„Das Leben ist leichter geworden“ Wie eine syrische Familie in Neuenkirchen-Vörden heimisch geworden ist

Von Ilona Ebenthal

Verstehen sich: Patin Maria Purtik und Nalin Ali mit Elias. Foto: Ilona EbenthalVerstehen sich: Patin Maria Purtik und Nalin Ali mit Elias. Foto: Ilona Ebenthal

Neuenkirchen-Vörden. Ihre erste Feststellung in Deutschland war: „Das Leben ist leichter geworden“, sagt Nalin Ali, die mit ihrer Familie vor dem Krieg in Syrien geflüchtet ist und nun seit 2015 in Neuenkirchen-Vörden lebt.

Zu Hause bei Familienpatin Maria Purtik treffen wir uns mit Nalin Ali, um in Ruhe reden zu können. Mitgebracht hat die Syrerin ihren drei Monate alten Sohn Elias, während die neun und sieben Jahre alten Söhne und die fünfjährige Tochter zu Hause beim Ehemann warten. Der hat in der Region Hasaka in Syrien als Hausmeister gearbeitet und war Alleinverdiener, während Nalin Ali die Kinder und den Haushalt versorgte. Nach Ausbruch des Krieges floh die Familie über Damaskus in den Irak, wo das Leben dort fast vier Jahre lang „sehr, sehr schwer“ gewesen sei, sodass der Entschluss reifte, nach Deutschland zu gehen. Neun Geschwister hat Nalin Ali. Ein Geschwisterteil lebt in Syrien, eins in der Türkei, zwei ebenfalls in Deutschland und der Rest mit den Eltern in der Schweiz. Einmal nur seien sie für ein Wiedersehen in die Schweiz gereist, seit sie im Dezember 2015 in Neuenkirchen-Vörden angekommen seien, erzählt die 32-Jährige, die natürlich auch Heimweh hat.  

Zuallererst habe sie Fahrradfahren gelernt und habe auch schnell mit dem Sprachunterricht gestartet. Zu Anfang mit den Ehrenamtlichen in Neuenkirchen, dann bei den verpflichtenden offiziellen Sprachkursen.

Dass sie heute so gut Deutsch spricht, verdankt sie zusätzlich den vielen Tätigkeiten, die Familienpatin Maria Purtik im Lebenslauf aufgelistet hat. Ein Praktikum in der Wäscherei der Clemens-August-Klinik eröffnete einen Reigen verschiedener Praktika. Als Inventurhilfe im Discounter, im Hotel Café Wahlde, im Hotel Restaurant Kruse und im Stationsdienst der Clemens-August-Klinik hat die Syrerin gearbeitet. „Mit sehr vielen Frauen zusammen, die alle sehr nett waren“, erklärt sie. Man habe viel miteinander geredet. Sobald ihr jüngster Sohn aus dem Gröbsten ist, möchte sie wieder arbeiten gehen, das wünscht sie sich sehr. Mit den Vorbereitungen für den Erwerb des Führerscheins ist sie jetzt gerade beschäftigt.

Sich an das Leben in Deutschland zu gewöhnen sei für ihren Mann schwieriger, weiß die junge Frau. Die drei Kinder sprechen schon sehr gut Deutsch, bestätigt Maria Purtik. Sie gehen gerne in die Schule und den Kindergarten. Die zwei Jungs spielen Fußball beim TuS Neuenkirchen, die Tochter besucht die Musikschule. Ihr Ehemann tue sich noch etwas schwer mit der deutschen Sprache, berichtet die junge Mutter. Er habe sich aber für einen weiteren Sprachkurs angemeldet und den Staplerschein erworben. Zum Freitagsgebet gehe er jede Woche in die Moschee im Ort, während sie zu Hause bleibe. Das seien sie von ihrem Dorf in Syrien so gewohnt, wo es keinen Frauengebetsraum gegeben habe.

Eine große Hilfe beim Einleben waren die laut Nalin Ali „sehr guten Nachbarn“. Die Familie hatte gleich nach dem Einzug zum Kaffee eingeladen, damals noch mit Dolmetscher. Inzwischen habe sie mehr Kontakt mit Deutschen als mit Syrern, erklärt die junge Mutter, die auch gerne ins Nähcafé geht. Eine ältere Nachbarin übe immer fleißig mit dem ältesten Sohn Lesen, freut sie sich. Und in den Sommerferien haben ihre drei „Großen“ einen Schwimmkurs gemacht. Dass sie selbst den Kurs zur Integrationslotsin absolviert hat, ist für Nalin Ali selbstverständlich. So kann sie Hilfe zurückgeben und neuen Zuzüglern helfen.


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