, es gibt auch eine Overbergschule nach Speer und Prieshoff. Marita Meyer, Grundschulleiterin in Merzen, ermutigt die beiden zum Loslassen. „Vergiss uns aber nicht“, rief sie dann aber ihrer persönlichen Freundin Dolores Speer zu.