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„Noch ist alles offen“ Amprion informiert in Merzen über neue Stromtrasse

Von Ulrike Havermeyer | 15.10.2015, 19:04 Uhr

Wohl kaum jemand im Altkreis Bersenbrück wird sich auf die geplante 380000-Volt-Höchstspannungsleitung freuen. Notwendig ist sie nach Einschätzung der Bundesnetzagentur dennoch. Um bereits früh mit den Bürgern über das Vorhaben ins Gespräch zu kommen, hatte Netzbetreiber Amprion zu vier „Info-Märkten“ eingeladen. Der letzte fand jetzt in Merzen statt.

Die geplante 380000-Volt-Höchstspannungsleitung, die ab dem Jahr 2022 den von den Offshore-Windkraftanlagen vor der Norddeutschen Küste erzeugten Strom Richtung Süden transportieren soll, bewegt derzeit auch die Gemüter im Nordkreis. Wo wird die Trasse entlangführen? Wie nahe kommt sie der eigenen Gemeinde oder gar dem eigenen Grundstück? Und welche Chancen bietet eine Erdverkabelung?

Das Unternehmen Amprion, das bis Ende kommenden Jahres verschiedene Verlaufsvarianten der Trasse von Cloppenburg bis nach Merzen prüft, hatte die Bürger zu verschiedenen Informationsnachmittagen in Quakenbrück, Weitere Informationen aus der Gemeinde Merzen und der Samtgemeinde Neuenkirchen finden Sie in Ihrem Ortsportal. Bersenbrück, Bramsche und Merzen eingeladen. Dort tauschten sich die Besucher mit den Amprion-Mitarbeitern über bestehende Fragen, Sorgen und Unklarheiten aus.

Amprion zufrieden mit der Resonanz

Mit Melanie Pust von der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Initiative „Bürgerdialog Stromnetz“ war auch eine Ansprechpartnerin vor Ort, die über das Thema Energiewende im Allgemeinen informierte.

„Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz“, äußerte sich Arndt Feldmann von der Amprion: Zwischen 100 und 200 Besucher seien jeweils den Einladungen in die vier Gemeinden gefolgt und hätten die Gelegenheit genutzt, sich umfassend über den Stand der Dinge zu informieren.

Die wohl brennendste Frage: Woher wird künftig die neue 380000-Volt-Leitung durch den Altkreis verlaufen? „Derzeit ist noch alles offen“, betont Projektsprecher Feldmann. „Der Gesetzgeber hat uns gesagt: Guckt euch sämtliche Korridore gleichberechtigt an, schließt nichts aus.“ Das sei auch einer der Gründe für die Amprion, sich bereits relativ früh im Planungsprozess an die Öffentlichkeit zu wenden. „Auf diese Weise erfahren wir etwas über die Stimmung in der Bevölkerung“, sagt er und stellt fest: „In vielen Gesprächen haben sich die Menschen hier für die Autobahn-Variante ausgesprochen.“

„Autobahnvariante noch einmal genau analysieren“

Allerdings: Wegen der Nähe zu bestehender Bebauung und zu Naturschutzgebieten müsste die Höchstspannungsleitung bei dieser Lösung die A1 mehrmals kreuzen. „Das ist ziemlich aufwendig und könnte bei Reparaturen und Wartungsarbeiten in diesen Bereichen eine Vollsperrung der Autobahn notwendig machen“, erläutert Feldmann.

Sein Fazit aus den ersten vier Bürgernachmittagen: „Wir werden der Behörde vorschlagen, die Autobahnvariante noch einmal genau zu analysieren.“

Die vier Veranstaltungen – „Bürgerinfo-Märkte“ genannt – sollen den Auftakt zu weiteren Austauschtreffen bilden. „Wir werden die Bürger regelmäßig einladen, um für größtmögliche Transparenz zu sorgen“, versprach Projektsprecher Arndt Feldmann. „Dennoch steht eines fest: Am Ende werden wir eine Leitung bauen.“