Intelligent und originell Der wahre Jakob im Kulturbahnhof Neuenkirchen

Auftritt im Kulturbahnhof: Matthias Lahrmann, Jakob Volz und Michael Hemmersbach (v.l.) sind drei Viertel des Osnabrücker Pop-Quartetts „Der wahre Jakob“. Foto: Sascha KnapekAuftritt im Kulturbahnhof: Matthias Lahrmann, Jakob Volz und Michael Hemmersbach (v.l.) sind drei Viertel des Osnabrücker Pop-Quartetts „Der wahre Jakob“. Foto: Sascha Knapek

Neuenkirchen-Vörden. „Männer brauchen Projekte“ – so heißt einer der Songs, die das Osnabrücker Quartett „Der wahre Jakob“ in den Neuenkirchener Kulturbahnhof mitgebracht hat. Er steht stellvertretend für die frische Popmusik, die das vierköpfige Herrenprojekt auszeichnet. Ideenreiche Texte und eine originelle Instrumentenwahl tragen ihr Übriges zu einem entspannten Freitagabend bei.

Sänger und Namensgeber Jakob Volz ist dabei die meiste Zeit – ganz in Singer-Songwriter-Manier – an der Akustikgitarre und am Mikro zu finden. So weit, so genretypisch. Denn richtig interessant wird es, als der Frontmann seine Klampfe aus der Hand legt und ans Klavier wechselt. Begleitet von Schlagzeuger Michael Hemmersbach, Bassist Hannes Neumann und Matthias Lahrmann am Saxofon, hat das etwas von einem originellen Alleinstellungsmerkmal, das die Band gerne öfter aus dem Köcher ziehen könnte.

Allgemein sind es die eher ungewöhnlichen Instrumentalsituationen, die das Quartett zu Höchstform auflaufen lassen. Als Multitalent Lahrmann sich zum Beispiel ans Klavier setzt, folgen im Handumdrehen tanzwütiger Funk und das bereits erwähnte „Männer brauchen Projekte“.

Aber auch „Wenn Deutschland verliert“ ist einer dieser tollen Momente, die weniger den Singer-Songwriter-Duktus, sondern vielmehr den Geist von intelligenter Popmusik in den Mittelpunkt rücken. Lahrmann rotiert dafür zurück ans Saxofon, und Hannes Neumann schnallt sich anstatt seines Viersaiters eine Mandoline um den Hals. Nullachtfünfzehn-Pop hört sich definitiv anders an.

Textlich geht es bei den Songs von „Der wahre Jakob“ nicht immer um verkopfte Themen. Das stellt die Band auch im „KuBa“ unter Beweis. Die bissig-melancholische Ballade „mit Stadionatmosphäre“, wie Volz es nennt, namens „Laber mich ruhig zu“ passt deshalb prima neben erfreulicherweise sinnfreie Alltagsgeschichten wie zum Beispiel „Bubble Tea“. In erster Linie konzentrieren sich die vier Osnabrücker an diesem Abend auf ihr aktuelles Studioalbum „Neues aus Kleinodien“. Eine ältere Nummer ist es dann jedoch, die nach dem Ska-Ausflug „Ein heißer Typ“ den instrumentalen Kreis schließt. Für „Gestörtes Verhältnis“ wechselt Matthias Lahrmann ans Akkordeon – seine vierte Station des Konzerts. Eine weitere Klangfacette, die der Band gut zu Gesicht steht. Akustikgitarre und Singer-Songwriter-Modus sind schön und gut, aber die instrumentelle Vielfalt und die offenen Klangscheuklappen sind es, die die vier Mitglieder von „Der wahre Jakob“ zu einem unterhaltsamen Kollektiv werden lassen.


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