Vom Touristen zum Nachbarn Auf Alfsee-Urlaub folgt Umzug nach Neuenkirchen-Vörden

Von Ilona Uphaus

Gemütliche Zweitwohnung: Brigitte und Paul Hagenberg lieben auch nach 30 Jahren den Campingplatz am Alfsee. Foto: Ilona UphausGemütliche Zweitwohnung: Brigitte und Paul Hagenberg lieben auch nach 30 Jahren den Campingplatz am Alfsee. Foto: Ilona Uphaus

Neuenkirchen-Vörden/Rieste. Sie kennen sich in Bramsche, Rieste und Neuenkirchen-Vörden bestens aus: Paul und Brigitte Hagenberg machten vor 30 Jahren zum ersten Mal Urlaub am Alfsee. Seit Weihnachten 2013 haben sie ihren Hauptwohnsitz nach Neuenkirchen verlegt. Wir besuchen das Ehepaar aus Greven bei Münster auf dem Campingplatz in Rieste.

Mitten zwischen den Domizilen der Dauercamper entdecken wir ein großes graues Vorzelt, dem eine blaue Gartenbank und mehrere Pflanzenkübel – Margeriten und kleine Koniferen – einen heiteren Anstrich verleihen. Heiter ist auch der Empfang durch Paul und Brigitte Hagenberg. Glasierter Apfelkuchen vom hiesigen Bäcker und der Duft von Kaffee. So richtig gemütlich ist es hier im Zelt. Der Wohnwagen dahinter – ein älteres Modell. Seit zehn Jahren stehe der auf diesem Platz, erzählt Paul Hagenberg. Der 66-Jährige hat 51 Jahre lang als Landmaschinenmechaniker gearbeitet und im Rahmen seiner Tätigkeit vor langer Zeit bereits die Firma Grimme kennengelernt. Anfang Dezember 2013 ging seine Frau als Sekretärin in den Vorruhestand. Die 62-Jährige sagt, es sei zuerst nur „Jux“ gewesen, aber dann habe sich der Wunsch verfestigt, in diese Gegend zu ziehen.

Und wer so vielfältige Interessen wie die Hagenbergs hat, der findet auch auf dem Lande eine Unmenge an Freizeitmöglichkeiten. Den großen Marsch um den Alfsee bewältigen sie in 85 Minuten. Außerdem liebt das Ehepaar ausgedehnte Radtouren, gerne auch nach Bramsche, denn „da kann man so schön einkaufen“. Die BN-Leser fahren im Sommer mindestens einmal in der Woche dorthin. Sie reisen auch mal mit dem Heimatverein Neuenkirchen nach Visbek oder mit dem Kreisheimatbund nach Holland. Sie besuchen das Tuchmacher-Museum und Kalkriese . Sie verpassen selten eine Aufführung von Kuddelmuddel oder von den Neuenkirchener „Plattenspeelers“. Auch beim Sternstunden-Kino im Kulturbahnhof sind sie Stammgast und – seit Kurzem – auch beim Seniorentanz. „Alt werdet ihr von selber“, habe Organisator Klemens Kohls auf ihr anfängliches Zögern augenzwinkernd gesagt, erklärt Brigitte Hagenberg schmunzelnd. Jetzt sind sie begeistert dabei, zusammen mit Freunden aus Neuenkirchen, den Eltern der Freundin ihres Neffen. Die jungen Leute haben sich übrigens am Alfsee kennen und lieben gelernt.

Kontakte gibt es reichlich. Neue Freunde lernten sie beim Kaffee im Ackerbürgerhaus kennen, bei einem Nähkurs oder beim Turnen mit dem TuS Neuenkirchen. Die Inklusion in Neuenkirchen findet Brigitte Hagenberg übrigens „eine Wucht“. Zwei Mädchen aus der Heimstatt holen sie regelmäßig wöchentlich von zu Hause ab, um gemeinsam mit ihr zur Sporthalle zu gehen.

„Hallo, seid ihr auch hier“, das hören die Hagenbergs gerne und inzwischen sehr häufig, wenn sie im Ort unterwegs sind.

Im Zelt leuchtet ein großer Strauß mit Blumen. Den haben ihre beiden in Köln und Frankfurt wohnenden Kinder mitgebracht, die am Wochenende zu Besuch waren. Mit Sohn und Tochter haben sie hier vor 30 Jahren zum ersten Mal am Alfsee gezeltet. Baden und Wasserski waren angesagt. Am Badesee habe man damals noch grillen dürfen, erfahren wir.

Viel Zeit verbringen die beiden noch immer gerne auf dem Campingplatz. Aber „manchmal vermisse ich Münster auch“, sagt Brigitte Hagenberg.