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Bewohner aus Vinte schweigen 19-Jähriger stürzt von Karnevalswagen – Fahrer wird weiter gesucht

Von Ulrike Havermeyer, Ulrike Havermeyer | 26.02.2017, 15:51 Uhr

Der Spaß dürfte den Narren aus dem Neuenkirchener Ortsteil Vinte gründlich vergangen sein, als am Samstag ein 19-Jähriger von einem Mottowagen stürzte. Fakt ist, dass der Umzug nicht genehmigt war. Der Fahrer des Wagens flüchtete.

Ein nicht genehmigter Karnevalsumzug? Ein 19-Jähriger, der laut Polizeiangaben offenbar betrunken von einem der Mottowagen stürzte und mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste? Ein verschwundener Fahrer, gegen den die Polizei Bersenbrück nun wegen fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht ermittelt? Der Provinzumzug im kleinen Ortsteil Vinte in der 4500-Seelen-Gemeinde Neuenkirchen sorgt derzeit für mindestens so viel Gesprächsstoff wie das traditionelle Ossensamstag-Spektakel in Osnabrück. 

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„Ich war entsetzt, als ich am Samstagabend auf der Internetseite der NOZ von dem Vorfall gelesen habe“, sagte Neuenkirchenes Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay am Sonntagmittag zu den Ereignissen. „Und überrascht, denn von einem solchen Umzug in Vinte habe ich nichts gewusst.“ Die Veranstaltung, die offenbar aus einer privaten Initiative heraus entstanden ist, sei „auf jeden Fall genehmigungspflichtig“, so die Verwaltungschefin. Nach einem Anruf beim Ordnungsamt der Samtgemeinde könne sie jedoch bestätigen, dass dort kein Antrag auf Genehmigung eines Umzugs in Vinte vorliege und keine entsprechende Genehmigung erteilt worden sei. Bei der Polizei Bersenbrück liegt ebenfalls keine Genehmigung für einen Karnevalsumzug in Vinte vor, wie Anke Hamker von der Polizeiinspektion Osnabrück mitteilte.

Tradition seit 2006?

Die Hintergründe: Nach Recherchen unserer Redaktion ist im Jahr 2006 zum ersten Mal ein Karnevalsumzug in Vinte organisiert worden. Initiator war damals der „Hangar Vinte“, eine Gruppe von jungen Erwachsenen aus der Gegend um Neuenkirchen. Der Einzug des Karnevals in dem kleinen Ortsteil fand durchaus Anklang: Was 2006 mit lediglich einem Mottowagen begann, etablierte sich über die Jahre zu einer kleinen lokalen Tradition – 2013 beteiligten sich immerhin 16 Mottowagen und rund 300 Karnevalisten.

„Das lief damals sehr gepflegt ab“

Ob die Veranstaltung damals genehmigt worden war? „Dazu kann ich nichts sagen, das war ja noch vor meiner Zeit als Samtgemeindebürgermeisterin“, sagt Hildegard Schwertmann-Nicolay. Das Veranstaltungsrecht habe sich allerdings „in den vergangenen fünf, sechs Jahren extrem verschärft – aus Sicherheitsgründen.“ Sie selbst habe vor einigen Jahren bereits einmal privat den Vinter Umzug besucht, um sich ein Bild vom närrischen Treiben in ihrer Heimatgemeinde zu machen: „Das lief damals aber alles sehr gepflegt ab“, erinnert sie sich. „Die Stimmung war gut und man hat auch sehr darauf geachtet, dass die Fahrer der Wagen keinen Alkohol getrunken haben.“

Identität des Fahrers noch nicht geklärt

Im vergangenen Jahr habe „definitiv kein Umzug in Vinte stattgefunden“, hatte sich die Samtgemeindebürgermeisterin am Sonntagmittag bereits vergewissert. Und auch in diesem Jahr sei im Rathaus „in keinster Weise bekannt“ gewesen, dass ein Umzug geplant gewesen sei. „Mir tut das alles sehr leid“, sagte Schwertmann-Nicolay. Denn was vielleicht ähnlich wie ein fröhlicher Maigang begonnen habe, habe nun ernsthafte Folgen für die womöglich jugendlichen Beteiligten. „Das ist sehr bedauerlich.“ Auch die Polizei Bersenbrück zeigte sich nicht ohne Verständnis für die Narren aus Vinte: „So etwas macht ja keiner absichtlich“, sagte ein Polizeibeamter. „Aber wir müssen jetzt natürlich wegen der Ansprüche aller Beteiligten ermitteln.“ Dass sich zur Identität des Fahrers derzeit noch niemand geäußert habe, auch das konnte sich der Polizeibeamte durchaus erklären: „Ist doch nachvollziehbar, dass da keiner dem anderen etwas Böses will.“