BN-Heimatserie: Ein Rundgang Neuenkirchen: Kirchen, Kunst und schöne Aussicht

Von Ilona Uphaus


Neuenkirchen-Vörden. Wir gehen mit Ludger Bley auf Entdeckertour. Der Vorsitzende des Heimatvereins Neuenkirchen lenkt den Blick auf Altes und Neues.

Unsere Tour ist ein Spaziergang durch den Ortskern. Der Heimatverein hat nämlich gerade ein Projekt in Arbeit, um auch jüngere Leute an die Heimatgeschichte heranzuführen. Mittels GPS-Gerät wird ein Rundgang erarbeitet. Ein Teilstück davon laufen wir heute ab.

Treffpunkt ist der Gedenkstein am Kreisel bei der Volksbank, der anlässlich der 850-Jahr-Feier Neuenkirchens 2009 aufgestellt wurde. Wir biegen in die Große Straße und gehen zum ältesten Haus im Ortskern. Das Fachwerkgebäude der Bäckerei Kreke wurde im Jahr 1598 erstellt. Wir überqueren die Große Straße und stehen vor dem Ehrenmal der Gemeinde, einer mit Kreuzen bedeckten Weltkugel aus rotem Sandstein. Dahinter erhebt sich die katholische St.-Bonifatius-Kirche, die seit dem 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2005 vier Steinfiguren über dem Haupteingang beherbergt: Kardinal Clemens August von Galen, Mutter Teresa und die Heiligen Edith Stein und Franz von Assisi, weiß Ludger Bley. In der Nachbarschaft zeigt sich die Silhouette der evangelischen Apostelkirche. Der Heimatvereinsvorsitzende berichtet vom „Herrn Nurre“ aus Amerika, der beide Kirchen finanziell unterstützte. Nach ihm benannt ist der Nurrepfad, der zwischen beiden Pfarrheimen verläuft. An das alte Schulhaus erinnert eine Inschrift am evangelischen Pfarrheim.

Durch diesen Pfad gelangen wir auf die Friedensstraße zum Friedhof und halten uns rechts. Am Kreisverkehr betrachten wir ein ganz spezielles Denkmal genauer. Vier Figuren knien auf einer Weltkugel und halten eine Schale mit verschiedenen Symbolen in die Höhe. Das solle die Besonderheiten der Doppelgemeinde verkörpern, erzählt Ludger Bley, der jedes Detail der Skulptur kennt. Neun Jugendliche aus der Gemeinde setzten dieses Projekt unter Anleitung eines Künstlers um. Zwei Puzzleteile greifen ineinander – Symbol für die Doppelgemeinde Neuenkirchen-Vörden. Am Neubau eines Mehrfamilienhauses hinter der Skulptur prangt ein blaues Schild „Polizei“. Die Neuenkirchener Wache ist hier vor einiger Zeit eingezogen.

Wir erreichen an der evangelischen Kirche vorbei das Rathaus mit dem dahinter liegenden Jugendhaus und gehen rechts am Rathaus über eine Holzbrücke, die über den Krebsbach führt. Das munter plätschernde Gewässer wurde im Rahmen der Dorferneuerung wieder freigelegt und leistet bei den momentanen Regenmassen wertvolle Entwässerungshilfe.

Wir erreichen die Gaststätte Seep. Ein paar Stufen führen ans Wasser und zur Schlienkamp-Gedenktafel, die sich auf eine Sage über den gleichnamigen Kaufmann bezieht. Wir gehen an der Gaststätte Seep vorbei. Hinter der Tankstelle Timmer liegt der Hof Huesmann/Kuhlmann, jetzt Hugenberg . Er ist einer von vier verbliebenen alten Fachwerkhöfen im Ortskern mit dem „schönsten Fachwerkgiebel im Ort“, findet Ludger Bley. Die Balkeninschrift weist auf 1534 als Ursprungsbaujahr hin. Auf dem Hof ist viel Leben durch mehrere Mietwohnungen.

Ein kurzer Abstecher führt jetzt links in die Hakenstraße. Hinter einem Verbrauchermarkt liegt der Obsthof Prüllage und ein wenig abseits die Selings Mühle, eine um 1771 erbaute Galerie-Holländermühle, die von sieben tatkräftigen „Mühlenbrüdern“ restauriert wurde und nun „ein Schmuckstück“ für den Ort ist , lobt der Heimatvereinsvorsitzende. Wir kehren zurück zur Hauptstraße, halten uns links, biegen rechts in die Johanniterstraße und passieren einen Baumlehrpfad. Das zweite Gebäude auf der rechten Seite ist ein weiterer schöner Fachwerkhof – der Hof Purtik, dessen Reetdach hinter Bäumen und Büschen zu erkennen ist. Anno 1815 steht über der Dielentür. Wir biegen dahinter rechts in die Straße Zur Müße ein. Neue Mehrfamilienhäuser sind zu sehen und ein alter verfallener Hof. Rechts liegen neue Häuser mit Wohngruppen der Heimstatt Clemens-August, dahinter die Tagesbildungsstätte selbst.

Auf der Bahnhofstraße angekommen, biegen wir nach links und begeben uns zum Bahnhof. 1900 fuhr hier der erste Zug ein, weiß Ludger Bley. Auch heute sind die stündlichen Zugverbindungen der Nordwestbahn sehr wichtig für den Ort. Das Gebäude wird nach der Sanierung und dem Anbau der Veranstaltungshalle seit 2006 als Kulturbahnhof genutzt. Zurück zum Ortskern schließt sich der Rundgang mit dem Erreichen des Gedenksteins.

Der Schwanenteich mit Wassertretbecken, die Mühle Zöller in Nellinghof – der Heimatvereinsvorsitzende kennt noch viele Sehenswürdigkeiten in den Bauerschaften. Und einen Lieblingsplatz hat Ludger Bley. Doch um den zu erreichen, setzen wir uns ins Auto und fahren Richtung Wahlde hoch. In Severinghausen finden wir auf dem höchsten Punkt – dem Dressberg – eine Aussichtsplattform. Wir haben Glück: Bei klarer Sicht können wir weit ins Land schauen, auf den Niedersachsenpark und auf den Ortsteil Vörden.


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