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Festschrift der Apostelgemeinde Älteste Kirche im alten Kirchenkreis Vechta feiert Jubiläum

Von Sigrid Schüler, Sigrid Schüler-Juckenack | 16.06.2016, 08:30 Uhr

Die Apostelkirche in Neuenkirchen-Vörden ist die älteste evangelische Kirche im alten Kirchenkreis Vechta, sagt Wolfram Krumme. Der Organist und Chorleiter in der Apostelgemeinde muss es wissen, denn er hat sich anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Kirche mit der Geschichte des Gebäudes beschäftigt und eine Festschrift erstellt.

In dieser ist auch viel über das Miteinander der Konfessionen zu lesen.

125-jähriges Bestehen

Die Geschichte dieses Kirchengebäudes bezeichnet Krumme als spannend. Die alte mittelalterliche St.-Bonifatius-Kirche Neuenkirchens war nämlich bis in die 80er- Jahre des 19. Jahrhunderts als Simultankirche genutzt. Das bedeutet, dass sie sowohl von der katholischen als auch von der evangelischen Gemeinde genutzt wurde. Das habe mehr oder weniger gut geklappt, meint Krumme. An Sonn- und Werktagen durften von 9 bis 12 Uhr die Katholiken die Kirche benutzen, nachmittags von 13 bis 15 Uhr die Protestanten. Die übrige Zeit gehörte den Katholiken.

In den Augen von Joseph Nurre, einem Neuenkirchener, der in die USA ausgewandert und dort zu Reichtum gelangt war, sei das Simultaneum aber wohl ein Zustand gewesen, den man als nicht geeignet empfunden haben muss. Als die beiden Gemeinden die Aufhebung des Simultaneums beschlossen, war im Vertrag geregelt, dass die evangelische Gemeinde einen Bauplatz für eine neue Kirche und für den Neubau 30000 Mark bekommen sollte. Joseph Nurre spendete 15000 Mark an die katholische Gemeinde, die damit ihre Verpflichtung erfüllen konnte. Bemerkenswert findet Krumme, dass der Bau der Kirche tatsächlich nur ein Jahr gedauert hat. Der Bau wurde im März 1890 begonnen und im Mai 1891 fertiggestellt.

Krumme konnte für die Festschrift einige Quellen heranziehen, die in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen nicht genannt oder genutzt wurden. So finden sich in dem Buch die „Worte des Abschieds“. Die wurden am 30. Juni 1891 zur Auflösung des Simultaneums vom evangelischen Pastor Johannes Otto Martin Ramsauer gesprochen, sozusagen die letzten Worte an die evangelische Gemeinde in der alten Bonifatius-Kirche. Auch Fotos aus den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts aus dem Gemeindearchiv hat Krumme in das Buch aufgenommen. Inhaltlich habe er mit Pastor Kurt Paesler und auch mit Pastor Jens Möllmann, der bis vor wenigen Jahren Pastor in der Apostelgemeinde war, abgesprochen, was in die Festschrift aufgenommen werden soll.

Unter anderem konnte Krumme einen Beitrag von Pastor Möllmann verwenden, den dieser zur 875-Jahr-Feier der Gemeinde Neuenkirchen geschrieben hatte, ebenso Texte von Thomas Krause aus Oldenburg, der sich wissenschaftlich mit dem Thema des Simultaneums in Neuenkirchen auseinandergesetzt hat.

Zeitgemäß und modern

Sein Ziel sei gewesen, eine Chronik zu erstellen, die zeitgemäß und modern gestaltet ist und die man auch in 30 Jahren noch gerne zur Hand nimmt, sagt Krumme. „So eine Schrift ist ein Zeitdokument, in dem die Menschen, die sich für die Kirche interessieren, auch noch in Jahren blättern und lesen.“ Mit anderen Worten: Eine solche Chronik muss nicht nur inhaltlich interessant, sondern auch optisch gut gestaltet sein, innen wie außen. Dazu gehören für Krumme viele aktuelle Bilder, die auf verschiedenen Veranstaltungen der Gemeinde aufgenommen wurden. Und vom Chor der Apostelkirche, der inzwischen fast so lang besteht wie die Kirche selbst, finden sich ebenfalls zahlreiche Bilder in der Chronik.

„Ein schönes Gefühl, wenn man das Ergebnis schließlich in der Hand hält“, erklärt Krumme. Er sei sehr zufrieden damit. Die Festschrift wird in der Buchhandlung Weitzmann, Große Straße in Neuenkirchen, und in den örtlichen Volksbank-Filialen verkauft. Sie ist in einer Auflage von 300 Stück erschienen und kostet 9,90 Euro.

Ab dem 18. Juni feiert die Apostelgemeinde die Jubiläumswoche. Es wird mehrere Konzerte geben, natürlich auch mit dem gemischten Chor der Apostelkirche und mit örtlichen Musikvereinen wie dem Akkordeonorchester Nellinghof und dem Instrumental-Musikverein Neuenkirchen.