Insektenschutz ohne Hand und Fuß? Wissenswertes über Wildbienen bei Vortrag in Neuenkirchen-Vörden

Von Hans Schmutte

Rolf Witt hielt in Neuenkirchen-Vörden einen Vortrag über Wildbienen. Foto: Hans SchmutteRolf Witt hielt in Neuenkirchen-Vörden einen Vortrag über Wildbienen. Foto: Hans Schmutte

Neuenkirchen-Vörden. Ihr Image hat sich in den letzten Jahren radikal gewandelt, von Plagegeistern hin zu gern gesehenen Gästen in jedem Garten. Die Rede ist von den rund 590 Wildbienenarten, von denen etwa 360 in Niedersachsen zu Hause sind. Zwei Drittel von ihnen seien allerdings in ihrer Existenz bedroht, berichtete der Buchautor und Diplom-Biologe Rolf Witt in Neuenkirchen-Vörden.

Der ausgewiesene Wildbienenexperte zog zahlreiche Zuhörer bei einem Vortrag im Kulturbahnhof in seinen Bann. Illustriert mit tollen Naturaufnahmen berichtete er über die unterschiedlichen Arten der Wildbienen, ihre Lebensweisen und Anforderungen an die Umwelt. Zu ihnen gehören auch über 40 Hummelarten. 

Tankstelle für Flugbenzin

Alle seien sie perfekte Bestäuber, oft bessere als Honigbienen, wobei ihre Ansprüche unterschiedlich seien, verdeutlichte Rolf Witt. Einige seien auf bestimmte Blumengattungen spezialisiert und damit von deren Existenz abhängig, andere weniger wählerisch. Neben dem Sammeln der Blütenpollen würden die Wildbienen die Blüten auch als „Tankstelle für ihr Flugbenzin“ – gemeint ist der Blütennektar – benutzen, so Witt.

Doch es stünde schlecht um die gemütlich durch Gärten und Wiesen brummenden Tiere. Zwei Drittel der Arten seien in ihrem Bestand erheblich gefährdet. Nur sieben der über 40 Hummelarten kämen immer noch häufiger vor. Erdhummeln in unserem Garten würden daher nichts darüber aussagen, wie es um den Wildbienenbestand insgesamt steht. Diese Art sei anspruchslos und überall zu finden.

Seit den 1950er Jahren gehe der Bestand immer stärker zurück. Die Gründe seien der Rückgang der Lebensräume sowie der massenweise Einsatz von Pestiziden. Der Klimawandel belaste die Wildbienenarten laut Witt nur sehr begrenzt. Er fördere sogar die Ansiedlung neuer Arten, wie der großen Holzbiene.

Insektenhotels richtig anlegen

Über die Hälfte der Wildbienen würden ihre Nester in Sandböden graben. Häufig sehe man in den Fugen gepflasterter Flächen kleine Sandhäufchen, bei denen man zunächst an Ameisen oder Regenwürmer denke. Oft seien es aber Wildbienen, die hier ihre Eier abgelegt haben. Die Kuckucksbienen legen ihre Eier, wie ihr Name schon vermuten lässt, in die Nester anderen Bienen.

Von großer Bedeutung für den Erhalt möglichst vieler Wildbienenarten sei die Verzahnung von Nistgelegenheiten und Nahrungsangeboten. Gut gemeinte Insektenhotels seien nach den Erfahrungen des Biologen häufig völlig falsch aufgebaut: Tannenzapfen oder Ziegelsteine mit Löchern seien für Wildbienen nutzlos, Büschel aus Pflanzenstängeln, Flächen aus Lehm-/Sandgemisch oder Harthölzer mit kleinen Bohrungen quer zur Maserung wiederum sinnvoll. Die Bezeichnung „Insektenhotel“ hält Rolf Witt für unpassend, da sie einen nur vorübergehenden Aufenthalt suggeriere. „Insektenwohnung“ sei treffender.

Nabu-Ortsgruppe neu gegründet

An die Gartenbesitzer appellierte Witt, bienenfreundliche Bäume, Sträucher, Stauden und Blumen zu pflanzen, die den Insekten vom Frühjahr bis in den Herbst Nahrung bieten, ihre Gärten weniger aufzuräumen und mit Totholz, sandigen Flächen oder Hummelnistkästen zu gestalten. 

Rolf Witt war auf Einladung des neu gegründeten Nabu-Ortsverbands Neuenkirchen-Vörden und des Heimat- und Verschönerungsvereins Neuenkirchen gekommen. Der Heimatverein, so dessen Vorsitzender Ludger Bley, habe sich finanziell engagiert, weil er ein starkes Interesse an einer intakten Umwelt habe.


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