Geschrei als Wohlklang Erstes „Guerilla Fest“ im Neuenkirchener Kulturbahnhof

Von Sascha Knapek

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Neuenkirchen-Vörden. Den Namen „Guerilla Fest“ hat die knüppelharte Aneinanderreihung dreier, mehr oder weniger, Hardcorebands vollkommen verdient. Rund 70 Besucher sind in den Neuenkirchener Kulturbanhof gekommen, um sich den Abend mit dem Headbang-Trio nicht entgehen zu lassen.

Zum Auftakt kehrt die fünfköpfige Band Greif ihr Innenleben nach außen. Drei der Musiker aus Vechta sind bei den Songs mit deutschen Texten nicht nur an ihren Instrumenten, sondern auch am Mikrofon gefragt. Was sich für Außenstehende als Geschrei anhören mag, ist für die Besucher des ersten Guerilla Festes zwischen Post-Punk, Hardcore und Screamo zu verortender Wohlklang. Die Lokalmatadore zeigen auf, wohin es in den folgenden Stunden gehen soll. Denn so unterschiedlich die drei auftretenden Formationen auch sein mögen, sie alle eint die Vorliebe für kompromisslose Klänge.

Aktueller Nu Metal

Die mit Abstand weiteste Anreise hat die zweite Band des Abends. Sickret kommen aus Sursee in der Schweiz und haben das „KuBa“-Publikum im Handumdrehen auf ihrer Seite. Was vor gut 20 Jahren noch Crossover genannt wurde, bringen die Eidgenossen als etwas aktuelleren Nu Metal auf die Bühne. Während Frontmann Timmy Michels sich durch die englischsprachigen Raps wühlt, sind es vor allem der breitbeinige Bass von Saitenmann Chris Niederberger und das gewaltige Schlagzeugspiel von Drummer Stefan Fischer, die hier den Ton angeben.

Messerscharfe Riffs von Gitarrist Sandro Büchler und eingestreute Screamo-Anleihen des von Kopf bis Fuß tätowierten Timmy Michels runden den Sound des Schweizer Quartetts ab. Und immer, wenn der Frontmann die vor ihm aufgereihten Monitorboxen erklimmt, verstärkt sich das meist kurzhaarige Headbangen in den Zuschauerreihen. Ein Fakt, der sich durch alle Auftritte des Abends zieht. Denn Posieren ist beim ersten Guerilla Fest mehr als nur angesagt.

„Shouts“ oder Geschrei

Einen Mann für jede gesangliche Aufgaben haben dann Watch Out Stampede aus Bremen mit dabei. Während Gitarrist Dennis Landt für die gesungenen Parts der Songs verantwortlich ist, verschreibt sich Kompagnon Andreas Hildebrandt gänzlich den sogenannten „Shouts“, dem Geschrei. Unterstützt werden die beiden Frontmänner von Stefan Poggensee (Bass), David Werner (Gitarre) und Tolga Özer (Schlagzeug).

Die fünf Bremer mischen Screamo-Trash mit Posthardcore und Landts durchaus emolastigen Gesangspassagen. Hinzu kommt, dass die harten Jungs schon einmal gerne über den Tellerrand hinausblicken. Seichter Pop ist bei ihnen kein Ausschlusskriterium. Da wird mit Wonne „Die Young“, ein Hit des US-Popsternchens Ke$ha, gecovert und Band sowie Publikum feiern ausgelassen. Man sieht: Scheinbar kompromissloser Hardcore, hat auch weiche Seiten.


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