156 Drahtesel aufbereitet Wie die Fahrradwerkstatt Neuenkirchen-Vörden zu einer Erfolgsgeschichte wurde

Von Ilona Ebenthal

Im Keller der Alten Molkerei werkeln Klaus-Dieter Gebauer (links) und seine Mitstreiter. Foto: Ilona EbenthalIm Keller der Alten Molkerei werkeln Klaus-Dieter Gebauer (links) und seine Mitstreiter. Foto: Ilona Ebenthal

Neuenkirchen-Vörden. Als 2015 eine große Zahl geflüchteter Familien nach Neuenkirchen-Vörden kam, wurde die Fahrradwerkstatt eingerichtet. 156 Fahrräder haben bis heute den Besitzer gewechselt.

Wer in der „Alten Molkerei“ dienstags zwischen 17 und 19 Uhr den großen hellen Keller besucht, trifft auf fünf Männer, die an drei Arbeitsplätzen Fahrräder warten und reparieren. Unter Federführung von Klaus-Dieter Gebauer setzen Hubert Fehrmann, Georg Landwehr, Johann Schreiner und Dennis Schulz gespendete alte Fahrräder in Stand, die von bedürftigen Familien abgeholt werden dürfen. 

Obolus je nach Zustand

Während die Räder für Kleinkinder kostenlos abgegeben werden, habe es sich bewährt, für die größeren Räder je nach Zustand einen Obolus zwischen 10 und 50 Euro zu verlangen, erklärt Klaus-Dieter Gebauer. Vom Erlös würden wieder Ersatzteile gekauft, sodass die Fahrradwerkstatt sich selbst trage.

Vor rund vier Jahren startete das Projekt in einer kleinen Garage neben dem Rathaus. Hier konnte nur ein Reparaturständer aufgebaut werden, alles war sehr beengt. Seit dem Umzug der Werkstatt im September 2017 hat sich das komplett geändert. Im Keller der Alten Molkerei stehen rund 50 defekte Räder, die auf Reparatur warten. Daneben eine weiße Seifenkiste. Die wurde von Dennis Schulz gebaut und verhalf einem Mädchen aus einer Zuwandererfamilie 2017 zum ersten Platz beim Vördener Seifenkistenrennen, berichtet Dieter Gebauer.

Nicht nur Schrott

Bis heute haben sie 156 Fahrräder abgegeben und Nachschub an gespendeten Fahrrädern bleibt auch nicht aus. Nicht nur uralte Drahtesel werden hier abgegeben, sondern auch Zweiräder in gutem Zustand, wenn die Spender selbst auf E-Bikes umgestiegen sind. Dankbar sind die Männer dem ortsansässigen Fahrradhändler, der ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn sie einmal nicht weiterwissen. Helfer mit Sachverstand sind außerdem jederzeit willkommen.


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