Staatliche IT-Plattform für Landwirte Grimme-Botschaft aus Damme: Bei Digitalisierung Gas geben


Damme. Die zunehmende Digitalisierung in der Landwirtschaft, die Sicherheit entsprechender Daten und die Vorbereitungen für eine nationale IT-Plattform für Landwirte standen im Mittelpunkt eines Fachgespräches zwischen dem Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Dirk Wiese, den beiden SPD-Bundestagsabgeordneten Rainer Spiering und Gabriele Groneberg sowie der Unternehmensführung der international agierenden Grimme Landmaschinenfabrik..

Und alle Beteiligten pflegten während der mehr als einstündigen Unterredung ein offenes Wort. „Wir haben in Deutschland insgesamt lange gepennt bei der Digitalisierung“, stellte beispielsweise Christof Grimme fest. Dabei seien doch „die Daten das Öl oder das Gold der Zukunft. Das wissen wir doch inzwischen alle“, so Grimme.

Aussagen, die Wiese und dessen Begleiter zustimmend nicken ließen. Die Bundesregierung bemühe sich aktuell, u.a. den Breitbandnetz-Ausbau gezielt mit Programmen anzuschieben und mit hohen Geldsummen zu fördern. Dies sei ein wichtiger Beitrag zur Infrastrukturverbesserung im gesamten Bundesgebiet.

Auf besonderes Interesse bei der Unternehmerfamilie Grimme (weltweit circa 2200 Mitarbeiter, davon 1300 an den beiden Werksstandorten in Damme und Rieste/Niedersachsenpark) stießen aber auch die Ausführungen von Wiese und Spiering zu einer angedachten staatlichen IT-Plattform, die Landwirten Zugang zu wichtigen Daten und Grundinformationen (u.a. Kataster- und Wetterdaten) ermöglichen solle. 40 Millionen Euro habe die Große Koalition in Berlin inzwischen im Haushalt 2017 für ein solches Forschungsprojekt bewilligt, erläuterten die Bundespolitiker. Es solle wissenschaftlich begleitet werden.

Bund gibt 40 Mio. Euro

„Das zentrale Problem ist dabei die Sicherheit der Daten der einzelnen Landwirte“, sagte Spiering. Diese Zahlen und Fakten dürften eben nicht „in die Hände großer Konzerne oder irgendwelcher Daten-Kraken im Internet fallen“. Ein Landwirt müsse – auch durch Nutzung der nationalen Daten-Plattform – frei entscheiden können, mit wem er am Ende des Tages ein Geschäft mache, so der Parlamentarier. Es gelte zudem, im Rahmen dieses Prozesses auch „den Schutz der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland zu organisieren“.

Diesmal nickte die Unternehmerfamilie (erfolgreicher Hersteller von Maschinen in der Kartoffel-, Rüben- und Gemüsetechnik) am Tisch zustimmend. Einig waren sich Politik und Grimme-Verantwortliche auch, dass vor allem das neue Düngegesetz und die neue Düngeverordnung (beschlossen von Bundestag und Bundesrat) den Digitalisieungsprozess in der Landwirtschaft noch einmal rasant vorantreiben werde. Gerade auch, weil ab Januar 2018 der Nachweis sogenannter Stoffstrombilanzen auf landwirtschaftlichen Höfen verpflichtend vorgeschrieben werde. Der Handlungsdruck auf die Bauern erhöhe sich also. Die Datenerfassung laufe dabei weitgehend digital ab.

Doch auch der Staat sei weiterhin gefordert, so Firmenchef Franz Grimme in aller Deutlichkeit. Es gehe um einen international konkurrenzfähigen Standort. In Sachen Digitalisierung müsse die Politik deshalb „auf Bundesebene mehr Gas geben“, gab er Wiese, Spiering (Bad Rothenfelde) und Groneberg (Cloppenburg) mit auf den Weg.

Zuvor bei Kotte und BBS

Zuvor hatten der angesprochene Staatssekretär – ein Sauerländer und ebenfalls SPD-Mitglied – sowie der Abgeordnete Spiering bereits das Landtechnik-Unternehmen Kotte in Rieste und die Beufsbildenden Schulen in Bersenbrück besucht. Auch dabei standen unter anderem Fragen der Digitalisierung und der entsprechenden Ausbildung von Fachkräften im Mittelpunkt. Wiese berichtete mit Bedauern, dass es in manchen deutschen Schulen noch keine W-Lan-Verbindungen gebe – und dass damit eine Grundvoraussetzung für den digitalen Wissenstransfer nicht vorhanden sei. Dabei solle es eigentlich um eine „gute Aus- und Weiterbildung der Jugendlichen“ gehen, um einem weiteren Fachkräftemangel entgegenzuwirken, so der SPD-Politiker.

Schulleiter Thomas Kohne wusste unterdessen gleich von einem doppelten Fachkräftemangel zu berichten. Es sei einersseits nicht leicht für die Berufsbildenden Schulen, Lehrer für technische Fächer zu finden. „Unsere Schüler werden hier von Ingenieuren unterrichtet“, verdeutlichte Kohne, „um diese konkurrieren die Schulen aber am Markt mit der Wirtschaft.“ So fehle es des Öfteren an Fachkräften, um die Schüler – also die zukünftigen Fachkräfte – entsprechend auszubilden. Noch ein Problem, das es zu lösen gelte.


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