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„Kandidiere nicht als Pastor, sondern als Bürger“ Neuenkirchen-Vörden: Im Landkreis Vechta stellt sich erstmals ein Geistlicher zur Wahl

Von Johannes Kapitza | 05.09.2011, 14:47 Uhr

Heinrich Hoppe ist für die „Interessengemeinschaft für eine sinnvolle Gemeindegestaltung in Neuenkirchen-Vörden“ (IGNV) ein Vorzeigekandidat: Mit dem 55-Jährigen kandidiere „erstmals im Landkreis Vechta ein Pastor um ein politisches Amt“, schreibt die IGNV in einer Mitteilung. Ein Fakt, der durch den Landkreis bestätigt wird, aber den der Inhaber des Listenplatzes Nummer sechs nicht besonders betont wissen will: „Ich kandidiere nicht als Pastor, sondern als Bürger von Vörden.“

Ob sich ein Geistlicher für ein politisches Amt zur Wahl stellen dürfe, sei „eine Frage der Neutralität“, sagt Hoppe. Ihm ist klar: Berufliches Neutralitätsgebot und Politik lassen sich in seinem Fall nur verbinden, „weil ich in einem Funktionspfarramt und nicht in der Gemeindearbeit tätig bin“. Hoppe arbeitet als Berufsschulpastor und Gefängnisseelsorger in Osnabrück.

Hoppes politisches Engagement findet seine Wurzeln in einer Bürgerinitiative gegen einen Legehennenstall in Vörden. „Ich habe dabei eine Erfahrung gemacht: Viele Entscheidungen waren schon im Vorfeld erledigt. Prozesse wurden nicht offen mit der Bevölkerung verhandelt.“ Von der IGNV habe die Bürgerinitiative die meiste Unterstützung erfahren. Und so findet sich Hoppe im Programm der Interessengemeinschaft am besten wieder: Er will sich in der Gemeinde für mehr politische Transparenz einsetzen, die Bevölkerung stärker einbinden.

„Ich habe mich nicht um eine Kandidatur gedrängelt“, sagt Hoppe. Nach der Anfrage der IGNV habe er sich aber auch „nicht entziehen wollen, an bestimmten Punkten Verantwortung zu übernehmen“. Zum Beispiel in der Sozialpolitik: Arbeitsplätze im Niedersachsenpark seien „ein Segen“, aber Anstellungen im Niedriglohnbereich ein „Problem, das die soziale Struktur der Gemeinde beeinträchtigen“ könne. Gefährdet sieht er auch die Lebensqualität, wenn noch mehr Lkw durch den Ort donnern würden: „Die Verkehrssituation ist an der absoluten Grenze“, sagt Hoppe. Er wohnt an der Durchgangsstraße. „Der Verkehr teilt Vörden in zwei Teile.“ Darüber ärgert sich Hoppe. In erster Linie als „ein Bürger der Gemeinde“. Nicht als Pastor.