Offene Islamische Gemeinde Zu Besuch in der Moschee Neuenkirchen-Vörden


Neuenkirchen-Vörden. Der Andrang war sehr groß bei diesem Angebot der Landfrauen Neuenkirchen: In der Moschee an der Holdorfer Straße begrüßte Metin Yurdakul, der Vorsitzende des Islamischen Kulturvereins, 63 Frauen, die gespannt vor der Tür warteten.

Mit so großem Interesse hatte Petra Droste-Rehling vom Vorstand der Neuenkirchener Landfrauen nicht gerechnet. Ein Dutzend Nichtmitglieder und Landfrauen aus Vörden, Holdorf und Damme hatten sich angemeldet, um einen Blick in den alten Fachwerkkotten der Familie Bockhorst gegenüber dem Feuerwehrhaus zu werfen.

Die Schuhe ausziehen und in die Regalfächer im Flur abstellen, dieser Bitte kamen alle ohne zu zögern nach. Doch auch ohne die Haare zu bedecken, durften die Frauen in den Gebetsraum eintreten. Fotografieren? Ausdrücklich überall erlaubt! „Wir sind eine offene Gemeinde“, lächelt Metin Yurdakul. Von außen unscheinbar, verbirgt sich hinter den Mauern ein liebevoll ausgestalteter imposanter Gebetsraum, mit einem blauen Teppich ausgelegt, dessen Ornamente und Gebetsplätze nach Mekka ausgerichtet bilden. Davor die Mihrab – die Gebetsnische des Vorbeters, links davon das Kursi, ein Lesepult und ein Minbar, die Kanzel. Der Vorsitzende bittet die Gäste, auf dem Boden oder auf ein paar herbeigeschafften Stühlen Platz zu nehmen. Er stellt seine Gemeinschaft vor.

Hilfer vom Pfarrer

Die Neuenkirchener Gemeinde gehört zu Milli Görüs, der Islamischen Gemeinschaft mit Sitz in Köln mit einer Million Mitglieder und 5000 Moscheen in Deutschland, berichtet Metin Yurdakul. Der Familienvater ist als 12-Jähriger aus der Türkei nach Deutschland gekommen und lebt sehr lange schon in Neuenkirchen. Er erzählt, wie schwer es gewesen sei, einen Gebetsraum zu finden, denn „viele waren misstrauisch“. Pastor Middendorf hat uns viel geholfen“, sagt er. Der ehemalige Neuenkirchener Pfarrer habe sie zur Sonntagsmesse eingeladen und sich für sie eingesetzt. Ab 1998 fand das Freitagsgebet in einem Raum nahe des Marienstifts statt. Im Jahr 2000 konnte der Islamische Kulturverein das Heuerhaus übernehmen. Die Gemeindemitglieder haben viel Arbeit und Geld investiert, um ihre Moschee einzurichten, die neben einer Küche auch einen Raum für die Frauen hat. Warum Frauen und Männer getrennt voneinander beten ist dann auch eine von vielen Fragen, die der Vorsitzende beantworten muss. Erste Regel des Islam sei die Sauberkeit. Dazu gehören nicht nur rituelle Waschungen vor dem Gebet, sondern auch „die Gedanken müssen sauber sein“, erklärt er, „sonst denken sie vielleicht an anderes“, schmunzelt der Vorsitzende und bringt die Versammlung zum Lachen.

Fröhliche Grundstimmung

Überhaupt scheint hier eine fröhliche Grundstimmung zu herrschen. Auch als drei Musliminnen aus Osnabrück eintreffen, mit langen Gewändern und bedeckten Haaren. Emine erklärt den Frauen weitere Grundzüge des Islam, zusammen mit ihrer Schwester und einer 19-jährigen Studentin der Islamischen Theologie. Die Frauen unterrichten ehrenamtlich die Kinder der Gemeinde – Jungen wie Mädchen.

In Neuenkirchen mit rund 60 muslimischen Familien besuchen zwischen 20 und 30 Kinder samstags und sonntags die Koranschule, wo sie auch arabisch lernen, die Sprache des Koran. Das Wort Islam bedeute „Frieden machen – sich für den Friieden einsetzen – für den Frieden da sein“ heißt es. Der Islam sei dazu da, alle zufrieden zu machen. Ein Moslem halte Gottes Gebote, „damit auf Erden Frieden gemacht wird“, betont Emine. Metin Yurdakul betont einen weiteren wichtigen Aspekt des Islam: die Wohltätigkeit. Armen Menschen zu helfen geht über die eigenen Gemeindemitglieder hinaus. Die Moslems aus Neuenkirchen unterstützten bereits Projekte in Somalia, Georgien und anderen Ländern. Metin Yurdakul ist vielfach auch dort gewesen, um mit den gesammelten Spenden Gutes zu tun. Unterstützt werden nicht nur Muslime, stellt er klar, sondern „auch Christen und Ungläubige“. Die Gemeinde finanziere sich aus den Mitgliedsbeiträgen, deren Höhe jeder selbst bestimmt. Wenn Geld fehle, werde beim Freitagsgebet gesammelt. Ein Imam – der islamische Gelehrte - reise immer nur für drei Monate aus der Türkei an, erzählt der Vorsitzende. Ohne Imam bete ein Gemeindemitglied vor.

Einladung zum Kermes

Im gemütlich eingerichteten Raum der Frauen findet bei Tee, Kaffee und selbst zubereitetem türkischen Gebäck die Abschlussrunde statt. Ein spannender Nachmittag und die eine oder andere Besucherin wird sicherlich wiederkommen, spätestens beim „Kermes“, dem zweitägigen Sommerfest, zu dem Metin Yurdakul sie natürlich alle herzlich eingeladen hat.


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