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Bafög-Fonds für Asylsuchende Süssmuth spendet für Flüchtlingshilfe in der Region Osnabrück

Von Ulrike Havermeyer | 09.11.2015, 10:55 Uhr

Rita Süssmuth hat dem Caritasverband für die Diözese Osnabrück eine Spende von 20000 Euro zur Unterstützung seines Bafög-Fonds für Asylsuchende überreicht. Die ehemalige Bundestagspräsidentin referierte beim Forum Caritas, das jetzt in Neuenkirchen tagte, zum Thema Flüchtlinge und Familie.

Die kleine Gemeinde Neuenkirchen sei genau der richtige Ort, um im Rahmen des Forum Caritas des Caritasverbands für die Diözese Osnabrück über Themen wie Migration, Integration, Familie und Generationensolidarität zu diskutieren, befand Rita Süssmuth und hob die Bedeutung des ländlichen Raums und seiner kleinteiligen Infrastruktur für die Gesellschaft und deren Zusammenhalt hervor. Die ehemalige Bundestagspräsidentin war gekommen, um der Caritas eine Spende von 20000 Euro zu überreichen. Mit dem Geld will der Verband Flüchtlinge dabei unterstützen, ein Studium oder eine Berufsausbildung zu finanzieren.

Appell an Unternehmer

Das sei zwar nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“, kommentierte Rita Süssmuth ihre Spende: „Aber es ist der Anfang einer Initiative, die die Caritas auf den Weg gebracht hat.“ Asylsuchende Flüchtlinge und Migranten, die in Deutschland eine Ausbildung oder ein Studium beginnen wollten, hätten derzeit keinen Anspruch auf staatliche Förderung, erläuterte Günter Sandfort, stellvertretender Direktor des Caritasverbands, die Problematik. „Damit diese Menschen nicht in die BAföG-Falle geraten, hat die Caritas nun den ‚BAföG-Fonds für Asylsuchende‘ gegründet.“ Sandfort appellierte an Unternehmer und Privatleute, die Initiative durch weitere Spenden zu unterstützen. Der Fonds solle so lange bestehen, erklärte er weiter, „bis die Politik diese Gesetzeslücke geschlossen hat.“ (Weiterlesen: Mehr zum Thema Flüchtlinge lesen Sie im NOZ-Themenportal) 

„Das Trockenschwimmen nicht verlängern“

Dass die Bildung und Beschäftigung von Migranten eine zentrale Rolle beim Thema Integration spielen, unterstrich auch Rita Süssmuth. „Wir dürfen das ‚Trockenschwimmen‘ von Asylsuchenden nicht noch weiter verlängern“, mahnte sie und sprach sich für eine zügige dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge und für eine enge Kooperation mit den regionalen Unternehmen aus. „Wir brauchen die Migranten“, betonte Süssmuth, „und jetzt sind sie da.“ Die CDU-Politikerin zeichnete das Bild einer Gesellschaft im Wandel, aber auch das einer „gereiften Demokratie“, die sich den Herausforderungen der Zukunft – Migration, demografischer Wandel , Klimaveränderung – zu stellen habe: „Und man sollte davon ausgehen, dass mit der Demokratie auch die Bürger gereift sind.“

„Keiner schafft das alleine“

Bei ihrem Besuch in Neuenkirchen, bilanzierte Süssmuth, habe sie gelernt, dass die kleine Kommune – unter anderem mit dem Projekt „Drehscheibe“ – gute Voraussetzungen für die Bewältigung dieser Herausforderungen geschaffen habe. „Wir brauchen mehr solcher Bürgerplattformen und Netzwerke“, forderte die 78-Jährige, „keiner schafft das alleine.“ Für den ländlichen Raum beinhalte diese Entwicklung zugleich die Chance „von einer Schlafstadt zu einer aktiven Gemeinde zu werden.“

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Das Spendengeld ist Teil des Preisgeldes von insgesamt 200000 Euro, das Rita Süssmuth anlässlich der Verleihung des Reinhard-Mohn-Preises der Bertelsmann-Stiftung im Juni 2015 erhalten hatte. Die gebürtige Wuppertalerin wurde damit als Wegbereiterin einer modernen Einwanderungs- und Integrationspolitik gewürdigt.