Integration von Zuwanderern Willkommenskultur für Neuenkirchen-Vörden entwickeln

Von Marcus Alwes

Sozialamtsleiter Martin Wiewerich (l.) und die Aussiedlerbeauftragte Katharina Schulz präsentieren die mehrsprachigen Info-Hefte für ausländische Neubürger.Foto: Marcus AlwesSozialamtsleiter Martin Wiewerich (l.) und die Aussiedlerbeauftragte Katharina Schulz präsentieren die mehrsprachigen Info-Hefte für ausländische Neubürger.Foto: Marcus Alwes

Neuenkirchen-Vörden. Martin Wiewerich hatte in den vergangenen Tagen viel zu tun. Viel zu tun in Sachen Zuwanderung. Zunächst galt es, die Aufnahme von vier syrischen Flüchtlingsfamilien in Neuenkirchen-Vörden zu bewerkstelligen. Dann stand eine Reise zu Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Cornelia Rundt nach Hannover auf dem Programm. Mehrere aktive Integrationshelfer aus Wiewerichs Gemeinde wurden dort ausgezeichnet.

„Wir entwickeln seit Anfang 2014 ganz gezielt eine Willkommenskultur in Neuenkirchen-Vörden“, berichtet der Leiter des Gemeindeamtes für Familie, Soziales, Integration und Teilhabe. „Wir wollen unseren Neuankömmlingen das Gefühl geben: Wir helfen. Wir bieten Begleitung an.“

„Wir bieten Begleitung“

Erste Anlaufstelle in Neuenkirchen-Vörden für Zuzügler sei das Einwohnermeldeamt, verdeutlicht Wiewerich. „Die Zuwanderer können mit unserer Beauftragten, Frau Schulz, ein Erstgespräch führen.“ Hilfestellungen gibt es durch die Gemeindemitarbeiterin und deren Kollegen für viele Lebensbereiche. Der Verwaltungsfachmann Wiewerich nennt „Wohnen, Bildung, Schule, Kitas, Sprachförderung. Aber auch Vermittlung an Schulen oder erste Kontakte zu Vereinen oder Sportvereinen.“ Unabhängig von der Nationalitä der Neubürger. Niemand werde abgewiesen. Deutsche werden hier betreut, Ausländer gleichermaßen. „Wir wollen ein Netzwerk schaffen, durch das niemand durchfällt.“ Unabhängig vom jeweiligen Pass in der Tasche.

Die Zuzügler kommen unterdessen aus ganz unterschiedlichen Gründen in die aufstrebende und kontinuierlich wachsende Gemeinde. Der Niedersachsenpark mit seinen Betrieben und deren Arbeitsplatzangeboten nimmt dabei eine entscheidende Rolle ein. Es kommen Menschen aus der Region, aber auch aus dem gesamten Bundesgebiet oder aus anderen Ländern. Zudem werden der Gemeinde von übergeordneten Behörden politische Flüchtlinge zur Aufnahme zugewiesen. Nach einem festen Quotenschlüssel. So wie anderen Kommunen auch. Syrische Bürgerkriegsflüchtlinge beispielsweise.

„Deren Schicksale haben uns berührt“, sagt Wiewerich mit Blick auf die vier Familien, die unlängst ihre Heimat im Nahen Osten aufgeben mussten, um überhaupt zu überleben. Sie sind entwurzelt. Und tauschen möchte mit ihnen wohl niemand. Auch der engagierte Sozialamtsleiter nicht. „Wir wollen diesen Menschen aus Syrien durch unsere Gesprächsangebote vielmehr das Signal geben, dass sie hier erst einmal zur Ruhe kommen können. Vor allem auch den Kindern.“

„Sprache als Schlüssel“

Bei den Neubürgern mit ausländischem Pass will Wiewerich vor allem eine Hürde möglichst rasch aus dem Weg räumen – Probleme bei der Kommunikation. „Die Sprache ist ein zentraler Schlüssel zur Integration“, berichtet der Verwaltungsvertreter aus seinem inzwischen reichhaltigen Erfahrungsschatz. Zusammen mit seinem Helferteam im Rathaus (bestehend aus hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräften) vermittelt er die Zuwanderer folglich in Sprachkurse, damit diese Deutsch lernen. Eine Maßnahme, die am Ende allen Beteiligten nützt.

Doch damit allein sei ein Integrationsprozess natürlich noch lange nicht abgeschlossen. Die Aufgabenstellung rund um örtliche Hilfen und Beratung sei deutlich umfangreicher, sagt Wiewerich. Beispielsweise bei der Bereitstellung von Wohnungen und Häusern. „Da können wir weitere Angebote von Vermietern noch gut gebrauchen.“

Generell gelte aber: „Wenn man Zuwanderung und Zuzüge von Anfang an strukturiert angeht, also Schritt für Schritt, dann reduziert sich die Zahl denkbarer Probleme erheblich“, so Wiewerich. Und könne für die Gemeinde final einen Gewinn bringen, wie die Aussiedlerbeauftragte Katharina Schulz betont. „Wir brauchen Vielfalt. Kulturelle Vielfalt“, sagt sie: „Eine gleichberechtigte Teilhabe“ von Einheimischen und Zuwanderern, „ist das Ziel“.

Wiewerich und Schulz wollen die Entwicklung einer offiziellen Willkommenskultur – mit ihren Details und Einzelmaßnahmen – nun in Neuenkirchen-Vörden auch in die Gremien der Kommunalpolitik tragen. Zunächst Anfang Oktober in die nächste Sozialausschusssitzung. Später in den gesamten Gemeinderat. „Auch die Fraktionen dort müssen sich nun Gedanken machen“, betont Wiewerich. Denn Wanderungsbewegungen aller Art und ein Wachsen der Gemeinde würden Politik und Verwaltung auch in den kommenden Jahren begleiten.


Auf mehr als 8100 Einwohner angewachsen

Die Gemeinde Neuenkirchen-Vörden ist inzwischen auf mehr als 8100 Einwohner angewachsen. 91 Prozent von ihnen verfügen über einen deutschen Pass, neun Prozent (also rund 720 Menschen) sind ausländische Mitbürger. In der letztgenannten Gruppe sind Bürger aus mehr als 40 Nationen zu finden. Die Vielfalt ist also groß.

Unter den Zuwanderern befinden sich klassische Flüchtlinge (z.B. aus dem Krisengebiet Syrien), aber auch ausländische Arbeitskräfte (vor allem aus Südosteuropa). Sie gehen überwiegend in Betrieben des Niedersachsenparks einer Beschäftigung nach.

Nur noch minimal ist dagegen der Zuzug von Menschen aus der Gruppe der Spätaussiedler.

Hilfe auch durch Lotsen und Paten:

Katharina Schulz ist seit 1996 Aussiedlerbeauftragte in der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden. Inzwischen kümmert sie sich aber nicht nur um die Zuwanderer mit urdeutschen Wurzeln, sondern auch um Flüchtlinge oder ausländische Arbeitskräfte, die aus anderen Nationen in die südlichste Gemeinde des Landkreises Vechta kommen. Frau Schulz hilft, damit diese Menschen hier möglichst rasch Fuß fassen können.

Sie erfährt dabei ebenso wie Sozialamtsleiter Wiewerich Unterstützung durch ehrenamtliche, geschulte Inte-grationslotsen und -paten, die ebenfalls den Zuwanderern bei der Eingewöhnung unter die Arme greifen.