„Sprache ist der erste Schritt“ Warum eine albanische Ärztin jetzt in Neuenkirchen-Vörden arbeitet

Von Ilona Ebenthal

Wieder zusammen: Morena und Anti Kola mit Sohn Rean. Foto: Ilona EbenthalWieder zusammen: Morena und Anti Kola mit Sohn Rean. Foto: Ilona Ebenthal

Neuenkirchen-Vörden . Weil sie als Ärztin in Deutschland bessere Chancen hat, machte Morena Kola den großen Schritt in ein anderes Land und musste Ehemann Anti und Sohn Rean zunächst zurücklassen.

Den Fachräftemangel in Deutschland auszugleichen, dabei helfen Morena und Anti Kola. Die Allgemeinmedizinerin und der IT-Ingenieur hatten gute Jobs und ein Haus in Albaniens Hauptstadt Tirana. Eigentlich habe nie zur Debatte gestanden, einmal ins Ausland zu gehen, erzählt die junge Mutter. Doch weil viele Bekannte nach Deutschland gingen und um sich beruflich weiterzuentwickeln, wurde eines Tages „relativ spontan“ der Entschluss gefasst, es auch zu versuchen.  

In acht Monaten absolvierten beide „sehr intensiv“ Sprachkurse, die täglich zwischen drei und fünf Stunden beanspruchten. Die junge Frau hospitierte dann drei Monate in einer Klinik in Deutschland und legte hier neben der geforderten B2-Prüfung auch eine sprachliche Fachprüfung für die medizinischen Begriffe ab.

Mehrere Vorstellungsgespräche in deutschen Kliniken erfolgten. Morena Kola entschied sich für die Clemens-August-Klinik in Neuenkirchen, wo sie von den Kollegen „sehr gut aufgenommen worden“ sei und bei der sie nun zweieinhalb Jahre arbeitet. Ein halbes Jahr musste sie ihren Ehemann und den kleinen Sohn Rean damals zurücklassen, was ihr nicht leichtgefallen sei. Und auch Rean „war nicht ganz zufrieden“, berichtet Anti Kola. Seit zwei Jahren sind die beiden 30-Jährigen und ihr vierjähriger Sohn wieder vereint. Anti Kola trat zuerst bei einem Elektronikmarkt „mit wenig familienfreundlichen Arbeitszeiten“ eine Stelle an. Als IT-Fachmann arbeitet er nun sechs Stunden am Tag bei der Suchtfachklinik St. Marienstift in Neuenkirchen. „Perfekt“ meint er, denn nun kann er sich mehr um Rean kümmern, der inzwischen auch im Kindergarten „aufgetaut“ sei. Momentan ist für seine Frau wieder sehr viel Lernen angesagt, denn sie möchte in diesem Jahr die Weiterbildung in Psychiatrie und Psychotherapie abschließen.

Die Familie versucht, einmal im Jahr die Verwandten in Albanien zu besuchen. Doch der letzte Sommerurlaub ging nach Mallorca – als „Neu-Deutsche“ quasi Pflicht, wie Anti Kola schmunzelnd erzählt. Während die Ärztin inzwischen eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis hat, gilt für Ehemann und Sohn zunächst eine auf zwei Jahre befristete. Das finden die Kolas aber „ganz normal“. „Wir wussten, dass es so läuft“, meint Anti Kola, der sich zusammen mit seiner Frau vor der Übersiedlung gut informiert hat.

„Die Sprache ist der erste Schritt, ohne Sprache kann man nichts machen“, betont der junge Mann. Integrationslotse Norbert Kinzel habe ihm in der ersten Zeit in Neuenkirchen beim Vertiefen der deutschen Sprache sehr geholfen. Beide Kolas sprechen übrigens neben Deutsch und Englisch auch Italienisch und sogar ein bisschen Spanisch.Die meisten albanischen Kinder lernen das über die fremdsprachigen Fernsehsender, die in Albanien viel eingeschaltet werden, erklärt Anti Kola. Doch in „Malle“ kamen sie mit Deutsch am besten klar.


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