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Gutachter findet Mängel Neuenkirchener Schützen müssen Schießstand sanieren

Von Christian Geers | 09.12.2014, 20:18 Uhr

Auf die Mitglieder des Schützenvereins Neuenkirchen wartet in den kommenden Wochen und Monaten viel Arbeit. Eine routinemäßige Überprüfung hat ergeben, dass die Ausstattung des Schießstandes und des Adlerstandes in Teilen nicht mehr den verschärften Sicherheitsauflagen entspricht. Auf rund 10000 Euro schätzt der Vorstand um Präsident Hermann Eislage allein die anfallenden Materialkosten. Nun hoffen die Schützen auf Sponsoren, die den Verein mit Spenden unterstützen.

Als Hermann Eislage im Oktober Post von der Ordnungsbehörde des Landkreises Osnabrück erhielt, musste er erst einmal schlucken. Ende September hatte ein Gutachter den Schießstand des 1877 gegründeten Vereins routinemäßig in Augenschein genommen. Diese Begutachtung erfolgt alle vier Jahre. Schon bei der Begehung hatte der Fachmann auf einige verpflichtende Nachbesserungen hingewiesen.

Die sind in einem 13 Seiten starken Gutachten penibel aufgelistet. Nicht nur der Vorstand studierte die Zusammenfassung, auch der Fachdienst Ordnung in der Kreisverwaltung. Die kommt schließlich zu dem Schluss, „dass die Schießanlage Mängel aufweist [...] und die Anlage derzeit nicht den Richtlinien für die Errichtung, Abnahme und das Betreiben von Schießständen entspricht“. Der Verein, so die Behörde, müsse die festgestellten Mängel umgehend beheben. Als erste Frist wurde der 31. Januar 2015 genannt.

Der Satz, den das Ordnungsamt in bestem Behördendeutsch zu Papier brachte, bedeutete nichts anderes, als dass die Schießstände für Luftgewehr und Kleinkaliber sowie der Adlerstand im Außenbereich stillgelegt werden, sollte der Verein die Mängel nicht beheben. „Das klang alles schon sehr dramatisch“, sagt Präsident Hermann Eislage, den der Umfang der Mängelliste sehr überrascht hat. Schnell war sich der Vorstand allerdings einig, nach einer Lösung zu suchen. „Dass der Schießstand den Richtlinien und Vorschriften entsprechen muss, ist ja keine Frage.“

Die Mängel im Einzelnen: Laut Gutachten muss die Schießhalle mit den 10- und 50-Meter-Bahnen umgestaltet werden. Die Holzvertäfelung an Wänden und Decken muss „rückprallsicher“ verkleidet werden, also entweder mit einer Betonwand, verputztem Mauerwerk oder Dämmplatten aus Holzfasern oder Gipskarton. Die Ablagefläche der Brüstung muss einen glatten und abwischbaren Belag bekommen, der aufgeklebte Teppich entspricht nicht mehr den Richtlinien. Auch die Beleuchtung und Belüftung auf den Schießbahnen seien nicht ausreichend, wie der Gutachter weiter aufführte.

Den größten Aufwand wird nach Eislages Worten aber wohl die Instandsetzung des Adlerstandes neben dem Schützenhaus verursachen. In 12,50 Meter Höhe hängt während des Schützenfestes ein sogenannter Geschossfangkasten, in dessen Mitte ein hölzerner Adler zum Abschuss freigegeben wird. Auf diese Weise ermitteln die Neuenkirchener seit Jahrzehnten ihren neuen Schützenkönig. „Darauf wollen wir nicht verzichten. Wir sind der einzige Verein in der Samtgemeinde Neuenkirchen, der an der Tradition des früheren Vogelschießens festhält“, kündigt Eislage an. Das Adlerschießen sei schließlich einer der publikumswirksamen Höhepunkte jedes Volksfestes. „Wenn wir das Königsschießen auf den Schießstand verlegen, würde die Attraktivität ganz sicher leiden.“

Also müssen sich die Mitglieder den quadratischen Geschossfangkasten vornehmen. Er soll umgebaut und um einige Zentimeter vergrößert werden und muss letztlich so konstruiert sein, dass Rückpraller nicht möglich sind. Zusätzlich fordert die Ordnungsbehörde eine Absturzsicherung, die verhindert, dass sich der Kasten während des Adlerschießens aus seiner Verankerung löst. Denn der Kasten wiegt einige Kilogramm, weil neben Holz auch bis zu acht Millimeter dicke Stahlplatten verbaut werden.

In den vergangenen Wochen hat der Vorstand des Schützenvereins die Kosten für die Instandsetzung ermittelt. Allein das benötigte Material kostet zwischen 9000 und 10000 Euro. „Die Summe übersteigt unsere finanziellen Möglichkeiten“, sagt Hermann Eislage. Bei der Suche nach einer Finanzierung habe sich der Vorstand aber schnell gegen höhere Mitgliedsbeiträge ausgesprochen. Das einfachste Mittel sei oft das unpopulärste. Stattdessen wolle der Verein nun gezielt Sponsoren ansprechen und um Spenden bitten. „Erste Zusagen haben wir schon bekommen“, berichtet Eislage. Er ist optimistisch, die Summe aufzubringen, und setzt darauf, dass vielen Neuenkirchenern der Erhalt des Schützenwesens am Herzen liegt.

Allerdings drängt die Zeit: Ende April 2015 muss der Adlerstand erneuert und vom Gutachter abgenommen worden sein. Deshalb haben sich die Mitglieder entschlossen, in der nächsten Woche mit den Umbauarbeiten zu beginnen, also unmittelbar nach dem Weihnachtsschießen am dritten Adventswochenende. In einem Schreiben hat der Schützenverein seine Mitglieder inzwischen informiert. Wo es geht, wollen sie alle Arbeiten in Eigenleistung erledigen.

Präsident Hermann Eislage ist guten Mutes, dass die Mitglieder tatkräftig mithelfen oder mit einer Spende die Baukosten finanzieren: „Das schaffen wir.“