BN-Adventsserie: Angekommen Marianne Rehling bringt dänische Bräuche nach Vörden

Von Ilona Uphaus


Sie leben in Bramsche, Neuenkirchen-Vörden, Rieste. Manche seit Jahrzehnten, andere erst seit ein paar Monaten. Sie sind geflohen oder haben Arbeit gesucht und manchmal auch die große Liebe gefunden. Die BN-Adventsserie „Angekommen“ beschreibt moderne Herbergssuchen. Heute: Marianne Rehling aus Dänemark.

Neuenkirchen-Vörden. Die Kravlenisser sind los! Doch die kleinen Kobolde mit den roten Zipfelmützen fallen zur Weihnachtszeit nur in einen Haushalt in Vörden ein, bei Familie Rehling, denn Mutter Marianne Rehling stammt aus Dänemark und hat viele Bräuche mitgebracht.

Wir treffen uns mit der 49-Jährigen im Büro der Bürgerstiftung. Die Lehrerin unterstützt die Bürgerstiftung ganz aktiv , vor allem bei den sozialen Projekten. Sie hat gerade in der Adventszeit einen gut gefüllten Terminkalender . Von der Arbeit der Bürgerstiftung ist sie restlos überzeugt, denn „die helfen allen, egal welchen Glauben sie haben.“ Sie sei gerne ehrenamtlich tätig, betont die Vördenerin, weil man auch viel zurückbekomme.

Zusätzlich gibt Marianne Rehling Flüchtlingen und Zugezogenen Sprachunterricht, vor allem Alphabetisierungskurse. Kein leichtes Unterfangen, erklärt sie, weil die Schüler so verschieden seien. Allein fünf Erwachsene habe sie dabei, die niemals eine Schule besucht haben. Und das Festlegen der Sitzordnung sei schon anstrengend, weil nicht jeder neben jedem sitzen darf und will. Aber das sei vor 50 Jahren hier mit Evangelischen und Katholischen doch kaum anders gewesen, meint Marianne Rehling schmunzelnd.

Sie selber ist damals nach Deutschland gekommen, nur um die Sprache zu lernen. Für zwei Jahre sollte das sein. Dass daraus inzwischen 20 geworden sind, ist einer Freundin, der Vördener Theatergruppe und „zwei schönen deutschen Augen“ zu verdanken.

1967 ist sie als Älteste von vier Kindern im Norden Dänemarks geboren. In der 10. Klasse ging es ins Internat, was von 90 Prozent der dänischen Schüler freiwillig gewählt werde, so Marianne Rehling. Bevor sie nach dem Abitur Kunst und Pädagogik studierte, war sie ein Jahr lang als Au-pair-Mädchen in der Schweiz. Um in Dänemark zusätzlich Deutsch unterrichten zu können, arbeitete sie zum weiteren Spracherwerb für zwei Jahre zuerst in Hamburg, später in Osnabrück als Filialleiterin im Dänischen Bettenlager.

Eine Kollegin kam aus Vörden und nahm sie mit zum Laientheater. Hier sah Marianne Rehling ihren zukünftigen Mann zum ersten Mal. „In zwei Sekunden“ sei alles entschieden gewesen, und sie sei „hier hängen geblieben“, lacht sie. Ihr Sohn und die beiden Töchter – inzwischen 13 bis 18 Jahre alt – lernten von klein auf auch die dänischen Bräuche kennen, von denen es zur Advents- und Weihnachtszeit einige gibt. So bekomme derjenige immer ein Extra-Geschenk, der im Milchreisnachtisch am Heiligabend die einzige ganze Mandel finde.

Kirchgang und Tanz um den Tannenbaum gehören auch dazu. Der geschmückte Baum stehe mitten im Zimmer, sodass sich alle an die Hände fassen und im Kreis herumgehen können, während die Päckchen unter dem Baum warten. Erst nach einer Polonaise durch das ganze Haus, dabei „Nu er det Juligen“ (Jetzt ist wieder Weihnachten) singend, gehe es ans Auspacken, berichtet die Vördenerin.

Ganz wichtig sind natürlich die Kravlenisser, die es in Dänemark neben dem Weihnachtsmann gebe. Marianne Rehling hat ein Sammelsurium an Pappfiguren mitgebracht. Zwei sind ihr besonders ans Herz gewachsen, weil sie von ihrer Mutter stammen und mehr als 65 Jahre alt sind. Die witzigen Figuren werden in der ganzen Stube verteilt und sitzen auf Bildern und Mobiliar. Wenn die Kinder morgens aufstehen, haben die Kobolde einen anderen Platz eingenommen, weil sie doch des nachts Party feiern.

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