Reuperversammlung 2019 Vördener wollen kein Wachstum um jeden Preis

Von Hans Schmutte

Voll besetzt war der Saal Wellmann in Vörden bei der Reuperversammlung 2019. Foto: Hans SchmutteVoll besetzt war der Saal Wellmann in Vörden bei der Reuperversammlung 2019. Foto: Hans Schmutte
Hans Schmutte

Neuenkirchen-Vörden. Umfassend hat Bürgermeister Neuenkirchen-Vördens Bürgermeister Ansgar Brockmann bei der Reuperversammlung 2019 im Saal Wellmann über die Entwicklung der Gemeinde informiert. Anschließend machten die Bürger ausgiebig von der Möglichkeit Gebrauch, ihre Anliegen freimütig und mehr oder weniger emotional vorzutragen.

In einem rund einstündigen Vortrag gab der Bürgermeister einen Rück- und Ausblick über die kommunalpolitischen Geschehnisse in der Gemeinde. So stieg die Einwohnerzahl im vergangenen Jahr moderat um 58 auf jetzt 8662 Einwohner. 98 Geburten standen 78 Sterbefälle gegenüber. 

Bei den Finanzen stieg das Gesamtvolumen im Ergebnishaushalt von 13,5 Millionen Euro in 2017 auf 14,6 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Für 2019 ist ein Volumen von 14,8 Millionen Euro vorgesehen. Die Verschuldung in Höhe von derzeit 4,8 Millionen Euro wird in diesem Jahr um netto 2,25 Millionen Euro steigen, was zum Beispiel der Dorferneuerung, dem Grunderwerb, dem Straßenbau oder Investitionen in Schulen und Sportstätten geschuldet ist.

Weitere Themen waren unter anderem der Verkauf des Wasserwerks, die Verbesserung der ärztlichen Versorgung und Einkaufssituation, die Entwicklung der Bauleitplanung, der Ausbau und die Sanierung von Kitas, Grundschule und Sportplatz, die Verleihung des ersten Bürgerpreises an Reinhold Krämer, das plattdeutsche Jahr, die Buslinie nach Osnabrück oder die Breitbandversorgung in der Gemeinde.

Auch die positive Entwicklung des Niedersachsenparks wurde angeführt, durch den die beteiligten Kommunen noch jährliche Kosten in Höhe von 0,5 Millionen Euro aufbgringen müssen, aber zwei Millionen Euro Steuereinnahmen verbuchen können, wobei die Einnahmen stetig steigen. Inzwischen, so Brockmann, sei die Nachfrage nach Grundstücken im Niedersachsenpark so groß, dass man sich die „Rosinen“ herauspicken könne. Aufgrund dieser Bemerkung wurde der Industriepark von einem Bürger in „Rosinenpark“ umbenannt.


Bürgermeister Ansgar Brockmann informierte bei der Reuperversammlung über die Entwicklung der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden. Foto: Hans Schmutte


Gerade die mit dem Niedersachsenpark einhergehenden Nebenerscheinungen aber waren es, die bei einigen Bürgern Bedenken hervorriefen. So sorgen sich manche wegen der fehlenden Integrationsbereitschaft der zahlreichen Vertragsarbeiter aus Osteuropa, die zum Beispiel von der Firma Adidas beschäftigt werden und nicht wissen, ob sie dauerhaft hierbleiben.

Bedenken wegen Änderungen in den gesellschaftlichen Strukturen und dem sozialen Gefüge der Gemeinde, einem ungezügelten Flächenverbrauch und einer weiteren Verschuldung führten bei einigen Bürgern zu der Frage, ob die Gemeinde denn um jeden Preis wachsen müsse. Dies wurde von Brockmann klar verneint. Es sei ein moderates Wachstum angestrebt, so seine Aussage. Deshalb sei er auch über den Bevölkerungszuwachs von „nur“ 58 Bürgern 2018 froh. Eine Ansiedlung in der Größenordnung von Adidas werde es im Moment nicht erneut geben, da diese für die umliegenden Kommunen nicht sozialverträglich verkraftbar sei. Außerdem lasse der leergefegte Arbeitsmarkt das nicht zu. Den Schulden der Gemeinde stünden allerdings auch Vermögenswerte gegenüber wie etwa die Kläranlage mit einem Wert von neun Millionen Euro, wobei allerdings ein Verkauf nicht geplant sei. Gesellschaftliche Veränderungen brächte die Zeit mit sich, mit oder ohne Zuzüge. „Wir brauchen den Input von außen für eine gesunde Entwickelung“, so Brockmann.

Die Reuperversammlung, wie die jährliche Bürgerversammlung in Vörden genannt wird, hat ihre Wurzeln im 15. Jahrhundert und ist somit wohl eine der ältesten politischen Veranstaltungen in der Region. In früheren Zeiten wurden auf ihr Bürgermeister und Ratsherren gewählt bzw. bestimmt. Die Bürger hatten, wie heute, Gelegenheit, der Obrigkeit ihre Anliegen vorzutragen.


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