Konzert im kleinen Bistro Luca überzeugt im Kulturbahnhof Neuenkirchen

Von Frank Wenzel


Neuenkirchen-Vörden. Die Osnabrücker Sängerin Luca hat zusammen mit Hendrik Hahler ein Konzert im Kulturbahnhof Neuenkirchen gegeben.

Dieses Mal war nicht der große Saal, sondern ein Mauerdurchbruch im deutlich kleineren Bistro die „Bühne“. Der Raum ist mit 36 Gästen so voll, dass einige Zuhörer die beiden Musiker nicht einmal richtig sehen können. Durch die schmalen, kaum sichtbaren Lautsprecher und die gedämpfte Beleuchtung entsteht so eine sehr private, fast schon intime Atmosphäre.

Kleine Säle

Luca und Hendrik Hahler mögen diese Nähe zum Publikum und den persönlichen Kontakt zu ihren Zuhörern und suchen sich ganz bewusst kleine Säle für ihre bundesweiten Auftritte aus. Die beiden treten seit der Maiwoche 2012 in Osnabrück gemeinsam auf. Dieses Mal haben sie auch ihre eigene Musikanlage und ein kleines Mischpult mitgebracht, mit dem Hahler den Sound direkt von der „Bühne“ aus mischt.

Verträumt wirkende Stimme

Mit dem Lied „Tiefseetaucher“ geht es los – und nach wenigen Augenblicken wird es ganz still im Saal. Luca gelingt es mühelos. das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Mit ihrer verträumt wirkenden Stimme und ihrer sehr präsenten, aber unaufdringlichen Art zu singen, nimmt Luca ihre Zuhörer mit in ihre Welt.

Das vierte Lied „Schwups“ bezeichnet Luca als Liebeslied, das sie mit dem Vorsatz einleitet, „es den Männern nicht mehr übel zu nehmen, dass sie uns Frauen nicht verstehen, am Ende lieben sie uns ja trotzdem“. Mit dem Song „Unterwegs“ macht sie deutlich, dass sie „zu jeder Zeit in einen Zug steigen und in eine andere Stadt ziehen kann“ und „wem das auch so geht, für den ist der Song“. Die Zuhörer quittieren das Lied dann auch sichtlich begeistert mit großem Beifall.

Große Bandbreite

Ihre Stimme hat eine erstaunliche Bandbreite und Ausdruckskraft, variiert mühelos in Lautstärke und Timbre. Der Klang hüllt den kleinen Raum vollständig ein und wird fein akzentuiert unterstützt von Hahlers Percussion. In ihren stärksten Momenten erinnert Lucas Stimme tatsächlich an die junge Dolores O´Riordan von den „Cranberries“. Luca schließt häufig ihre Augen und wirkt dadurch ganz ich sich selbst zurückgezogen, findet aber immer wieder den Kontakt zu ihrem Publikum, das sie an ihrer Gefühlswelt wie selbstverständlich teilhaben lässt.

Erklärungen zu den Liedern

Das neunte Lied „Monkeys“ erklärt sie mit Straßenschildern aus Indien, die sie auf einer gemeinsamen Reise mit ihrer Schwester immer wieder gesehen hat: „Beware of agressive monkeys“. Die Kinder dort haben ihnen dringend empfohlen, zur Abwehr gegen diese Affen Stöcke und Steine mitzunehmen. Dabei habe sie sich immer wieder gefragt, fügt sie lächelnd hinzu, ob dieses nicht auch in ihrer damaligen Heimat Berlin angebracht wäre. Beim zehnten Song „Wenn mein Elefant tanzt“ erklärt sie den Zuhörern, dass in ihr ein großer Elefant lebt, der manchmal sehr verletzend sein könne und empfiehlt denjenigen, den es ebenfalls so ginge, diesen doch einfach mal heraus und tanzen zu lassen.

Fans mit langer Anreise

In der Konzertpause nutzen viele Gäste die Gelegenheit sich mit Luca und Hendrik Hahler persönlich zu unterhalten und Autogramme und CDs zu bekommen. Auch die zwei Schwestern Deborah und Coleta aus Bad Gandersheim suchen das persönliche Gespräch mit Luca. Die beiden 16 und 19 Jahre alten Mädchen haben den weiten Weg auf sich genommen, nachdem sie Luca im Internet entdeckt haben, und übernachten in der Dammer Jugendherberge.

Drei Zugaben

Nach der Pause folgen noch sieben weitere Lieder, bei denen Hendrik Hahlers Kinderxylophon und eine kleine Elektroflöte für Gelächter und Extraapplaus vom Publikum sorgen. „Das letzte aller Lieder“, immerhin die dritte Zugabe, beendet schließlich das Konzert. Dem Publikum schient dieser Ausflug in Lucas poetische Welt sehr gefallen zu haben. Der Kulturbahnhof hat mit dieser eher seltenen Gelegenheit, eine deutschsprachige Singer-Songwriterin live erleben zu können, nicht nur Mut bewiesen, sondern auch einen eindrucksvollen Nachweis seiner kulturellen Vielfalt abgegeben.


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