Ein Artikel der Redaktion

BKR-Adventskalender – Teil 16 Merzener öffnet die Tür zum Raum der Möglichkeiten

Von Ulrike Havermeyer | 16.12.2015, 08:04 Uhr

So nüchtern die Tür, die Heiner Brinkmann heute öffnet, mit ihrem schmucklosen Furnierholzblatt und dem mechanischen Türschließer auch erscheinen mag – hinter ihr verbergen sich ungeahnte Möglichkeiten.

Ein Raum für Kreativität und Gemeinschaft. Für Unterhaltung und Geselligkeit. Kurzum: ein behaglicher Ort für mehr Lebensqualität. „Wenn ich diese Tür zur Anlaufstelle für Senioren im Jugendhaus von Merzen öffne“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins, „dann öffne ich gleichzeitig auch eine Tür im übertragenen Sinne.“

Sangesfreudige Senioren

An jedem vierten Donnerstag im Monat drücken rund 25 sangesfreudige Senioren die rote Kunststoffklinke zum Mehrzweckraum des Jugendhauses herunter, um hier im Rahmen des Projekts „Wohnen mit Zukunft“ miteinander zu singen. Zusammen mit den Organisatoren Heiner Brinkmann und seinem Kollegen Gerhard Kümmel, Vorsitzender des Sozialverbands, und – genau wie Brinkmann – Mitglied im Helferkreis Merzen, erfreut sich die Gruppe an den gemeinsam gesungenen Liedern. „Gemeinsames Musizieren macht einfach Spaß“, weiß der ausgebildete Musiklehrer und Solosänger aus eigener Erfahrung, „und man merkt, dass es den Leuten gut tut.“

Gut für das Langzeitgedächtnis

Gesungen werden überwiegend Stücke aus dem vom Männergesangverein herausgegebenen „Merzener Liederbuch“. Aber auch eigene Ideen der Mitsänger greift der Chor gern auf, betont Brinkmann. „Die Teilnehmer sind zwischen 60 und über 90 Jahre“, berichtet er. Neben dem Spaß habe das Singen auch einen gesundheitsfördernden Aspekt: Wer sich auf die Klänge einlasse und mit ganzer Konzentration dabei sei, den belohne der Körper mit jeder Menge Glückshormonen. Bei an Demenz Erkrankten stimuliere die Musik zudem das Langzeitgedächtnis, so dass längst vergessen geglaubte Liedtexte plötzlich wieder verfügbar seien.

Zeit zum Klönen

Damit auch jeder den richtigen Ton trifft, begleitet Eugen Volbers die Singnachmittage auf seinem Akkordeon. „Wer einmal dabei war“, freut sich Heiner Brinkmann, „der kommt meistens auch regelmäßig wieder.“ Das nächste Treffen der singenden Senioren findet am Donnerstag, 28. Januar, von 15 bis 17 Uhr statt. „Natürlich gibt es auch jedes Mal Kaffee und Kuchen – dafür sorgt Seniorenbetreuerin Ursula Zimmermann“, merkt Brinkmann an, „und Zeit zum Klönen bleibt auch.“

Umzug ohne Tür

Ganz oft wird Heiner Brinkmann die schlichte Holzfurniertür zum Raum der Möglichkeiten im Merzener Jugendhaus allerdings nicht mehr öffnen: Sobald das sich derzeit im Bau befindliche Gemeinschaftshaus fertig ist, zieht die Anlaufstelle für Senioren und mit ihr die Singnachmittage in die neuen Räumlichkeiten um. Und während die Holztür mit Sicherheit nicht an diesem Umzug teilnehmen wird, dürfte Heiner Brinkmann seine Tür zu mehr Lebensqualität auch weiterhin stets bei sich tragen. Im übertragenen Sinne, versteht sich.