Ein Artikel der Redaktion

Nur drei Frauen in den Räten In Vörden und Rieste „weibliche Sicht ins Spiel bringen“

Von Marcus Alwes, Marcus Alwes | 05.03.2016, 13:41 Uhr

Rieste/Neuenkirchen-Vörden. In Rieste und Neuenkirchen-Vörden gehören insgesamt 36 gewählte Kommunalpolitiker den beiden örtlichen Gemeinderäten an. Doch nur drei von ihnen sind Frauen. Andrea Blanke (CDU) sowie Helga Globisch und Nicole Karadag (beide SPD) stehen 33 Männern gegenüber.

Andrea Blanke nimmt kein Blatt vor den Mund. „Es ist definitiv wichtig, die weibliche Sicht der Dinge ins Spiel zu bringen“, sagt sie. Und hofft, nach der nächsten Gemeinderatswahl nicht mehr nur die einzige Frau im Riester Gemeinderat zu sein.

Zuerst Schule & Soziales

In dem 15-köpfigen Gremium sitzt sie augenblicklich 14 Männern aus vier verschiedenen Fraktionen (SPD, UWG, Grüne und CDU) gegenüber. Zwar hat Blanke dort als Unions-Vorsitzende einigen Einfluss, doch sie hofft auf weiblichen Zuwachs im Rat. Auf der Kandidatenliste ihrer CDU – der Mehrheitspartei in der beschaulichen 3400-Einwohner-Gemeinde – werde es wohl nicht nur sie als weibliche Kandidatin geben, kündigt sie an.

Blanke (Foto Mitte) ist 44 Jahre alt und gebürtige Bremerin. Mit Politik ist sie aufgewachsen: „Das wurde mir in die Wiege gelegt.“ Blankes Vater war Landrat und Bürgermeister im Umland der Weserstadt. Nach ihrem Umzug nach Hesepe bzw. später nach Rieste landete die gelernte Speditionskauffrau und heutige Bankangestellte in der örtlichen Politik. „Ich bin immer mit Unterschriftenlisten im Ort herumgelaufen, um bei der Gemeinde Rieste einen Spielplatz und die Zone 30 einzufordern “, erinnert sie sich. CDU-Frau Dorle Hiller habe sie dann beim Knobeln auf dem Weihnachtsmarkt angesprochen, ob sie nicht auch für den Gemeinderat kandidieren wolle.

Trio kandidiert erneut

Dem gehört Blanke nun seit zwei Wahlperioden an. Angefangen hat sie dort als Mitglied im Ausschuss für Familie, Soziales und Umwelt. Ein „Schicksal“, das auch die Neuenkichen-Vördenerin Nicole Karadag (44) kennt. Auch sie stammt aus Bremen, auch sie verschlug es in den Großraum Osnabrück. Und auch sie sagt, „Frauen-Power ist gefragt“.

Mit Blick auf das Wahlergebnis im kommenden September hofft die Textilunternehmerin Karadag (Foto rechts) nicht nur auf Zuwächse für ihre Partei – die SPD, sondern auch auf insgesamt mehr Frauen im Rat der Kommune im Kreis Vechta mit ihren 8392 Bürgern. „Ich wünsche mir, dass es weiblicher wird“, unterstreicht sie.

Ihre Themenschwerpunkte im Rat waren zuletzt sehr arbeitsintensive Bereiche: Kita-Planungen, die örtliche Schulentwicklung und die Flüchtlingsintegration . „Jetzt müssen wir demnächst noch intensiver an die kommunale Jugendarbeit und den Jugendtreff ran“, sagt sie – und will natürlich bei der Wahl im Spätsommer wieder antreten. Für eine dritte Amtsperiode in der Bürgervertretung. Genau wie Andrea Blanke in Rieste.

Auch gute Listenplätze?

Und genau wie ihre Vördener SPD-Fraktionskollegin Helga Globisch (58, Foto links). Die Bäckereifachverkäuferin und begeisterte Chorsängerin sagt über sich selbst, sie habe anfänglich im Rat „die eine oder andere Hemmschwelle überwinden müssen“. Inzwischen habe sie sich aber „richtig reingearbeitet“. Neben Schule und Soziales nehme sie zum Beispiel auch „mit Freude gerne“ als Vertreterin im Bauausschuss an Sitzungen teil.

„Man sieht im Gemeinderat sehr gut, dass man etwas erreichen kann“, findet Globisch. „Und Politik muss für Bevölkerung gemacht werden, nicht zuerst für die eigene Partei.

Deshalb empfinde sie es auch als „sehr angenehm, dass es in unserer Fraktion keinen Fraktionszwang gibt“. Niemand verlange von ihr, aus einer Parteidisziplin heraus gegen ihren eigentlichen Willen abstimmen zu müssen. „Da sind wir in der SPD schon frei. Das finde ich wichtig“, sagt Globisch.

Und auch sie blickt mit Spannung auf die anstehenden Kandidatenaufstellungen. Alle Parteien im Neuenkirchen-Vördener Rat (CDU, FDP, IGNV, SPD) hatten unlängst betont, dass sie gezielt nach weiblichen Kandidaten für ihre Listen Ausschau halten wollen. Damit am Ende eben nicht nur die Sozialdemokraten Frauen ins Kommunalparlament schicken. Gespannt dürfen die Wähler folglich auch sein, welche Listenplätze – gute oder weniger aussichtsreiche – besagte Kandidatinnen von ihren Parteien zugedacht bekommen werden.